4.4. 2026 – BOLOGNA AUDITORIUM MANZONI Orchestra del Teatro Comunale di Bologna – Michele Mariotti, Dirigent – Federico Colli, Pianist
Karsamstagsfreuden mit Schumann und Wagner

Copyright: Andrea Ranzi
Das Auditorium Manzoni, 1933 im italienischen Jugendstil errichtet, fasst 1200 Zuseher, befindet sich mehr oder weniger im Stadtzentrum der Hauptstadt der Emilia-Romagna und dient vor allem als Konzerthalle für die symphonische Reihe des Orchestra del Teatro Comunale di Bologna, dessen Chefdirigent Roberto Abbado ist.
Diesmal ist Michele Mariotti als ehemaliger Chefdirigent und GMD des Teatro Comunale di Bologna zu Gast und man merkt bei jedem Ton, dass die Chemie zwischen Orchester und Maestro stimmt. Der Pesarese hat sich in den letzten Jahren als Fixstern nicht nur am internationalen Verdi- und Rossini-Himmel etabliert, sondern findet sein Betätigungsfeld zusehends mehr und mehr im symphonischen Geschehen – nicht umsonst ist er designierter Chefdirigent des Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai – und widmete sich erstmals als musikalischer Leiter des Teatro dell’Opera di Roma mit seinem letztjährigen Saisoneröffnungs-Lohengrin einem Werk des Leipziger Opern-Großmeisters.
Der 1988 in Brescia geborene Federico Colli gilt als große Hoffnung unter den italienischen Nachwuchspianisten. Ausgebildet u.a. am Mailänder Konservatorium und am Salzburger Mozarteum gewann er dort 2011 den Mozartwettbewerb, und sein Lebenslauf weist neben einer beachtlichen Diskographie diverse Konzertauftritte mit namhaften Dirigenten wie Yuri Temirkanov, Vladimir Ashkenazy oder Vasily Petrenko auf. Erst kürzlich debütierte er unter Riccardo Frizza am Teatro di San Carlo in Neapel mit Schumanns einzigem Klavierkonzert, das er auch in Bologna zu Gehör bringt.
Schumann widmete sein Klavierkonzert in a-Moll seiner Gattin Clara, und verewigte sie gleich musikalisch zu Beginn des ersten Satzes in der Tonfolge C-H-A-A (der italienischen Schreibweise ihres Namens geschuldet: CHiArA). Sie selbst war Solistin der Uraufführung 1845 in Dresden.
Colli, ganz im Stile des romantischen Komponisten des 19. Jahrhunderts gekleidet, zieht mit seiner gefühlvollen, aber doch auch dramatisch-drängenden Interpretation das Publikum in seinen Bann, das Orchester und Mariotti sind mehr als nur Begleiter bei seiner musikalischen Reise durch die Hochromantik und wissen mit feinfühligen Holzbläsersoli ebenso wie mit kraftvollen Paukenklängen zu punkten.
Der zweite Teil des kurzweiligen Abends ist ganz Richard Wagner gewidmet: Das streicher-gehaucht anhebende Vorspiel zu Lohengin findet eine perfekte Steigerung mit Fortdauer der Interpretation, die Tempi, die dynamischen Variationen zeugen von großer Klasse und detaillierter Arbeit. Der dann folgende Karfreitagszauber aus dem Parsifal dringt noch tiefer in die Gralswelt ein und bildet einen majestätischen Nährboden für vorösterliche Klangfreuden, während das Orchester unter Mariotti mit der Konzertfassung von Vorspiel und Isoldes Liebestod aus Tristan und Isolde einen todtraurigen und erlösenden Abschluss zaubert. Auch hier feine Klangfarben, ziseliertes Herausarbeiten der Instrumentalsolostellen – das Hauptaugenmerk ist dabei auf die ausgewogenen Holzbläserklänge gerichtet, für die die Streicher einen kraftvollen Unterboden bilden.
Mariotti zeigt schon nach Ende des Lohengrin-Vorspiels an, dass er keinen Applaus zwischen den Stücken wünscht – so entsteht eine beseelte Klangmagie voll erhebender Melodien – eine perfekte Einstimmung für die nachfolgende Osternachtsfeier in der (quasi-) benachbarten Kathedrale San Pietro in Bologna.
Sabine Längle

