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Bruno Max: DAS PROLONGIERTE WUNDER

28.05.2013 | buch

Bruno Max:
DAS PROLONGIERTE WUNDER
Von der „Mödlinger Bühne“ zum Stadttheater Mödling
1913-2013

Hundert Jahre und kein bisschen müde – das gelingt nicht jedem. Gewiss, viele kleine österreichische Orte bekamen noch „zu Kaisers Zeiten“ ansehnliche Stadttheater, aber nicht alle haben sich gehalten. Baden natürlich, das für ganz Niederösterreich als Operettenmetropole agiert, während andere, wie das prunkvolle Theater in Berndorf, gerade im Sommer zu einigen Aktivitäten erwachen. Das Theater in Mödling erstand vor hundert Jahren in Privatinitiative. Wie es überlebt hat, das berichtet in einem großformatigen, liebevoll recherchierten und gestalteten Bildband nun der Mann, der das Haus seit immerhin 1997 leitet: Bruno Max.

Das Geheimnis des Moments lautet „Synergie“ – Max bespielt Mödling und seine Wiener Bühne, die „Scala“, mit demselben Ensemble, denselben Stücken, und beschert Mödling damit ein äußerst reges, von zahlreichen Premieren pro Saison gezeichnetes Theaterleben. Das kann natürlich am ausführlichsten dokumentiert werden, aber Bruno Max ging bis ins Jahr 1913 zurück – die Stadt hat übrigens seit damals ziemlich unverändert um die 20.000 Einwohner, das ergibt schon ein Publikum. Bruno Max kann heute sagen, dass er mit rund hundert Vorstellungen in Jahr 12.000 Mödlinger ins Theater zieht.

Eigentlich geht die hiesige Theatertradition schon weit ins 18. Jahrhundert zurück, als die Wanderbühnen auch hier Station machten, aber mit Karl Juhasz begann es wirklich.  Er kam aus Wien, war ein Pionier der neuen Kunstform Film und wollte eigentlich einen Saal für Kino und Varieté errichten. Am 3. Oktober 1913 hieß es „Vorhang auf“ für ein opulentes Eröffnungsprogramm, in dessen Rahmen auch zwei Filme gezeigt wurden. Aber von Anfang an war auch Theater vorgesehen – und auch das funktionierte. Ein alter Theaterzettel zeigt, dass man immerhin 1917 ein Gastspiel des in Wien berühmten Leopold Kramer (ein großer Schnitzler-Schauspieler) zeigen konnte. Andere aus den Archiven hervorgeholte Dokumente erweisen sich als darüber hinaus kulturgeschichtlich interessant: An zwei Theaterzettel zu Grillparzers „Ahnfrau“ kann man zwischen 1921 und 1925 die Inflation ablesen: Kostete ein Platz Balkon 1. Reihe 1921 noch 12 Kronen, war dieser 1925 auf 16.000 (!!!) gestiegen… Unvorstellbar.

Gespielt hat man hier alles, von Stummfilmen zu „Nathan der Weise“, vom „Land des Lächelns“ bis zu den „Räubern“. Und das Ehepaar Juhasz hielt bis zum Zweiten Weltkrieg durch. Der Kinoboom der fünfziger Jahre ließ den Vorhang mehr für Filme als für Theater aufgehen, aber irgendwie behaupteten sich die Schauspieler immer. Jahrelang gastierte das Volkstheater Wien mit seinen „Bezirksvorstellungen“ auch in Mödling, das ja eine Art „Vorort von Wien“ ist (früher gab’s sogar eine Straßenbahn, die von der Stadt aus hier hinaus führte!), dann wollte man die Löwinger Bühne  ansiedeln, aber das scheiterte am Protest der Mödlinger, bis man sich schließlich nach anderen Versuchen den ernsthaften Wunsch, hier ganzjährig ganz normal „Theater“  zu machen, mit der Intendanz von Bruno Max erfüllen konnte.

Und niemand wird es dem Theater, das dieses Buch im Eigenverlag herausbrachte, verübeln, dass die letzten 16 Jahre mit allen Aufführungen, Besetzungen und Bildern ausführlich am Betrachter vorbeispazieren: Schließlich ist das Buch ja für jene gedacht, die so treu in Mödling ins Theater gehen (und Wiener „Scala“-Besucher kennen ja alle Aufführungen auch).

Renate Wagner

 

 

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