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BUDAPEST/ Erkel-Theater: „LA FILLE MAL GARDÉE“. – herzerfrischendes Wiedersehen mit dem beliebten Ashton-Klassiker.

28.10.2019 | Ballett/Tanz


Reizendes Paar: Balaban Cristina (Lise) und Gergely Leblanc (Colas). Photograph: Attila Nagy.

Budapest/ Erkel Theater:

26.10.2019: „LA FILLE MAL GARDÉE“. – herzerfrischendes Wiedersehen mit dem beliebten Ashton-Klassiker.

Jean Dauberval hat 1789 unter dem Titel Le Ballet de la paille, ou il n’est qu’un pas, du mal au bien (Das Strohballett oder Vom Schlechten zum Guten ist es nur ein Schritt) in Bordeaux als Autor, Choeograf und Tänzer ein Ballett herausgebracht, das zum ersten Mal eine reale Handlung zum Inhalt hatte und heute noch – vor allem in der köstlichen Fassung von Sir Frederick Ashton – weltweit getanzt wird. Passend zum 200. Geburtstag kehrt „A rosszul őrzött lány“, wie „das schlecht behütete Mädchen“ auf ungarisch heißt, als Wiederaufnahme ins Budapester Erkel Theater zurück.


Die strenge Frau Mama und der liebenswerte Tölpel: Maksym Kovtun (Mutter Simone) und Carlos Taravillo Mahillo (Alain). Photograph: Attila Nagy.

Nach der Matinee-Vorstellung am Vormittag, gab es eine Reihe von Debuts in der Aufführung am Abend. Jean-Christophe Lesage vom Wiener Staatsballett hat als Coach und Staging-Ballettmeister diese Produktion betreut. Das Ungarische Nationalballett unter der Leitung von Ballettdirektor Tamás Solymosi tanzte mit viel Herz und sichtlicher Freude. Cristina Balaban ist eine entzückende Lise: herzerfrischend, natürlich, dabei mit der nötigen Prise an Koketterie wie Ungehorsam. Als quirliges Energiebündel war die Solotänzerin bei ihrem Debut tänzerisch wie darstellerisch eine optimale Besetzung. Ihr zur Seite Gergely Leblanc als Colas. Der Erste Solotänzer debütierte ebenfalls und punktete durch Charme und mit gutem Aussehen. Er beeindruckte durch raumgreifende Sprünge, gutes Partnering und mit einer sehr lange gehaltenen einarmigen Hebefigur; er war aber ein wenig nachlässig in der Körperspannung. Als weiterer Debütant verlieh Carlos Taravillo Mahillo dem tölpelhaften Alain Kontur, indem er den Grat zwischen Klamauk und liebenswerter Ungeschicklichkeit fein ausbalancierte. Sehr gelungen dann der Auftritt von Maksym Kovtun en travestie als Mutter Simone. Mit wiegenden Hüften und herber Ausstrahlung siegte letztlich doch das liebende Mutterherz und der Hochzeit von Lise und Colas stand nichts mehr im Wege. Mikalai Radziush führte erstmals als stolzer Hahn die Schar der vier Hennen an. Das Corps de ballet bestach mit Esprit als fröhlich tanzende Bauernjugend.


Die flotten Hühner angeführt von Mikalai Radziush als stolzer Hahn. Photograph: Attila Nagy.

Das Orchester der Ungarischen Staatsoper unter der schwungvollen Leitung von Yannis Pouspourikas bot den entsprechenden mitreißenden Rahmen der Musik von Ferdinand Hérold in der Bearbeitung von John Lanchbery.
Der milde Herbstabend mit Temperaturen von 22° C in Budapest harmonierte passend zum Erntedankfest auf der Bühne. Das Publikum war zu recht vom dargebotenen Bühnengeschehen begeistert und spendete nicht nur zwischendurch sondern auch am Ende sehr viel Beifall.

Ira Werbowsky


Das Pferdchen stahl fast allen die Schau: Lise und Mutter mit Alain und Bauer Thomas (Jurii Kekalo). Photograph: Attila Nagy.

PS: Das weiße Pony (hier ist nicht bekannt, ob es ebenfalls debütierte) war sich jedenfalls seiner Bedeutsamkeit bewusst, bedankte es sich doch für die erhaltenen Leckereiern für erfolgreich absolvierte Passagen am Ende beim Schlussapplaus mit einem gehörig großen Haufen Rossknödel, was viel Gelächter unter den Zuschauern auslöste, das Ensemble zu elegantem Ausweichen ob des Hindernisses nötigte und dem Überreicher der Blumen für die Protagonistin einen Tritt ins Glück bescherte.  
 
 

 

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