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BERLIN/ Staatsoper Unter den Linden: TOSCA am 8.2 2026

09.02.2026 | Oper international

Eine leuchtende Sternstunde der Oper: Tosca in überwältigender musikalischer Intensität

Von Dr. Eric Alexander Hoffmann

Es gibt Abende im Opernhaus, die man nicht vergisst – weil einfach alles zusammenkommt: Stimmen, Klang, Atmosphäre, Energie. So ein Abend war gestern diese Tosca. Ich habe unzählige Aufführungen dieser Oper gehört, viele davon in großartigen Besetzungen. Doch was ich an diesem Abend erlebt habe, gehört zweifellos zu einem der grandiosesten Abenden, die ich bei einer Tosca-Aufführung erlebt habe.
Mit Aleksandra Kurzak als Tosca, Piotr Beczała als Mario Cavaradossi und Alexey Markov als Scarpia stand eine Besetzung auf der Bühne der Lindenoper, die kaum besser hätte sein
können. Besonders zwischen den beiden polnischen Sängern Kurzak und Beczała stimmte die Chemie von der ersten Sekunde an.
Piotr Beczała sang im ersten Akt „Recondita armonia“ mit jener Mischung aus Kraft, Wärme und Lyrik, die seine Stimme einzigartig macht. Diese Souveränität im Legato, der Schmelz in den
Phrasen, die unangestrengte Höhe und sein zur Rolle passendes dunkles, beinahe kaufmanneskes Timbre – eine Demonstration perfekter Gesangskunst.
Und seine große Arie im dritten Akt, „E lucevan le stelle“, war ein Moment, in dem die Zeit stillzustehen scheint: so klar, so konzentriert, so ergreifend in der Verbindung von technischer Meisterschaft und emotionaler Wahrhaftigkeit. Der Applaus dafür war gewaltig und wollte nicht enden, so dass er, wie zuvor sonst nur an der Wiener Staatsoper, nun auch an der Berliner Lindenoper ein Encore singen musste und so die Sterne ein weiteres Mal, jetzt noch intensiverl zum Leuchten bringen durfte. Was für eine Auszeichnung für diesen Ausnahmesänger!
Aleksandra Kurzak’s „Vissi d’arte“ im zweiten Akt war ein weiterer Höhepunkt – berührend, edel phrasiert, voll innerer Ruhe und Schönheit. Ihr Sopran besitzt eine dunkle, glänzende Tiefe und eine dramatische Kraft, die nie forciert wirkt. Gemeinsam mit Beczała gestaltete sie ein intensives, glaubwürdiges Beziehungspanorama – emotional dicht, stimmlich perfekt balanciert, schlicht hinreißend und atemberaubend.
Piotr Beczała und Aleksandra Kurzak standen zuvor erst zweimal gemeinsam auf der Bühne, im “Rigoletto” an der Hamburgischen Staatsoper 2002 und zuletzt 2012 an der Metropolitan Opera. Dieses Traumpaar würde ich gerne öfters gemeinsam erleben.
Alexey Markov als Scarpia komplettierte das herausragende Trio. Sein „Te Deum“ entfaltete eine dunkle, beklemmende Wucht, wie man sie nur selten hört. Dirigent Peter Popelka trieb das Orchester zu größter Dynamik und Spannung, ohne die Sänger zu überdecken, eine kraftvolle, klare Lesart, die Puccinis Musik aufleuchten ließ.
Die Inszenierung von Alvis Hermanis rückt mit dem Bühnenbild das Geschehen ungewöhnlich nah ans Orchester. Die drei zentralen Schauplätze – Sant’Andrea della Valle, der Palazzo Farnese und die Engelsburg – werden als Innenräume dargestellt und zugleich durch Projektionen als Originalschauplätze mit historischen Bezügen versehen. Dadurch, dass sich so alles auf das Proszenium konzentriert, fehlt der Bühne zwar die Tiefe – besonders im Te Deum-Finale musste sich der Chor auf engem Raum drängeln – doch durch die unmittelbare Nähe zum Orchester wirkte das Bühnenbild wie ein Resonanzverstärker, so dass der Klang unmittelbar und körperlich noch intensiver erfahrbar wird.

Am Ende gab es Standing Ovations, und der Applaus wollte gar nicht enden. Zu Recht – mit dieser musikalischen Besetzung war der Abend eine leuchtende Sternstunde der Oper.

Dr. Eric Alexander Hoffmann

 

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