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BUDAPEST: 150 Jahre Franz-Liszt-Musikakademie Budapest Festkonzert am 14. November 2025

15.11.2025 | Konzert/Liederabende

150 Jahre Franz-Liszt-Musikakademie Budapest Festkonzert am 14. November 2025

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Copyright: Franz Liszt-Musikakademie 

 Die Franz-Liszt-Musikakademie ist eine Hochschule für Musik in Budapest. Mit rund 900 Studierenden ist sie die größte Musikhochschule in Ungarn. Am 14. November 1875 wurde die Musikakademie vom Pianisten und Komponisten Franz Liszt als Königlich-Ungarische Musikakademie gegründet. Im Jahr 1925 erhielt sie ihren heutigen Namen. Von 1928 bis 1944 war der hoch angesehene Komponist und Dirigent Ernst von Dohnányi Direktor der Hochschule, die bis heute als eine der international renommiertesten Ausbildungsstätten für junge Musiker gilt. Zu den Professoren gehörten unter anderem Béla Bartók (Klavier), Zoltán Kodály (Komposition), Éva Martón (Gesang). Nach Entwürfen der Architekten Kálmán Giergl, geboren als Koloman Giergl (1863-1954) und Flóris Nándor Korb (1860-1930) wurde im Jahr 1907 ein Neubau für die Akademie errichtet. Sein Jugendstilsaal gilt als eines der bedeutendsten Beispiele dieser Stilrichtung in Budapest. Bis Ende 2013 wurde das Gebäude aufwändig renoviert.  

Am 14. November fand nun zur 150-Jahrfeier ein Festkonzert im großen Saal statt. Nach endlosen Begrüßungsworten auf Ungarisch und kurzen Zusammenfassungen auf Englisch spielte das Studentenorchester der Akademie unterm dem in Debrecen geborene Dárius Teremi, der erst im Juni sein Dirigentendiplom erworben hatte, zunächst Franz Liszt sinfonische Dichtung „Les Préludes“. Seit dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Zweiten Weltkrieg erlangte das Hauptthema als Erkennungsmelodie für den Wehrmachtsbericht in Rundfunk und den Wochenschauen traurige Bekanntheit. Als „Siegesfanfare“ ist das Thema auch in Karlheinz Stockhausens (1928-2007) Oper „Montag“ zu hören, und zwar in Luzifers Zorn.

Als zweites Konzert spielte man den Festival Prolog von Dezső Antalffy-Zsiross (1885-1945), bestehend aus den Sätzen March Triumphale, Intermezzo und Thanksgiving Chorale. Der ungarische Organist und Komponist wurde in Zrenjanin, Serbien, geboren und starb in New Jersey, USA. Gerade der letzte Satz „Thanksgiving Chorale“ weist auf den nordamerikanischen Bezug dieses „Erntedankfestes“ hin, das in den USA ein staatlicher Feiertag und zugleich das wichtigste Familienfest ist.

Nach der Pause spielte der 17jährige, in Bratislava geborene Teo Gertler, Sieger des Violinwettbewerbs, das zweisätzige 1. Violinkonzert (Sz 36, BB 48a) von Béla Bartók (1881–1945) mit den Satzbezeichnungen Andante sostenuto und Allegro giocoso. 1908 hatte Bartók das Konzert vollendet, aber erst 13 Jahre nach seinem Tod gelangte es zur Uraufführung. Das Konzert entstand unter dem Eindruck der erst 18-jährigen Geigerin Stefi Geyer, zu der Bartók eine Liebesbeziehung unterhalten hatte. Den Abschluss bildete die Uraufführung eines mich stark an Filmmusik erinnernden Konzertes Celestial Pathways von Máté Bella (1985*) für Orgel und Orchester. Den Orgelpart spielte Balázs Szabó. Das Konzert war  sehr gut besucht  und wurde vom anwesenden Publikum heftig applaudiert, ein Beweis dafür, dass der ungarische Musiknachwuchs über hervorragende Lehrkräfte verfügt.  

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Copyright: Franz Liszt-Musikakademie 

Am darauffolgenden Tag sollten noch Liszts Années de pèlerinage, eine Sammlung von 26 Charakterstücken für Klavier solo, zur Aufführung   gelangen. Da der Rezensent aber zeitgleich die Premiere des neuen Lohengrins an der Ungarischen Staatsoper zu rezensieren hatte, musste er den zweiten Teil der Feierlichkeiten schweren Herzens absagen.

 

   Harald Lacina  

 

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