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BERN/ Bühnen: I CAPULETI E I MONTECCHI. Capuleti die Dritte. Premiere

22.05.2022 | Oper international

Vincenzo Bellini: I Capuleti e i Montecchi • Bühnen Bern • Premiere: 21.05.2022

Capuleti die Dritte

An den Bühnen Bern hatte die dritte Produktion von Bellinis frühem Meisterwerk dieser Saison in der Schweiz ihre Premiere. Leider vermag die Produktion weder szenisch noch musikalisch zu überzeugen.

cap
Foto © Tanja Dorendorf

Regisseur David Hermann ist zu Bellinis Romeo und Julia-Variante nur wenig eingefallen. Die Idee den Beginn der Handlung am Sarg von Capellios ermordetem Sohn stattfinden zu lassen, wäre nicht schlecht, würde sie konsequent und sinnfällig verfolgt. Wenn der schwarze Block mit grell weisser Beleuchtung erst durch ein darauf gestelltes Foto als Sarg erkennbar wird und die Handlung über weite Strecken in Dunkelheit (Licht: Bernhard Bieri) verschwindet. Bettina Mayers (Bühne) Beitrag zur Produktion erschöpft sich in unterschiedlich gerafften Vorhänge, einer Einbauküche und dem erwähnten Sarg. Die wenig phantasievollen Kostüme stammen von Axel Aust. Jean-Philippe Guiois choreographiert den Chor: Sinn und Zweck der seltsamen Bewegungen des Chores aber erschliessen sich den Abend über auch nicht mal ansatzweise.

Sebastian Schwabs Wirken im Graben ist die Ursache des miserablen musikalischen Eindrucks des Abends. Die musikalische Leitung krankt schon daran, dass die einzelnen Nummern zuerst viel zu langsam, dann kurze Zeit in passendem Tempo und dann rasend schnell dirigiert werden. Nicht nur die Solisten haben Mühe das System dahinter zu entdecken. Leider fehlt auch das Handwerk, die Recherche, dass im Belcanto die Stimme das Primat hat und das Orchester Begleitfunktion, wäre kein Zauber. So aber wird aus Belcanto «Belgrido». Die enorme Lautstärke des Berner Symphonieorchester zwingt den Chor der Bühnen Bern wie die Solisten ausnahmslos zum Brüllen (ital. gridare) um nicht im Klangrausch unterzugehen.

Matheus França gibt mit seinem relativ leichten Bass Julias Vater Capellio, wohingegen Christian Valle mit dem schwereren und eher nach Vater klingendem Bass seinen Vertrauten Lorenzo singt. Beiden Bässen fehlt aber die für den Belcanto unerlässliche stimmliche Agilität. Filipe Manu singt den Tebaldo mit viel Schmelz und guten Höhen. Giada Borelli ist eine Giulietta mit jugendlichem Sopran und blendenden Höhen. Im Laufe des Abends werden die Höhen durch die Anstrengung gegen das Orchester anzukämpfen immer schärfer. Evgenia Asanova ist mit vollem Mezzo und androgyner Erscheinung als Romeo ideal besetzt.

Leider die schwächste der drei Produktionen.

Weitere Aufführungen:

So. 29. Mai, 18:00; Di. 07. Juni, 19:30; Mi. 15. Juni, 19:30; So. 19. Juni, 16:00; Do. 23. Juni, 19:30;

Sa. 25. Juni, 19:30; Sa. 02. Juli, 19:30

23.05.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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