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BERLIN/Deutsche Oper: „LA FAVORITE“ von Gaetano Donizetti mit Elina Garanča, konzertante Premiere, 02.12.2015

03.12.2015 | Oper

Berlin/ Deutsche Oper: „LA FAVORITE“ von Gaetano Donizetti mit Elina Garanča, konzertante Premiere, 02.12.2015

Elina Garanča als La Favorite, Foto Bettina Stoess
Elina  Garanča. Foto: Bettina Stöss

Der Name dieses bis 1904 an der Opéra der Paris 650 Mal aufgeführten Werkes stimmt an diesem Abend haargenau. Mit der schönen Elina Garanča in der Rolle der von zwei Männern heiß geliebten Léonor de Guzman hat die Deutsche Oper Berlin in der Tat eine wahre „Favoritin“ gefunden, genau wie Salzburg im Vorjahr.

Ihretwegen füllen die Musikliebhaber das Haus an der Bismarckstraße und erleben sie als hinreißende Mezzo-Königin. Besser gesagt als eine Frau, die ihre Gefühle mit wunderbar leuchtender Stimme aufs Eindrücklichste darlegen kann. Mit einem Mezzo, der in der ersten Sekunde anspringt und vom innigen Piano bis zum strahlenden Forte all’ ihre Lebens- und Leidensphasen kenntlich macht.

Nicht „nur“ das. Selbst bei dieser konzertanten Aufführung verdeutlicht sie ihren Schicksalsweg von der Mätresse des mittelalterlichen spanischen Königs Alphonse XI bis zu der von ihrem Geliebten verachteten und verzweifelten Frau soweit möglich auch mimisch und gestisch. Eine sensationelle Gesamtleistung von Elina Garanča!

Der einzige, der ebenfalls Emotionen zeigt, ist der junge Franzose Florian Sempey. Der lässt bei seinem Rollendebüt mit Bariton-Qualitäten aufhorchen, auch nimmt man/frau ihm auch seine Gefühle ab. Genau so sollte es auch ohne Szene sein. Sempey weiß, was er singt, lässt erkennen, wie sehr er Léonor liebt, so dass er ihretwegen sogar auf den Thron verzichten würde. Einer, der später, als er von ihrem Lover erfährt, sie mit schneidender Kälte zu einer geschwinden Zwangshochzeit mit ihrem Geliebten verurteilt.

Fernand heißt der von ihr geliebte, ein Mann aus einfachen Verhältnissen, bereits Novize in einem Kloster. Ihretwegen erbittet er von Balthasar, dem Prior des Klosters, seine Entlassung. Ante Jerkunica, Ensemble-Mitglied des Hauses, verkörpert ihn mit seinem klangvollen Bass, zeigt Verständnis, prophezeit ihm aber, er werde wiederkommen.

Die Rolle dieses verliebten Novizen singt der belgische Tenor Marc Laho als kurzfristiger Einspringer für Joseph Calleja. Laho hat diese anspruchsvolle Partie bereits am Théâtre des Champs-Elysées interpretiert, weist laut Programmheft-Beilage auch eine lange Liste von Opernhäusern auf, an denen er schon diverse andere Rollen gesungen hat.

Einspringer verdienen eine gewisse Bewertungsmilde. Dennoch haben seine ersten und letzten Höhen meinen Ohren wehgetan. In der Mittellage ist sein gelenkiger Tenor gefälliger, auch kann er bei der Auseinandersetzung mit dem König punkten.

Nachdem er, um Léonor zu gewinnen, als Feldherr die Mauren besiegt hatte und von Alphonse XI hoch geehrt worden war, wirft er ihm (angeblich) die Orden und das zerbrochene Schwert vor die Füße, als das Mätressendasein seiner Geliebten, die er innerhalb einer Stunde heiraten soll, offenbar wird. Die Hochzeit fällt aus. Dennoch scheint Laho – ganz im Gegensatz zur erschreckten und verzweifelten Garanča – bar aller echten Gefühle. Nur aufmerksam Noten zu singen, ist nicht überzeugend.

Sehr in die Noten schaut auch der Dirigent Pietro Rizzo, ebenfalls ein Einspringer. Das vor allem bei der Ouvertüre. Später, insbesondere bei den lyrischen Teilen, verleiht er dem Orchester der Deutschen Oper Berlin den nötigen Schmelz und Schwung. Auf gewohnt hohem Niveau präsentiert sich der Chor des Hauses, einstudiert von William Spaulding. Der Wechsel vom vorfreudigen Hochzeitsgesang zum Erschrecken über den unguten Gang der Dinge, von Donizetti plakativ komponiert, gelingt prächtig.

Empathie als Vertraute ihrer Herrin Léonor kann die junge Elena Tsallagova (Inès) vermitteln, zumal ihr leuchtender Sopran keine Wünsche offen lässt. Zwischenbeifall ist (auch) ihr sicher. – Matthew Newlin gibt den Don Gaspar, einen Offizier des Königs. Als Kirchentreuer missbilligt er die Verbindung des Königs mit Léonor (und die damit einhergehende Gefährdung der angetrauten Königin). Er sorgt mit dafür, dass der Prior mit drohendem Bass den päpstlichen Bannfluch ausspricht, gegen den sich jedoch Florian Sempey echt königlich wehrt. Die Massenszenen mit den Solisten, Chor und Orchester, der gesamte Aufruhr, gelingen bestens.

Der enttäuschte Fernand kehrt nun tatsächlich ins Kloster zurück, hat auch schon das Gelübde abgelegt, als die todkranke Léonor als Novize verkleidet dort eintrifft. Nach erster zorniger Ablehnung flammt seine Liebe wieder auf. Er will mit ihr fliehen, doch sie bewahrt ihn vor dem Bruch des Gelübdes und stirbt kraftlos. Eine berührende Glanzleistung in Stimme und Darstellkunst. Das Aufgewühltsein ist ihr noch beim heftigen Schlussbeifall anzusehen. Ihr vor allem gelten die Bravos, sie hat uns eine Sternstunde beschert. Sie blickt sie zu ihrem Partner hinüber. Der erhält ebenfalls Applaus, schaut aber nur geradeaus.  

Ursula Wiegand

Nur noch zwei weitere Aufführungen am 5. und 8. Dezember.

 

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