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BUDAPEST/ Eiffel Art Studios: „TOUT ROUGE“ – eine Uraufführung und eine Wiederbegegnung im Stream

09.05.2021 | Ballett/Tanz

Budapest/ Eiffel Art Studios

08.05.2021: „TOUT ROUGE“ . – eine Uraufführung und eine Wiederbegegnung im Stream

Mit dem neuen Stream-Programm der Budapester Staatsoper werden an den Samstagen von Jänner bis Juni interessante Aufführungen sowie Premieren geboten. Diesmal stand unter dem Übertitel „Tout rouge“ („Alles Rot“) mit „Firebirds“ eine Balletturaufführung von Marianna Venekei auf dem Programm – kombiniert mit „5 Tangos“, einem der Meisterwerke von Hans van Manen.

Marianna Venekei absolvierte die Ungarische Ballettakademie und ist seither im Ungarischen Nationalballett – zunächst als Tänzerin, seit 2014 als Erste Ballettmeisterin; seit 2002 choreografiert sie. Bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet – so erhielt sie u.a. den Harangozó Award (2001), den Preis als beste Choreografin für „Chapter 2“ in Canada (2003), den Hungarian Gold Cross of Merit, Civil Divison (2015) und zuletzt im Vorjahr den Seregi Award – ist ihr umfangreiches Œuvre an Piecen sehr vielfältig. Es sei hier nur die Umsetzung von Tennessee Williams´ Theaterstück „ A Streetcar Named Desire“ genannt, dass 2017 im Erkel Theater als abendfüllendes Handlungsballett uraufgeführt wurde. 

Für ihre neueste Kreation hat sie sich einen Text aus Füves Könvy von Sándor Márai als Basis genommen. Sándor Márai ist einer der bedeutendsten ungarischen Lyriker, Schriftsteller und Dramatiker des 20. Jahrhunderts. In leicht ironischer Form vergleicht der Autor Frauen beim Auffinden ihrer amourösen Nahrung – wie er es nennt – mit vögeln, wie sie ihr Futter suchen und nach umkreisenden Manövern plötzlich zupacken und es sich holen.

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Die Frauen als Feuervögel. Copyright: János Kummer

Als Musik wählte die ungarische Choreografin die Komposition „Der Feuervogel“ von Igor Strawinski. Dieses Werk war ursprünglich eine Auftragsarbeit von Serge Diaghilev, der damit 1909 für seine Ballets Russes ein neues Ballett hervorbringen wollte – ein russischen Märchen um einen schillernden glitzernden Vogel, der Iwan und der Prinzessin zu ihrem Liebesglück verhilft und sie vor dem bösen Kastschej rettet. Die Uraufführung fand 1910 statt; später schuf der Komponist mehrere Fassungen davon für konzertante Aufführungen.

Das Bühnensetting stammt von Éva Szendrényi, die Kostüme schuf Kriszta Berzsenyi  – kurze, zipfelige Kleider für die Mädchen und Tights mit Shirts oder Sakkos für die Männer, jeweils  in Schattierungen von Kirschrot bis Auberginefarben mit bunten Einsätzen, erinnernd an prächtiges Federkleid. 

Zu Beginn wird der Text von Sándor Márai vom Schauspieler László Sinkó gelesen. Der ironische Blick bleibt auch in der Choreografie sichtbar und führt zu amüsanten tänzerischen Umsetzungen in einer zeitgenössischen Tanzsprache, die auf klassischem Ballett fußt und viele gymnastische Elemente enthält.

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Erste Begegnung der Frauen mit den Männern. Copyright: Péter Rákossy

Auf der Bühne bietet eine geometrischer Konstruktion mit schrägen Ebenen und höhlenartigen Bauten Ausblick und Unterschlupf zugleich. Von einem erhöhten Plateau ausgehend, halten die sieben Tänzerinnen nach ihren möglichen Liebesobjekten Ausschau, indem sie sich abwechselnd einzeln, dann wieder synchron auf, um und unter dieser Konstruktion bewegen, oft mit an große Vögel erinnernden Bewegungen. Alsbald tauchen sieben Tänzer auf und nach ersten Annäherungen finden die Paare zueinander. Die Selbstbestimmtheit der Frauen lässt aber eine nach der anderen wieder verschwinden – und so bleiben am Ende die Männer alleine zurück. Eine sehr kompakte und gelungene Ensembleleistung von Lea Földi, Cristina Balaban, Inès Furuhashi-Huber, Miyu Takamori, Ágnes Kelemen, Artemisz Pisla, Yuka Asai, Noel Ágoston Kovács, Balázs Majoros, Carlos Taravillo Mahillo, Iurii Kekalo, Dénes Darab, András Rónai, und Francesco Sardella.

Diese Aufführung wurde am 22. 4. für den Stream aufgenommen – mit eingefügtem Applaus aus dem Off.

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5 Tangos. Fulminantes Paar: Lili Félmery und Gergely Leblanc. Copyright: Attila Nagy

Nach einer kurzen Pause folgte dann „5 Tangos“ von Hans van Manen – einem seiner bekanntesten Piecen. Zur spannungsgeladenen Musik von Astor Piazzolla führen die feurigen Tangos mit knisternder Erotik zum Beziehungskampf der Geschlechter in unterschiedlichen Konstellationen. Abrupte Wechsel von scharf akzentuierten Schrittfolgen, exakte und präzise Formationen charakterisieren die Choreografie im erotischen Spiel von Mann und Frau. Von den sechs Paaren stechen besonders Lili Felméry und Gergely Leblanc hervor – virtuos getanzt und vom Publikum heftig und begeistert akklamiert – handelte es sich doch hier um eine Aufzeichnung vor Publikum der Vorstellung in den Eiffel Art Studios/Bánffy Bühne vom 11.September 2020 (als Zuschauer erlaubt waren) als Teil des modernen Ballettprogramms „Cactucses“.  

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Das exakte Ensemble in „5 Tangos“. Copyright: Attila Nagy

Ein grandioser Ballettabend rund um das Thema Liebe – „tout rouge“.

Ira Werbowsky

 

 

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