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BERN/ Bühnen: DON CARLOS .  Warum nur heisst die Oper «Don Carlos»?

02.11.2021 | Oper international

Giuseppe Verdi: Don Carlos • Bühnen Bern • Vorstellung: 31.10.2021

 (3. Vorstellung • Premiere am 16.10.2021)

 Warum nur heisst die Oper «Don Carlos»?

Musikalisch überzeugt die Berner Produktion des Don Carlo weiterhin, und hat sich, wie zu erwarten, nach der Premiere noch verbessert. Alle Beteiligten haben in die Produktion gefunden und so gerät der Ablauf noch flüssiger und runder.`

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Foto © Janosch Abel

Marco Štorman (Regie) arbeitet sich am Patriarchalen Gesellschaftsmodell ab, das ihm, inspiriert von der französischen Feministin Virginie Despentes, der Quell allen Übels in Verdis letzter Grand Opéra zu sein scheint. Darum trägt die Oper auch den Titel «Don Carlos». In dieser Sicht spielen die Probleme des Infanten, seines Freundes Posa und seines Vaters eine entsprechend untergeordnete Rolle. So bringen Elisabeth, Eboli und Thibault, zeitgeistig zur Frau geworden, da sich wohl niemand erklären konnte, wieso einer Pagenfigur eine hohe Stimme zugewiesen ist, am Schluss die Männer um, um das patriarchale System radikal auszulöschen. Die Bühne von Frauke Löffel ist tiefschwarz. Ein Feuerchen für den Wald von Fontainebleau, Kniebänke, zahlreiche farbige Stoffbahnen und eine weisse (steht hier das Weiss für das patriarchale System?) Sowie reichlich Trockeneisnebel beleben das Schwarz. Die nicht immer vorteilhaften Kostüme stammen von Axel Aust, das Licht von Bernhard Bieri.

Vazgen Gazaryan gibt Philippe II, König von Spanien mit wunderbar frei strömendem Bass und läuft in der Konfrontation mit dem Grossinquisitor zu grosser Form auf. Raffale Abete singt einen intensiven Don Carlos, Infant von Spanien.  An die ungleichmässige Nutzung der Kopfstimme bei den hohen Tönen gewöhnt man sich relativ rasch. Gustavo Castillo ist als Rodrigue der Rolle entsprechend ein jugendlicher Stürmer und Dränger und absolut glaubhaft in der Darstellung. Matheus França als Grossinquisitor ist in seine grossen Szene Gazaryan ein würdiger Gegenspieler. Christian Valle ist der Mönch. Masabene Cecilia Rangwanasha als Elisabeth  steht in der Gunst des Publikums erneut ganz vorn und verzaubert mit ihrem klaren, kräftigen Sopran, der bis in die letzte Ecke des Hauses trägt, und ihrer grossen Bühnenpräsenz. Eve-Maud Hubeaux leiht der Eboli ihren recht hellen, quicklebendigen Mezzo. Ein eher untypischer Mezzo-Klang, der zum Französisch der Berner Produktion bestens passt. Evgenia Asanova als Thibault und Giada Borelli als Eine Stimme von oben (hier aus dem dritten Rang) sowie Filipe Manu als Graf Lerma und Michal Prószýnski als Ein königlicher Herold ergänzen das formidable Ensemble. Mit Kimon Barakos, Vinicius Costa da Silva, Christoph Engel, Félix Le Gloahec, Yurii Strakov und Jiacheng Tang sind die flämischen Gesandten endlich einmal so stimmkräftig besetzt, wie sie es immer sein sollten. György Antalffy, Iyad Dwaier, Chanho Lee und Louis Morvan (zusätzlich Coryphée) als Mönche sowie Vinh Nguyen Ngoc, Matthew Wildhaber und Marion Peters von der Statisterie komplettieren den Cast.

Der wie im von Zsolt Czetener bestens vorbereitete Chor der Bühnen Bern bewältigt sein grosse Aufgabe mit viel Spielfreude schlicht überwältigend und verdient ein ganz grosses Lob. Das Berner Symphonieorchester unter Leitung des neuen Chefdirigenten Nicholas Carter setzt seinen Höhenflug und begeistert mit exquisiter Klangkultur und hörbarer Spielfreude.

Eine gute Gelegenheit die französische Fassung kennenzulernen.

Weitere Aufführungen:

02.11.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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