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BIEL/ SOLTHURN: CASANOVA IN DER SCHWEIZ, Komische Oper von Paul Burkhard

29.10.2021 | Oper international

Casanova in der Schweiz» - Abenteuer in fünf Bildern von Paul Burkhard -  Theater Biel Solothurn

Paul Burkhard: Casanova in der Schweiz • Theater Orchester Biel Solothurn, Stadttheater Solothurn • Vorstellung: 28.10.2021

 (9. Vorstellung • Premiere in Biel am 17.09.2021)

 Eine hinreissende Komödie in einer hinreissenden Produktion

Es ist das grosse Verdienst von Intendant Dieter Kaegi Paul Burkhards Abenteuer in fünf Bildern «Casanova in der Schweiz», dessen Uraufführung am 20. Februar 1943 sogar im Radio übertragen wurde, der Vergessenheit entrissen zu haben. Besonders fasziniert die vielfältige Musik mit Anklängen an Jazz und späte Operette, die mal an die Filmmusik der Uraufführungszeit, mal an Richard Strauss «Rosenkavalier» erinnert.

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Foto © Suzanne Schwiertz

Das Sinfonie Orchester Biel Solothurn unter musikalischer Leitung von Riccardo Fiscato spielt hoch motiviert und konzentriert und bringt Burkhards Musik mit grosser Sensibilität zum Klingen. Die an den Film erinnernden Kommentare der Musik zur Handlung gelingen punktgenau, die tänzerischen Einschübe mit französischer Leichtigkeit, die Streicher können süss wie in der Operette klingen, die dunklen Bläser ganz zu Beginn des Werks schaffen sofort die passende Atmosphäre. Ist das Orchester so in Form, ist es das reine Vergnügen!

Simon Schnorr gibt den Titelheld mit wendigem, blitzsauber geführtem Bariton und begeistert mit grosser Bühnenpräsenz und bester Textverständlichkeit. Konstantin Nazlamov ist sein Diener Leduc und geht in seiner an den Leporello erinnernden Rolle – auch et hat eine «Register-Szene» – ganz und gar auf. Rebekka Maeder ist in grosser Form und singt eine wunderbare Madame de ***. Bariton Wolfgang Latzel ist ihr prächtig klingender Gatte Monsieur de ***. Judith Lüpold als Madame Latente, Lysa Menu als Binz, Josy Santos als Glutz und Céline Steudler als Die Dubois sind das Damen-Quartett, das den aus Stuttgart geflohenen Casanova gerade noch vom Eintritt ins Kloster Maria Einsiedeln abhält. Die vier Damen, immer bestens verständlich, stacheln sich im Spiel gegenseitig an und tragen so, neben Casanova, den Abend. Bassbariton Horst Lamnek gibt einen prächtigen Fürstabt und den französischen Botschafter Chavigny. Martin Mairinger ist ein höhensicherer Haushofmeister Lebel, dessen Rolle in der Ballszene (Casanovas Ball für die Solothurner Gesellschaft; 3. Bild) doch deutlich an den Triquet aus «Eugen Onegin» erinnert. Zwei Studierende des Schweizer Opernstudios an der Hochschule der Künste in Bern, Nuno Santos als Ein Kellner/Lakai und Tereza Kotlanava als Eine Servante/Wirtin, ergänzen das formidable Ensemble in beeindruckender Art und Weise. Shirin Patwa, Tiziana Lenzi und Jella Feller von der Ststisterie TOBS spielen die drei Damen, die Casanova über den Verlust der Dubois hinwegtrösten.

Georg Rootering hat in seiner Inszenierung die Handlung nicht abstrahiert und lässt sie in einem Einheitsbühnenbild (Vazul Matusz) mit Möbeln aus Casanovas Zeit spielen. Leicht zu verschiebende Wände ermöglichen einen raschen Szenenwechsel. Die ausgesprochen ästhetischen Kostüme von Rudolf Jost finden ihre Inspiration ebenfalls in Casanovas Zeit. Claude Rast setzt die rundum überzeugende, sensible Arbeit ins richtige Licht.

Ein hinreissende Komödie in einer hinreissenden Produktion!

Weitere Aufführungen: https://www.tobs.ch/de/musiktheater/stuecke/stueck/prod/605/.

28.10.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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