Christoph Willibald Gluck: Iphigénie en Tauride • Bühnen Bern • Vorstellung: 16.06.2023
(6. Vorstellung • Premiere am 14.05.2023)
Koproduktion mit der Opéra National de Lorraine Nancy
So kann Gluck süchtig machen
Glucks «Iphigénie en Tauride» als Sommerproduktion von Bühnen Bern begeistert weiterhin das Publikum. Besondere Erwähnung verdienen die Damen des Chors der Bühnen Bern.

Foto © Janosch Abel
Zsolt Czetener (Chorleitung) hat bei der Vorbereitung des Chores einmal mehr ganze Arbeit geleistet. Die Damen vom Chor der Bühnen Bern begeistern mit wunder kompaktem, harmonischem Klang und grosser Bühnenpräsenz. Mit bewundernswerter Perfektion und viel Gefühl gestalten sie vermeintlich so einfachen Nummern.
Das Berner Symphonieorchester unter musikalischer Leitung von Sebastian Schwab besticht in seinem Spiel mit warm grundiertem, agilem Streicher-Fundament, herrlichen Bläsern, feierlichem Schlagwerk und sehr hellem Hammerklavier.
Soula Parassidis gibt die Iphigénie mit jugendlich-dramatischem Sopran und intensiver Bühnenpräsenz. Da sie das «dramatisch» phasenweise deutlich stärker als das «jugendlich» gewichtet, ist die Reaktion nicht ganz so einhellig wie bei den anderen Solisten. Das mag aber auch an ihrem intensiven Spiel liegen. Robin Adams als Thoas überzeugt mit seinem kernigen Bariton und der natürlich-glaubwürdigen Darstellung des Skythen-Königs. Bariton Jonathan McGovern als Oreste und Tenor Michał Prószyński als Pylade harmonieren als Freundespaar stimmlich und szenisch ideal – so, als wäre sie schon seit ewig langer Zeit beste Freunde. Giada Borrelli als Première Prêtresse und Diane, Lucija Ercegovac als Deuxième Prêtresse und Femme grecque und Christian valle als Le ministre du sanctuaire und Un Scythe ergänzen das Ensemble. Um die Handlung verständlicher zu machen, wird die Familie Iphigénies stumm dargestellt: Samuel Thompson ist Agamemnon, Kate McNamara ist Clytemnestre, Medan Jamila Messerli ist Iphigénie enfant und Sebastiano Delano Sorpresi ist Oreste enfant.
Die Regie von Silvia Paoli ist weiterhin gut nachvollziehbar und gibt Glucks Meisterwerk einen adäquaten Rahmen.
So kann Gluck süchtig machen!
Weitere Aufführungen: So. 18.06.23, 18:00 und So. 25.06.23, 18:00.
16.06.2023, Jan Krobot/Zürich

