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BRÜSSEL/ La Monnaie: TRISTAN UND ISOLDE – Kurzbericht

20.05.2019 | Oper


Schlussapplaus mit Ricarda Merbeth, Alain Altinoglu und Ève-Maud Hubeaux. Foto: Klaus Billand

BRÜSSEL/ La Monnaie: Kurzbericht–TRISTAN UND ISOLDE 19. Mai 2019

La Monnaie, oder in gut Flandrisch das De Munt, brachte im Mai eine neue „Tristan“-Produktion heraus, die in verschiedenen Besetzungen der Hauptrollen immerhin – das Munt ist ein erstklassiges Stagione-Theater – zehn Mal in Serie gespielt wurde. GMD Alain Altinoglu stand am Pult des Orchestre Symphonique de la Monnaie und lieferte eine außergewöhnlich dynamische, ja im wahrsten Sinne des Wortes leidenschaftliche musikalische Interpretation des opus summum Richard Wagners. Man hatte fast den Eindruck, als wollte er für den Mangel an Emotion und Empathie auf der Bühne musikalisch entschädigen. Denn was man zu sehen bekam, war eine nahezu aseptische, an Bewegungsarmut bzw. deren genauester Dosierung nur so strotzende Inszenierung von Ralf Pfleger, die Heiner Müllers „Tristan“ in Bayreuth und zuletzt in Linz in den Schatten stellte und selbst dem Pantomimen-Papst Robert Wilson sehr nahe kam. In den Bühnenbildern von Alexander Polzin, mit den ebenso extravaganten wie geschmackvollen Kostümen von Wojciech Diedrich und der ebenso ungewöhnlichen Lichtregie von John Torres sowie einer phantasievollen Choreographie von Fernando Melo war die visuelle Ästhetik jedoch durchaus interessant und ansprechend, wenn man von der eigentlich in diesem Musikdrama angesagten erotischen Leidenschaft einer mit der sprichwörtlichen „Sitte“ konfrontativen und damit unmöglichen Liebe zu abstrahieren bereit und in der Lage war. Was man aus dem Graben hörte, hatte eben mit dem, was auf der Bühne geschah, recht wenig zu tun.


Schlussapplaus mit Ricarda Merbeth und Christopher Ventris. Foto: Klaus Billand

Der bewährte Christopher Ventris, nach Bryan Register die Zweitbesetzung, bekanntlich kein Heldentenor, passte perfekt in dieses filigrane Konzept und sang den Tristan mit viel Schönklang und sichtlich unterdrückter Emotion. Ricarda Merbeth sang als Drittbesetzung nach Ann Petersen und Kelly God in dieser Dernière die Isolde, wenn man von einem„Singen“ überhaupt reden will. Denn was zu hören war, war vor allem das Konzentrieren auf das Stemmen aller Spitzentöne, deren Noten zwar stets erreicht wurden, die aber, zumal mit einer unzureichenden Mittellage und einer quasi nicht vorhandenen Tiefe wenig über den Text aussagten, den Wagner da geschrieben hatte. Denn es war fast nichts zu verstehen. Von Phrasierung „schon gar keine Spur“. Mir fiel sofort des Meisters berühmte Bitte an seine Sänger ein: „Text, Text und wieder Text… Bleibt mit gewogen, Ihr Lieben“ oder so ähnlich. Darstellerisch kam Merbeth möglicherweise der restriktive Stil der Personenführung entgegen. Mit einem ebenso klangvollen wie ausdrucksstarken und wortdeutlichen Mezzo glänzte Ève-Maud Hubeaux als Brangäne. Sie konnte trotz aller Bewegungsarmut eine gewisse Emotionalität nicht verbergen, was ihrerRolleninterpretation gut tat. Franz-Josef Selig sang mit tiefem Bass und eher in Statistenmanier den König Marke, ließ aber zweifellos erkennen, welches Potential er für diese Rolle hat. Andrew Foster-Willams debutierte in dieser „Tristan“-Serie mit dem Kurwenal und ließ einen prägnanten Bariton hören. Der von Martino Faggiani geleitete Männerchor des Monnaie beeindruckte durch außerordentliche stimmliche Potenz und sang zunächst hinter einem Spiegel im Bühnenhintergrund und am Schluss von den Proszeniumslogen.

(Detaillierte Rezension in Kürze).

Klaus Billand aus Brüssel

 

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