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Brouchal / Sachslehner: UNTERIRDISCHES ÖSTERREICH

24.11.2013 | buch

BuchCover Sachslehner, Unterirdisches Oesterreich x

Robert Bouchal / Johannes Sachslehner:
UNTERIRDISCHES ÖSTERREICH
Vergessene Stollen. Geheime Projekte
265 Seiten. Styria Premium Verlag, 2013 

Styria hat eine eigene Verlagsreihe herausgebracht, in der österreichische Themen „am Rande“ aufgearbeitet werden. Da gab es schon Seltsames, Schauriges und Unheimliches genug, aber so abwegig wie die Suche nach dem „unterirdischen“ Wien war wohl kaum etwas. Angesichts der Fotos, die Robert Bouchal aufgenommen hat, und den Forschungen, die Autor Johannes Sachslehner betrieb, kann man sich regelrecht vorstellen, wie die beiden wochen- und monatelang durch unterirdische Stollen der Stadt gekrochen sind…

Dabei findet man in diesem „unterirdischen Erbe“ gar nichts von den Türkenkriegen, wo die Stadt auch schon einige Tunnels besessen haben soll, mit deren Hilfe man sich etwa zum Kahlenberg durchschlagen konnte… Nein, es ist vor allem das Erbe des Dritten Reichs, dem die Autoren mit einer Gewissenhaftigkeit auf der Spur sind, wie sie nur besessene Fachleute aufbringen können.

Im Krieg wurden riesige Tunnelsysteme gegraben, die in erster Linie dazu dienten, im unterirdischen Raum Waffen zu erzeugen und den Mythos der Hitler’schen „Wunderwaffe“ aufrecht zu erhalten. Nach dem Krieg wusste man vielfach nichts von den Stollen, und als mehr und mehr auftauchte, wollte niemand zuständig sein. Die BIG (Bundesimmobiliengesellschaft), die heute die Verantwortung trägt, hat den Autoren exklusiv für dieses Buch Zugang gewährt.

Sie haben geschaut, fotografiert, reichlich nachrecherchiert und berichten eigentlich im Stil von Zeitungsreportern bei einer Lokalaugenschein-Story: Es ist zum guten Teil eine schaurige Geschichte des letzten Krieges geworden, mit vielen Überlegungen, wie mit einem solchen „Erbe“ (das niemanden freut und auch keine Touristen bringt…) umgegangen werden soll… Auch so Skurriles wie die „Fledermaus-Fauna“, die sich an manchen Stollenwänden findet, ist heutigen Hütern der Stollen dabei eine Überlegung wert.

Renate Wagner

 

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