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BLINDENMARKT/ Herbsttage: Die Wiener Operettenseele, geht es ihr heute in Wien noch gut?. Am Beispiel „DER ZAREWITSCH“ in Blindenmarkt

12.10.2026 | Operette/Musical/Show

BLINDENMARKT /Herbsttage: DER ZAREWITSCH

Die Wiener Operettenseele, geht es ihr heute in Wien noch gut? 11.10.2026

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Wolfgang Dosch. Foto: Gerhard Jantoch

Die so vielgeliebte Wiener Operette aus längst vergangenen Tagen, die Goldene, die Silberne – geht es dieser heute in der Stadt, in der sie aufgeblüht ist, noch gut? Nein, es geht ihr gar nicht gut. Die Wiener Stadtpolitiker investiert in den von ihnen finanzierten Vereinigten Bühnen Wien in auswärts eingekaufte Musicals – oder schlechte Musik (bitte, Beispiel: zur Zeit die abgestandenen Standards in der Eigenproduktion „Maria Theresia“ im Ronacher). In der Volksoper werden von den Stammgästen die derzeit neu präsentierten Operetten-Inszenierungen wenig geschätzt. Und im Burgenland, auf der Mörbischer Seebühne, hat Landeshauptmann Doskozil das ‚Mekka der Operette‘ verbannt und lässt aufgewärmte Erfolgsmusicals, Jahrzehnte alte – also alles andere als aktuelle Showhits – aufwändig produzieren.

Es fehlt an Geist in der Kultur-, in der Stadtpolitik – und bereits auch an heimischen Persönlichkeiten, an kreativen Köpfen. In den meisten der führenden Wiener Kulturinstitutionen sind nach Österreich geholte Personen an die Spitze gestellt. Und ein Blick auf die Musikuniversitäten der Stadt: Wie sieht es mit der Ausbildung junger Menschen aus, mit einem pädagogischen Einführen in diese gar nicht so leichte Kunstgattung Operette? Im ORF scheint es keinen Spezialisten mehr zu geben. Und an den Ausbildungsstätten? Da scheint unter Lehrfach ‚Operette‘ eine einzige Position auf …. 

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Szene aus „Der Zarewitsch“ in Blindenmarkt. Foto: Lukas Beck

Und als einziger Fachmann wird Regisseur Wolfgang Dosch geführt. Seit dreissig Jahren unterrichtend. Gerade ist er in diesen Wochen in zwei Funktionen an die Rampe getreten: Im Mostviertel hat er für die traditionellen wie alljährlich total ausverkauften ‚Herbsttage Blindenmarkt‘ Franz Lehárs „Der Zarewitsch“ in einer Fassung als psychologisches Kammerspiel inszeniert – Staatsräson und Politik gegen persönliches Glück. Und im Wiener Ehrbarsaal präsentierte Dosch als Solovortragender zu Klavierbegleitung mit all seiner darstellerischer Hingabe sein vormals mit Studierenden erarbeitetes Programm „Ghettomädel. Operette und Chanson in Theresienstadt“. Theresienstadt, Terezin: Zu melodischem Schönklang haben sich in diesem Ghetto die Opfer der Nationalsozialisten in zahlreichen Cabaret-Bretteln zusammengefunden. Haben dort auf ihrem Weg in den Tod bei gefühlvoller Musik und gemeinsamem Lachen letzte Freude und „die dem Ghetto entsprechende seelische Reinigung“ gefunden (wie es dort Rabbi Weiner, der Leiter der Organisation ‚Freizeitgestaltung‘ bezeichnete). Wie Tenor LouisTreumann, der Danilo der Uraufführung der „Lustigen Witwe“. Oder der Oskar Straus-Sohn Leo, der auf seinem „Straus-Brettl“ Operetten, Parodien, Sketches zur Aufführung brachte. „Liebes, kleines Ghettomädel“ oder „Ja, wir in Terezin“ oder “Wo i geh´ und steh´, da schaufeln Juden Schnee“ hatte es dort geheißen. Wie auch „Jetzt ist alles aus“ oder “Theresienstadt, die schönste Stadt der Welt“ (nach „Wien, Wien, nur du allein“). Edles musikalische Gut von Kálmán, Leopoldi, Benatzky, auch der Stauß-Familie und vielen Vergessenen ist dazu erklungen.

Dosch tritt im Unterricht wie als Sänger, Regisseur, forschender Autor und als Generalsekretär der internationalen Franz Lehár-Gesellschaft für die Erhaltung österreichische Kultur ein: „Die Wiener Musiktheater sind zu Tourismusbetrieben verkommen und sind keine Kulturbetriebe mehr. Man muss handeln, muss in Wien die Seele wienerischer Kultur wieder entdecken und mit Geschmack, Stilkenntnis, Liebe, Leidenschaft auf hohem Niveau pflegen. Nicht nur für Touristen. Die Operetten-Festspiele in Bad Ischl (Lehár-Festival) und in Blindenmarkt zeigen vor: Stets ausverkauft, das Spiel mit Herz und Hirn spricht an. Das Publikum vertraut der Marke Operette, doch diese ist heute bereits zur Marktlücke geworden ist.“ Operette ist für Wolfgang Dosch Läuterung durch Lachen. Sie wirkt wie eine Batterie für Glückseligkeit. „Sie vermag Menschen glücklicher zu machen. Lächelnde Menschen sind die Besseren!“ So denkt der Regisseur und ‚Operettenprofessor‘, der seit bald drei Jahrzehnten Studierenden aus aller Welt in Wien mit Leidenschaf und großer Kompetenz unterrichtet – zwischen Cabaret und hohem C.

 

Meinhard Rüdenauer

 

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