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Boris Bloch spielt Tschaikowsky beim Label ARS Produktion

19.01.2021 | cd

Boris Bloch spielt Tschaikowsky beim Label ARS Produktion

Der Meister als Poet

Der Pianist Boris Bloch mit Werken von Peter Tschaikowsky bei ARS Produktion/

Ars Produktion | Neuheiten

Der aus Odessa stammende Pianist Boris Bloch stellt hier Werke von Peter Tschaikowsky vor. Dieser Aufnahme liegt ein Konzert im Jahr 2018 zugrunde, das er anlässlich des 125. Todestages von Tschaikowsky an der Folkwang-Universität in Essen gab. Er lehrte auch für viele Jahre als Professor an diesem Institut. Bloch spielt Tschaikowsy nicht analytisch, sondern leidenschaftlich und emotional. Und dies ist die richtige Sichtweise. Interessant ist auch, was er selbst erzählt. So berichtet er beispielsweise, dass sich sowohl Strawinsky als auch Prokofjew für Tschaikowsky als russischen Nationalkomponisten ausgesprochen haben. Schönheit, Aufrichtigkeit und Schlichtheit seiner Melodien kommen auch auf dieser CD in bewegender Weise zum Vorschein. Dies zeigt sich sogleich beim Zyklus „Die Jahreszeiten“ op. 37, wo Boris Bloch diesen intimen Stimmungsbildern ein Höchstmaß an transparenter Anschlagstechnik abgewinnt, auch wenn die klanglichen Möglichkeiten des Flügels zuweilen begrenzt sind. Bloch gelingt es hier ausgezeichnet, Assoziationen zu Robert Schumann herzustellen. Gerade die elfte Nummer „Troika“ besticht als klanglich reizvolle Schlittenfahrt mit klingendem Glöckchen. Melancholie und poetisches Naturempfinden gipfeln im fünften Stück „Weiße Nächte“ in einer sphärenhaft-betörenden Apotheose. Zuweilen rückt Bloch Tschaikowsky auch in die Nähe Frederic Chopins – aber nie aufdringlich. Dies zeigt sich nicht nur bei „Un poco di Chopin“ op. 72 Nr. 15, sondern auch bei „Valse sentimental“ op. 51 Nr. 6, wo die Klangflächen sich völlig zu verbinden scheinen. Boris Blochs rhythmisches Feingefühl kommt bei weiteren Nummern wie der Romanze in f-Moll op. 5, „Natha-Valse“ op. 51 Nr. 4 oder „Dumka“ op. 59 in ausserordentlich überzeugender Weise zum Vorschein. Die Stücke „Momento lirico“ (Impromptu) op. post., „Valse sentimental“ op. 51 Nr. 6 und „Dialogue“ op. 72 Nr. 8 scheinen bei dieser Aufnahme ganz direkt zum Zuhörer zu sprechen. Dynamische Steigerungen korrespondieren mit seelischen Erregungen, wobei die blühende Melodik immer wieder triumphiert. Zuweilen werden diese Klänge in sphärenhafte Höhen getragen, das aufrührerisch-wilde Melos der Sinfonien fehlt hier völlig. Aber die philosophischen Dimensionen dieser Musik werden präzis herausgearbeitet. 

Alexander Walther 

 

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