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BERLIN / Staatsoper Unter den Linden: Symphoniekonzert II STAATSKAPELLE BERLIN – CHRISTIAN THIELEMANN dirigiert Musik von Richard Strauss

21.10.2026 | Konzert/Liederabende

BERLIN / Staatsoper Unter den Linden: Symphoniekonzert II STAATSKAPELLE BERLIN – CHRISTIAN THIELEMANN dirigiert Musik von Richard Strauss; 20.10.2026

Alpensymphonie, Vier letzte Lieder – DIANA DAMRAU Sopran

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Christian Thielemann. Foto: Dr. Ingobert Waltenberger

Wer schon einmal auf einen höheren Berg über 2000 m gestiegen oder geklettert ist, der kann das Programm von Richard Strauss „Alpensymphonie“ minutiös nachvollziehen. Der Sonnenaufgang, der sanfte Start wie das Erhabene, die Wälder, die blumigen Almen und die Kuhweiden, Bäche und Wasserfall, falsche Fährten, die Wetterumschwünge, die goldene Abendsonne des Abstiegs samt der Ruhe, die sich nach dem Gipfel auch in einem selbst nach getaner Anstrengung breit macht.

Der Auslöser für die ersten Skizzen war ein autobiografisches Erlebnis am Heimgarten mit Gewitter und eiligem Runterkommen. Natürlich wäre es nicht Richard Strauss, wenn er in seinen Überlegungen zur Komposition der „Alpensymphonie“ viele Jahre später nicht über die musikalischen Ansichtskartenidyllen hinaus Philosophie („Antichrist“ nach Nietzsches gleichnamigem Roman) und Künstlertum (Künstlertragödie über das Leben des Schweizer Malers Karl Stauffer) zu bemühen erwog.

Das Bewegendste und Großartigste an der Musik ist der ständige Perspektivenwechsel, wie er auch in der Natur von Vergänglichkeit und der Schönheit des unwiederbringlichen Augenblicks erzählt. Ob das in der Schweiz oder anderswo stattfindet, ist irrelevant.

Wenn man sich mit der Alpensymphonie näher beschäftigt, kommt man an Charles Youmans Publikation „Richard Strauss’s Orchestral Music and the German Intellectual Tradition: The Philosophical Roots of Musical Modernism” nicht vorbei, der der symphonischen Dichtung einen „geradezu kinematographischen Charakter“ bescheinigt, aber auch reflektierte, dass sie Strauss‘ antimetaphysische Weltanschauung spiegele. „Die Natur würde so zum Gegenmittel für den aus Strauss‘ Sicht überholten Idealismus, der ihn in Mahlers Werk so störte“.

1915 konnte Strauss die Partitur über einen „Tag im Hochgebirge“ vollenden. Die „Alpensymphonie“ ist ein bravouröses Orchesterstück, ein gigantomanisches Instrumentendefilee mit so Exoten wie Wind- und Donnermaschine, Herdenglocken, Celesta und Heckelphon, ein psychologischer Trip in die Seele von Bergfexen oder des mit angenehmem Nervenkitzel konfrontierten Publikums.

Christian Thielemann hat die Alpensymphonie oft dirigiert. Sie ist eines seiner musikalischen Leib-und-Magen-Gerichte. So gibt es mit den Wiener Philharmonikern zwei Aufnahmen auf CD/DVD/Blu-ray (2017, 2023) und mit der Staatskapelle Dresden ebenfalls einen Live-Filmmitschnitt aus dem Jahr 2014, auch damals in Kombination mit den „Vier letzten Liedern“.

Meine Beobachtung seit 50 Jahren generell mit als kultig-charismatisch, interpretatorisch elektrisierenden Dirigenten ist, dass unter ihrer Stabführung Orchester in der Regel vergleichsweise konzentrierter, motivierter musizieren, mit einem Wort ihr Bestes geben. Und das ist bei so einem Weltspitzenklangkörper wie der in größter Formation angetretenen Staatskapelle Berlin unendlich viel. Im Ausnahmefall, wie gestern einer war, war bei vielen Instrumentalisten noch dazu ein Lächeln auf den Lippen zu beobachten.

Thielemann ist „beim Bergsteigen in Bayern“ im Laufe der Zeit flotter geworden, hat die dynamischen Kontraste geschärft, aber nichts von der Plastizität des Musizierens und dem Raffinement der Einbettung der Alpensymphonie in das Nach-Wagnersche Idiom bzw. der fließenden formalen Dispositionen Preis gegeben. Wie gestern die Staatskapelle Berlin das Publikum mit silbrigem Streicherklang (satte Celli), individuell klangvollem Holz und sanft schmetterndem Blech (Trompeten, Hörner) enthusiasmierte, war ganz großes orchestrales Kino. In gehobener Stimmung verließ man den Saal.

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Diana Damrau. Foto: Dr. Ingobert Waltenberger

Vor der Pause gab es die Vier letzten Lieder mit Diana Damrau als Solistin. Die Sopranistin hat den Fachwechsel von einer Koloratursopranistin ins lyrische bzw. leichtere jugendlich dramatische Fach (Marschallin) gut hinbekommen. Dass ihre Darbietung gestern aber weniger zündete, lag wohl daran, dass sie in den langen Legatobögen der Lieder die Stimme teils in fast unhörbare Pianissimoregionen zurücknahm, was Spannung kostete und einen unausgewogenen, manierierten vokalen Eindruck hinterließ. Christian Thielemann ist ein aufmerksamer Sängerbegleiter und hat die Staatskapelle Berlin gedrosselt, wo es opportun erschien, um die Sängerin zu unterstützen. Ergebnis: Eine gute, aber keinesfalls außerordentliche Darbietung des nicht zuletzt durch mythische Gesangsleistungen (Schwarzkopf, Norman, Janowitz) legendär gewordenen Liederzyklus.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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