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Bernhard Barta: SISSIS TOD

08.02.2014 | buch

BuchCover Barta, Sissis Tod 2014.01

Bernhard Barta: 
SISSIS TOD
Ein Salzkammergut-Krimi
240 Seiten, Haymon Taschenbuch 154, 2013

Es scheint, als sei die heimische Leserschaft der amerikanischen Krimis müde, und die skandinavischen befriedigen auch nicht jenes gewisse Bedürfnis an „Regionalität“, das in Zeiten der Globalisierung immer stärker als Gegengewicht herangezogen wird. Neben den Wien-Krimis und den „Wien um 1900“-Krimis (zugegeben eine ganz besonders reizvolle Epoche) sind nun einzelne Regionen, die ihrerseits etwas von Ferien-Zauber verströmen, in den Vordergrund getreten, sei es Südtirol oder, wie im Fall von Bernhard Barta (der seine Bücher auch noch mit skurrilen eigenhändigen Zeichnungen schmückt), das Salzkammergut.

Salzkammergut, Kaiser, Ischl ist eins, und wenn der Titel „Sissis Tod“ auch ein kleiner Etikettenschwindel ist (was man wiederum den Medienleuten des Verlags nicht übel nehmen darf, Reizworte zu verwenden, auf die jeder anspringt), so hat es doch auf einigen Umwegen wieder seine Berechtigung: Die Tote ist nicht Sissi, sondern ein weltberühmter Filmstar (mit österreichischen Wurzeln), die gerade für einen  „Sissis Tod“-Film vor der Kamera stand, als der Tod sie erreichte.

Der Fall kommt auf Inspektor Gustl Brandner, den in der Region jeder kennt, und mit ihm durchstreift man nun Ischl und Gmunden (mit Recherche-Besuchen in Wien) auf der Suche nach dem Täter. Das ist nicht übertrieben spannend, viel eher ein Milieubild mit einigen Bosheiten – wenn das Opfer „Kaprisky“ heißt und wirklich eine kaprizierte Ziege war, oder der Kurdirektor, der keiner leiden kann, auf den sprechenden Namen „Grinser“ hört…

Man begegnet einerseits den Mitgliedern des Filmsteams, die – ob Produzentin, ob Stars – ungefähr so sind, wie man sich Leute aus Hollywood vorstellt, und der Autor klappert noch alle Kapazunder der Region ab. Da die Kaprsiky offenbar mit jedem irgendeine Art von Verhältnis hatte (meist auch ein Nahverhältnis), kann Barta dafür sorgen, dass nach und nach jeder kurzfristig verdächtig ist, schafft es aber doch, mit seiner Lösung zu überraschen – denn daran hätte man eigentlich nicht gedacht…

Das Milieu und allerlei Insider-Geplänkel des Salzkammerguts verbinden sich mit dem Krimi zu einer gewissermaßen „gemütlichen“ Geschichte. Es muss ja nicht immer nervenzerfetzend sein.

Renate Wagner

 

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