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BIG GAME

17.06.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Big Game~1

Ab 19. Juni 2015 in den österreichischen Kinos
BIG GAME
USA, Finnland  /  2015
Regie: Jalmari Helander
Mit: Samuel L. Jackson, Onni Tommila, Jim Broadbent, Felicity Huffman u.a.

Gewiß, auch im wirklichen Leben werden amerikanische Präsidenten gelegentlich bedroht oder gar ermordet, aber was sie auf der Filmleinwand erleiden müssen, geht auf keine Kuhhaut. Sahen die „Mr. President“ früher wie Harrison Ford aus, so hat Obama das Bild korrigiert: Nach Jamie Foxx, über dem 2013 gleich das Weiße Haus im Terrorangriff zusammenbrach, ist nun Samuel L. Jackson der Präsident, wieder einmal in seiner Air Force One unterwegs, irgendwo über dem unwirtlichsten Skandinavien.

So, wie der Film anhebt, kann man eigentlich davon ausgehen, dass er ernst gemeint ist. Hier harter, rauer, finnischer Alltag in den Wäldern: Der Junge Oskari wird zu seinem 13. Geburtstag von seinem Vater und den Dorfkapazundern nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet, in die Wildnis geschickt (alles auf Finnisch übrigens): Auch hier gibt es eine Art Initiationsritus, und da verbringt man eine Nacht allein draußen und bringt möglichst noch spektakuläre Jagdbeute mit, so wie die Fotos von Papa und den anderen harten Männern an der Wand zeigen…

Parallel sitzt der US-Präsident, scheinbar von seinen Getreuen umgeben (dass nicht alle so getreu sind, stellt sich bald heraus), in seinem eleganten Flugzeug. Und wie es die Dramaturgie eines „Rettet den Präsidenten“-Thrillers will, lauern in den Wäldern Terroristen (darunter Mehmet Kurtulus als verrückter Bösewicht), die mit den tollsten HighTech-Waffen ausgestattet sind und darauf brennen, den Flieger samt den meisten Insassen abzuschießen.

Natürlich ist man als Kinobesucher nach der erfolgten Katastrophe dann auch in der Kommando-Zentrale des Weißen Hauses, allseits Verwirrung, die Politiker, Militärs, CIA schlagen Rad – aber man kapiert auch bald, dass gewisse Leute etwas mit dem Anschlag zu tun haben… Sind schon arm, die amerikanischen Präsidenten (wie viele Vizes haben schon in der Realität davon geträumt, dass ihrem Vorgesetzten was Letales passiert?): Niemand mag sie.

Drei Ebenen also, aber vor allem die Zusammenführung von 1 und 2: Wenn der abgestürzte Präsident auf den Jungen trifft, wechselt die Sache auch hier glücklicherweise ins Englische, denn das spricht man auch in finnischer Einsamkeit. Dafür erkennt man den US-Präsidenten nicht – macht nichts, Oskari glaubt ihm, dass der herumstolpernde Mann Hilfe braucht. Und von da an wird die Handlung – Mann und Junge auf der Flucht vor den Bösen – einfach so albern, dass man es kaum glauben will.

Offenbar hatte Jalmari Helander, der finnische Drehbuchautor und Regisseur des Films, eine alberne Komödie im Sinn, was er ursprünglich wirklich nicht preisgab (und wenn sich am Ende die Verschwörer in den USA gegenseitig umbringen, ist es eigentlich auch nicht so lustig). Aber als Parodie hätte er das alles von vornherein gänzlich anders angehen müssen. Er negiert völlig, dass diese Art von Thriller-Action neben der Spannung ja doch noch einen Hauch von Glaubwürdigkeit mitbringen sollte. Was da an Albernheiten passiert (plötzlich segeln die beiden in einer Gefriertruhe [!!!] über die Wälder oder geben sich gleich als Helden, die am Hubschrauber hängen), vermittelt dem Zuschauer das Gefühl, hier total verschaukelt zu werden. Denn für eine Komödie hat die Sache ja eigentlich keinerlei Substanz…

Da mag Onni Tommila als der 13jährige Oskari (mit seinem leicht “fremd” wirkenden Gesicht) noch so glaubwürdig sein, da mag Samuel L. Jackson die Routine eines Schauspielers abziehen, der sein Handwerk versteht – hier geht es in der Wildnis, Präsident und Junge von Terroristen gejagt, schlechtweg nur dumm zu. Ach ja, und die herrliche skandinavische Landschaft, in der das alles spielt – ja, gedreht wurde in Bayern. Nicht die einzige Seltsamkeit an diesem Unsinn.

Renate Wagner

 

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