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BIEL/ SOLOTHURN/ Theater Winterthur: SERATA ITALIANA – Eine Lehrstunde in Sachen Belcanto. Livestream

29.01.2021 | Oper international

Serata Italiana, Theater Orchester Biel Solothurn / Theater Winterthur, Livestream: 29.01.2021

Eine Lehrstunde in Sachen Belcanto

Bio
Michele Govi, Franco Trinca, Josy Santos und Leonardo Galeazzi vor dem Stadttheater Biel. Foto: © TOBS

Corona und das nicht umsetzbare Gastspiel des TOBS mit der Produktion von «L’Italiana in Algeri» in Winterthur veranlasste das Theater Winterthur und Theater Orchester Biel Solothurn stattdessen auf der Bühne des Theater am Stadtgarten einen italienischen Abend zu spielen und diesen zu streamen.

Das Konzert beginnt mit der ersten Nummer aus Donizettis «Don Pasquale» (Introduzione, Romanza «Bella siccome un angelo», Cavatina «Un foco insolito»). Leonardo Galeazzi als Don Pasquale und Michele Govi als Malatesta strahlen im Wohlklang um die Wette und entführen den Zuhörer sogleich in sonnige Italien. Herrlich gelingt Galeazzi das freudig nervöse Stottern, als er erfährt, dass er die Angebetete demnächst sehen wird. Josy Santos begeistert mit «Una voce poco fa» aus Rossinis «Il barbiere di Siviglia»: traumhafte Tiefen, wunderbare Höhen, perfekte Technik und beseelter Vortrag. Ohne Unterbruch schliesst «Dunque io son…», das Duett von Rosina und Figaro an, mit dem Santos und Govi die Begeisterung steigern. In «Miei rampolli femminini», der Arie des Magnifico aus «La Cenerentola» zeigt Govi sein ganzes Potential: herrlich gelingt das Parlando, eindrücklich die Traumdeutung. Das Duett „Ai capricci della sorte“ aus Rossinis „L’Italiana in Algeri “ führt den Belcanto und die Italianità nahtlos weiter: Santos und Govi glühen nur so vor Musikalität. Im zweiten Durchlauf der Aria Mustafà «Già d’insolito ardore nel petto» brlliert Galeazzi mit wunderbaren Verzierungen. Santos und Galeazzi halten das Brio auch im Duett der Isabella und des Mustafà («Ohi! che muso, che figura!»). Mit «Ho un gran peso sulla testa», der Arie des Taddeo, läuft Govi zu grosser Form auf. Hier wird klar, warum er seit langem zu den tragenden Säulen der Pflege der italienischen Oper am Theater Biel Solothurn gehört. Die Kavatine der Isabella «Per lui che adoro» wird in der innigen, absolut musikalischen Gestaltung Santos zum würdigen Finale des Abends. Das Finale der Herren ist ein wunderbar lebendiges und in halsbrecherischer Geschwindigkeit vorgetragenes Duett «Cheti cheti immantinente»: Die Silben pfeifen dem Zuhörer nur so um die Ohren.

Das Sinfonie Orchester Biel Solothurn unter Maestro Franco Trinca schwingt sich zu neuen Höhen auf. So wird Belcanto musiziert! Glücklich ein Orchester, das im Kollektiv zu einer solchen Leistung fähig ist, das so hervorragende Solisten (Flöten!) besitzt und einen solchen Dirigenten hat!

Viel zu schnell ist die Serata vorbei. Man wäre so gern noch geblieben…

21 Tage im Internet verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=Bk0iw33bk8Y

29.01.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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