Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BRUCKNERS „NEUNTE“ MIT DEM PITTSBURGH SYMPHONY-ORCHESTRA UNTER MANFRED HONECK

30.07.2019 | cd

Anton Bruckners neunte Sinfonie mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter Manfred Honeck

BOMBASTISCHE WUCHT
Bildergebnis für pittsburgh symphony orchestra bruckner neunte honeck

CD mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter Manfred Honeck und Bruckners neunter Sinfonie bei Reference Recordings erschienen/ Oktav- und Quint-Intervall sind bei Anton Bruckners neunter Sinfonie genauso wichtig wie bei Beethovens Neunter, was bei der sehr strukturierten und formal klaren Wiedergabe dieses Alterswerkes mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von Manfred Honeck auch gut zur Geltung kommt. Aus dem geheimnisvollen Nichts formt sich dabei der erste Satz. Die Hörner tasten wie ratlos den Akkord der Grundtonarten ab. Die feierliche Fanfare rafft dann alle Kräfte zusammen. Gut gelingen hier die sich zusammenballenden Energien,  damit sich das urgewaltige und in schroffen Oktaven abstürzende Hauptthema bilden kann. Nach diesem ergreifenden Tonsymbol Gottes verläuft der gesamte Satz sehr konsequent als „Auseinandersetzung mit Gott“. So sinkt der Klang in leere Tiefen hinab – und die Streichermelodie des zweiten Themas entfaltet sich eindringlich. Trost und Stärke treten im Orchester dank Manfred Honecks einfühlsamem Dirigat in bemerkenswerter Weise hervor. Aus der Umkehrung des Themas erwächst dabei die gewaltige Steigerung. Und aus wogenden Quinten tritt das dritte Thema ans Licht, das Honeck mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra ebenfalls fast kristallklar hervorhebt. Die Hörnermelodien besitzen eine eindringliche Linienführung. In die Zukunft scheint dann die gewaltige Durchführung zu weisen. Und die kühne Reprise zeigt den Komponisten einmal mehr als ringenden Gottsucher. Hart prallt dann in der Coda gegen den Granitblock des Hauptthemas die Einleitungsfanfare – und der dröhnende Schlussakkord ist eine offene, bohrende Frage. Für manche Zuhörer wird das Pittsburgh Symphony Orchestra dabei mit wohl etwas zu viel Schönklang musizieren. Doch insgesamt wird die Balance zwischen schroff-bombastischen und eher lyrischen Passagen bei dieser Aufnahme sehr gut gehalten. Vor allem gelingt es Manfred Honeck hervorragend, den mystisch-geistigen Inhalt dieser Komposition herauszuarbeiten. Das erstaunliche Kopfthema des Scherzo-Satzes erklingt hier mit geradezu erfrischender Lebendigkeit. Neben dem wild stampfenden Rhythmus steuert die Oboe einen kecken Ländler bei. Und über das zarte Trio huschen plötzlich gespenstische Schatten. Neben den feingetönten Melodien ist für die poetische Stimmung aber auch noch genügend Platz. Großartig gelingt Manfred Honeck (der unter anderem von 2007 bis 2011 Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart war) zuletzt das Adagio als „Abschied vom Leben“. Alle Lebensmotive des Meisters scheinen hier in einer ergreifenden Weise noch einmal vorüberzuziehen. Entrückte und sphärenhafte Höhen werden von einem Schrei der Qual durchbrochen – Hörner und Tuben stimmen den „Abschied vom Leben“ an. Tröstlich wirkt bei dieser Aufnahme das zweite Thema – und die Streichermelodie weckt wieder neu die Qual. Nach der kämpferischen Themenumkehrung enthüllen die Streicher eine bewegende Vision des Jenseits, die Manfred Honeck überaus konzentriert beschwört. Die sanften Klänge der Verklärung verhallen nach den letzten monumentalen Ausbrüchen umso eindrucksvoller. Insbesondere die Unisono-Einsätze gelingen dem Pittsburgh Symphony Orchestra bei dieser empfehlenswerten Einspielung vorzüglich

(Label Reference Recordings).

Alexander Walther

 

Diese Seite drucken