Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BJÄRE/ VÄSTRA KARUP Kirche – BIRGIT NILSSON FESTIVAL 2026 – Stipendiatenkonzert LUTHANDO QAVE

08.08.2026 | Konzert/Liederabende

VÄSTRA KARUP Kirche – BIRGIT NILSSON FESTIVAL 2026 – Stipendiatenkonzert LUTHANDO QAVE; 7.8.2026

qayo
Luthando Qave. Foto credit: Gunilla Hovenäas

Die Västra Karup Kirche auf der Halbinsel Bjäre ist ein geschichtsträchtiger Ort. Birgit Nilsson hat hier mit dem Fahrrad vom väterlichen Bauernhof in Svenstad kommend als Mädchen im Kirchenchor geglänzt. Auch während der Hochblüte ihrer Karriere ist sie immer wieder dorthin für Konzerte zurückgekehrt. In einem späten Interview sagte Nilsson, sie hätte in dieser Kirche öfter gesungen als an der Metropolitan Opera oder in Wien. Auf dem Kirchhof in Västra Karup liegt Birgit Nilsson nun begraben, gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem 2007 verstorbenen Ehemann Bertil Niklasson.  

Nicht ist logischer, als dass diese Kirche heute als der Ort etabliert ist, an dem die Übergabe des Stipendiums samt Konzert des Stipendiaten jährlich im August stattfindet. Denn die Bekanntgabe des Namens des Sängers oder der Sängerin findet bereits am 17. Mai eines jeden Jahres, dem Geburtstag der schwedischen Diva, statt.

Dieses Jahr ging die künstlerische und finanzielle Anerkennung an den südafrikanischen Bariton Luthando Qave. Der mittlerweile in Schweden lebende Sänger studierte am University College der Stockholmer Oper und nahm am Programm „Metropolitan Opera Lindemann Young Artists Development“ teil. Seit einigen Jahren ist er an der Royal Swedish Opera, der Gothenburger Oper, dem Opernhaus von Malmö und der Norrlandsoperan in Rollen wie Figaro („Il barbiere die Siviglia“), Marcello („La Boheme“), Heerrufer (Lohengrin) oder Escamillo (Carmen) zu hören.

Für sein kleines Konzert vor der Urkundenüberreichung wählte der Sänger offenbar sein persönliches „Best of“. Klar, dass man an einem solchen Abend dem zahlreich erschienenen, überwiegend heimischen Publikum vorführen möchte, was man draufhat. So stellte er sich, begleitet von Magnus Svensson am Klavier, in einem wahrlich knallbunten Reigen an populären Kompositionen von John Irelands ‘Sea fever‘, ‚Ol‘ man river‘ aus Jerome Kerns „Show Boat“, der Arie des Barnaba ‚Piscator, affonda l’esca‘ aus Amilcare Ponchiellis Oper „La Gioconda“ über Rachmaninovs „Frühlingswiesen Op. 14, Nr. 11, bis zu Carlo Gérards ‚Nemico della Patria‘ aus dem dritten Akt der Oper „Andrea Chenier“ von Umberto Giordano vor. Dazwischen trug der stimmmächtige Stipendiat Schuberts „Die Forelle“, Musicalnummern aus „Anatevka“ von Jerry Bock und Sheldon Harnick sowie ‚Stars‘ aus „Les Misérables“ von Claude-Michel Schönberg/Alain Boublil vor. Da durften in diesem Allerlei auch zwei Nummern von südafrikanischen Tonsetzern nicht fehlen: Phelelani Mnomiyas ‚Yim‘ lo‘ (Zulu) und Sibusiso Njezas ‚Wamuhle mzantsi Afrika (Xhosa).

Eines ist sicher: Quirliges Bühnentemperament und eine ausgesprochen komödiantische Ader hat er, dieser Luthando Qave. Was das Opernleben in Schweden angeht, muss man sich um den sängerischen Nachwuchs offenbar keine Sorgen machen. Wobei die großkalibrigen Stimmen derzeit Konjunktur haben dürften. Qave verfügt über einen breit geführten, in allen Lagen sicher ansprechenden Bariton, der in Sachen Oper und Musical seine ansehnlichen stimmlichen Mittel wirksam wie überschwänglich zu präsentierten weiß. Bei Schubert und Rachmaninov könnte das eine oder andere Piano mehr sicherlich zur stilistischen Politur beitragen.

Bengt Hall, Vorsitzender der Birgit Nilsson Foundation, lobte jedenfalls in der Presseaussendung die frische und jugendliche Stimme. Das Publikum bedankte sich bei dem Sänger mit lauten Ovationen, dieser wiederum mit dem naturfrohen ‚Till havs‘ (‚Zur See‘) von Gustaf Nordqvist. Durch den Abend führte Stefan Johansson, ehemaliger Chefdramaturg an den Opernhäusern in Stockholm und Malmö in schwedischer Sprache.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

Diese Seite drucken