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BRÜNN/ Brno/ Mahen Theater: „GISELLE“. – Ballettpremiere vereint romantischen Stil mit kubanischer Leidenschaft

10.05.2026 | Ballett/Performance

Brünn / Mahen Theater 08.05.2026: „GISELLE“. – Ballettpremiere vereint romantischen Stil mit kubanischer Leidenschaft

Ein beliebtes wie berühmtes Ballett kehrt mit dieser Produktion nach Brno zurück: Das zweiaktige Ballett „Giselle“ zur Komposition von Adolphe Adam beruht auf dem Libretto von Théophile Gautier und Jules-Henri Vernoy de Saint-George nach Heinrich Heine und basiert auf der Choreografie von Jean Coralli und Jules Perrot. Uraufgeführt 1841 in Paris mit Carlotta Grisi in der Titelrolle, wurde dieses Werk rasch in der damaligen Ballettwelt ein Erfolg. In  Brno gelangte dieses Stück erst spät zur Aufführung – die Version von Miroslav Kůra stammt von 1968, die Fassung von Jiří Blažek aus dem Jahr 1983. Daher war es Mário Radačovský, dem artistic director of Národni divadlo Brno-Ballet, ein großes Anliegen, dieses bekannte Ballett wieder hierher auf die Bühne zu bringen.

Der kubanische Choreograf Rodolfo Castellanos studierte nun seine Version mit der Ballettcompagnie ein. Damals als Tänzer im Ballet Nacional de Cuba arbeitete Alicia Alonso mit ihm und so vereint er in seiner Kreation den romantischen Stil ganz in der Tradition nach Alicia Alonso mit kubanischer Leidenschaft und viel Pantomime, um Herz und Seele in den Charakteren sichtbar zu machen. Als Assistent Choreographer unterstützte ihn Yolanda Correa, Primaballerina und Principal Soloist im Norwegian National Ballet. Der Fokus in der choreografischen Arbeit liegt hier bei der Protagonistin, die im Zentrum steht, während der männliche Hauptpart zurückhaltender gesehen wird. Auch musikalisch setzt Rodolfo Castellanos besondere Akzente, indem er u.a. vier Paare zum Divertissement des Bauern-Pas de deux einsetzt. Das dazu passende Bühnensetting lässt er im Mittelalter ansetzen – pittoresk umgesetzt von Jaroslav Milfajt; die farbenfrohen Kostüme stammen von Ľudmila Várossová. Den edlen Rahmen als Aufführungsort für diese Produktion bildet das Mahen Theater mit seinem prächtigen historischen Ambiente.

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Das Blumenorakel: Ksenia Ovsyanick (Giselle) und Alejandro Virelles (Albrecht)

(© Pavel Hejný)

Für die Premiere konnte Mário Radačovský international bekannte Ballettpersönlichkeiten als Gäste gewinnen: Ksenia Ovsyanick gastiert als Giselle und Alejandro Virelles als Albrecht. In der Sowjetunion geboren und in Belarus aufgewachsen, wo sie ihre Ballettausbildung absolvierte, kam Ksenia Ovsyanick mit einem Stipendium vom renommierten Ballettwettbewerb Prix de Lausanne an die English National Ballet School und wurde 2008 ans English National Ballet engagiert, wo sie gleich zu Beginn ihrer Karriere die Partie der Giselle tanzte. 2016 wechselte sie ans Staatsballett Berlin, dem sie bis 2024 als Erste Solistin angehörte, um nun als internationale Gastkünstlerin aufzutreten. Ksenia Ovsyanick spielt im ersten Akt hingebungsvoll das verliebte Bauernmädchen, dass die jähe Erkenntnis des Liebesbetruges in den Wahnsinn und damit in den Tod treibt. Im zweiten Akt erscheint sie als verinnerlichtes Geisterwesen, das schwerelos über die Bühne gleitet. In ihrer Rolleninterpretation überzeugt sie durch ihre emotionale Stärke im Ausdruck und feinen Tanz.   

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Liebe über den Tod hinaus: Ksenia Ovsyanick (Giselle) und Alejandro Virelles (Albrecht)
(© Pavel Hejný)

Alejandro Virelles stammt aus Kuba und war Erster Solist beim Staatsballett Berlin; zuvor war er u.a. am English National Ballet und dem Bayerischen Staatsballett engagiert. Er zeigt sich hier als schmucker Junker, für den Giselle nur eine kleine Tändelei bedeutet, um erst zu spät die gesamte Tragweite seines gedankenlosen Handels zu erkennen und am Ende reumütig an Giselles Grab nieder zu sinken. Sein technisches Können lässt er in seinen Sprüngen aufblitzen und bietet ein sicheres Handling im harmonischen Interagieren mit seiner Partnerin.     

Große Präsenz auch in einer kleineren Rolle bewies Shoma Ogasawara als treu ergebener Freund Wilfried – er machte damit neugierig auf seinen künftigen Auftritt als Albrecht. Als etwas ungehobelter Wildhüter mit einem Herz voll Liebe zu Giselle konnte Ilja Mironov gefallen.

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Exquisit tanzend: An Se Hyun als Myrtha (© Pavel Hejný)

An Se Hyun überzeugt als Myrtha durch exquisiten Tanz, sie führte das stilvoll tanzende Corps de ballet der Wilis souverän an. Mit kühler wie unerbittlicher Härte kennt sie  Hilarion gegenüber keine Gnade und so muss er sich zu Tode tanzen, während Albrecht nur durch die Kraft von Giselles über das Leben hinausgehender Liebe vor dem Tod bewahrt blieb.

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Das stilvoll tanzende Corps de ballet der Wilis (© Pavel Hejný)

In den Charakterrollen waren Ivan Popov als majestätischer Herzog von Kurland, Nashua Mironova als huldvolle Bathilde und Jelizaveta Šibajeva als besorgte Mutter Bertha zu sehen. Das Ballettensemble tanzte mit viel Esprit im ersten Akt als ländliche Bevölkerung.

Das Orchester stand unter der umsichtigen und feinfühligen Leitung des jungen Dirigenten Dominik Pernica. Das vom Gesehenen sehr angetane Publikum zollte allen Mitwirkenden sowie dem Leading Team viel und langanhaltenden Beifall mit Standing Ovation. Sehenswert sind sicherlich auch die weiteren Vorstellungen getanzt von alternativen Besetzungen aus dem Ballett Národni divadlo Brno.

Ira Werbowsky       

 

 

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