Brno / Janáček Festival 2026:
Mahen Theater: “IVO KAHÁNEK & BALLET NdB 3”. – 25.10.2026
An diesem Abend kamen drei Werke von Leoš Janáček zur Aufführung, die dem Klavier gewidmet sind. Der bekannte tschechische Pianist Ivo Kahánek, der bereits mehrfach mit dem NdB Ballett zusammengearbeitet hat – zuletzt bei der Uraufführung von „Maska“ im September – steht im Mittelpunkt dieses ungewöhnlichen Ballettabends. Nach dem Vorbild der Ballettcompagnie NdT, wo damals durch die Initiative von Jiří Kylián ein eigenes Ensemble für die älteren und erfahrenen Tänzerinnen und Tänzer ins Leben gerufen worden war, gründete auch Mário Radačovský, artistischer Direktor vom Ballet NdB, eine eigenständige Tanzformation NdB 3 für künstlerisch reife Tänzerinnen und Tänzer, die mit eigens für sie geschaffenen Tanzkreationen ihre Ballettabende bestreiten. Erstmals ist das NdB 3 bei der EXPO 2025 in Osaka mit den beiden auch hier gezeigten Choreografien aufgetreten und wurde dort sehr gefeiert, wie auch danach bei ihrem Erstauftreten im heimatlichen Brno. Seither gab es schon mehrfach Vorstellungen mit diesem Ensemble.
Begonnen wurde mit dem Capriccio JW VII/12, für Klavier (linke Hand) und Kammerbläserensemble, das Janáček für Otakar Hollmann komponiert hatte. Der Musiker erlitt im Ersten Weltkrieg eine schwere Verletzung seiner rechten Hand, die es ihm verunmöglichte, weiterhin Geige zu spielen. Als Invalide begann er Klavier zu studieren und eignete sich durch angepasste Arrangements für die linke Hand ein gewisses Repertoire an. Hollmann hatte auch bei Janáček wegen einer spezifischen Komposition angefragt; nach anfänglicher Ablehnung hat Janáček dann doch mit dem Capriccio ein Werk für Hollmann geschaffen. Das viersätzige Stück (I. Allegro – II. Adagio – III. Allegretto – IV. Andante) ist für Klavier, Flöte, zwei Trompeten, drei Posaunen und Tenortuba besetzt und wurde 1928 mit Hollmann uraufgeführt. Es gehört heute zu den international meistgespielten Kompositionen.
Dirigent Vít Spilka leitete das Bläserensemble – Katerina Cechová (Flöte), Jan Mikel und Vojtech Bartonicek (Trompete), Martin Kuzela (Tenortuba) sowie Jiri Pól, Tomás Votava und Jaroslav Broza (Posaune), Ivo Kahánek spielte seinen einhändigen Part am Steinway-Flügel mit viel Gefühl.
Choreografin Megumi Nakamura kreierte hierzu ein Tanzstück über das Meistern von Lebenskrisen und über den Mut, sich gegen Widrigkeiten aufzulehnen – mit viel Ausdruck umgesetzt von Ivona Jeličová, Nashua Mironova, Klaudia Radačovská, Petr Hos, Martin Svobodnik und Ilia Mironov.

Das Ensemble in „Capriccio“ (© Marek Olbrzymek)
Nach der Pause wurde mit „Im Nebel“, JW VIII/22 fortgesetzt. Janáček – inspiriert durch Klavierwerke von Claude Debussy – schuf hier einen viersätzigen Klavierzyklus mit impressionistischen Musikmerkmalen (I. Andante – II. Molto adagio – III. Andantino – IV. Presto). Die 1912 fertiggestellte Komposition gewann den ersten Preis beim Kompositionswettbewerb des Klubs der Kunstfreunde; Janáček überließ dort allerdings die Drucklegung dem zweitplatziertem Jaroslav Kvapil, der sein Schüler war und so wurde „Im Nebel“ erst ein Jahr später im Konzert uraufgeführt. Die träumerisch-melancholische Grundstimmung der Komposition wurde von Ivo Kanhánek meisterhaft erlebbar gemacht.

Gefühlvoll am Flügel: Pianist Ivo Kahánek (© Marek Olbrzymek)
Zum Abschluss des Abends wurde „Auf verwachsenem Pfade, JW VIII/17“ aufgeführt. Der zunächst fünf Piecen umfassende Zyklus – gedacht als kleine Stücke für Harmonium in den Heften Slawische Melodien – wurde nach und nach auf 10 Nummern erweitert; sie entstanden über mehrere Jahre verteilt zwischen 1900 und 1911; sie spiegeln persönliche Erinnerungen des Komponisten wider, wie die poetischen Titel der einzelnen Nummern belegen.
Mário Radačovský schuf zu diesen Klavierminiaturen für das NdB 3 eine einfühlsame Choreografie, die sich mit der Vergänglichkeit der Zeit und der Auseinandersetzung mit dem Tod beschäftigt. Virtuos am Klavier von Ivo Kahánek begleitet, zeigten die sieben Tänzerinnen und Tänzer im harmonisch fließenden zeitgenössischem Bewegungsstil in unterschiedlichen Begegnungen mit dem Tod (sehr präsent: Ilia Mironov) wie fragil das Leben ist, ausdrucksvoll umgesetzt von Ivona Jeličová, Nashua Mironova, Klaudia Radačovská, Petr Hos, Martin Svobodnik und Andrej Szabo.

Begegnung von Mensch (Petr Hos) und Tod (Ilia Mironov) (© Marek Olbrzymek)
Viel Applaus gab es für alle Mitwirkenden an diesem besonderen Abend, der Konzert und Tanz sensibel vereinte.
Ira Werbowsky

