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BERLIN/ Schillertheater: Das Staatsballett Berlin im Schillertheater präsentiert eine „WUNDERKAMMER“

08.11.2025 | Ballett/Performance

Das Staatsballett Berlin im Schillertheater präsentiert eine „WUNDERKAMMER“. 2. Vorstellung am 07.11.2025

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Foto von Yan Revazov

Das Staatsballett Berlin will nun etwas echt Neues bieten und hat ein gerade fertiges Stück des bereits bekannten spanischen Choreografen Marcos Morau auf den Spielplan gesetzt. Der kann, wie sich schnell zeigt, auch die nötige Atmosphäre für eine „Wunderkammer“ kreieren.

Wie kommt nun nach dem Premierenjubel am 31. Oktober die 2. Darbietung an? Sehr gut, denn das Schillertheater ist bestens besetzt. Dass die jungen Leute in der Mehrzahl sind, war zu erwarten. Doch schon der Titel „Wunderkammer“ hat fürs ganze Publikum eine Sogkraft.

Ist das nun, wie einige Beobachter meinen, ein Abschied von den wilden 20ger Jahren oder eher eine rasante Fortsetzung der Weimarer Zeit, die das heutige Publikum nicht miterlebt hat und damit auch nicht den 2. Weltkrieg. Wie also reagieren die Leute im Saal?

Feiern die Jugendlichen jetzt ständig in Clubs? Das ist nicht anzunehmen, Soches wird allmählich für viele zu teuer. Dann also lieber ins Schillertheater. Aufmerksam folgen sie während der 1,5 Stunden den teils wilden Tänzen des Staatsballetts. 
Intensiv müssen sie alle geprobt haben, um Nachdenkliches und Wildes gleichermaßen perfekt zeigen zu können. Vielleicht haben sie sich auf diese Weise sogar eine eigene Wunderkammer geschaffen, um diese den Zuschauern passend zu präsentieren. Wer selbst gerne tanzt oder es früher getan hat, ist sicherlich auch vom Tempo fasziniert. 

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Foto von Yan Revazov

Andererseits könnte dieses Stück auch zum Nachdenken anregen. Was verbirgt sich in dieser Wunderkammer? Vermutlich nicht nur Gutes. Wie intensiv wird nicht erst jetzt und nicht nur in Deutschland gestritten, und wie soll das alles gerade bei uns weitergehen? Eine Wende zum Besseren ist bisher versäumt worden, und ein Weg aus dem Schlamassel wurde noch nicht gefunden.
Dennoch hilft auch die Musik von Clara Aguilar und Ben Meerwein mit, obwohl sie vom Tonträger kommt. Fester Rhythmus ist hier nötig, und nicht selten ertönen sogar choralartige Weisen, die beruhigen und Hoffung erzeugen. Dass aber auch an anderen Berliner Theatern ähnliche Sorgen zu spüren sind und gezeigt werden, ist ebenfalls eine Tatsache.

Dennoch ist der gekonnt dargebotene Inhalt der Wunderkammer ein Sogfaktor, der hoffentlich düstere Zukunftsahnungen zunächst vertreibt. Das fabelhaft tanzende Staatsballett mit seinen teils neuartigen Körperbiegungen und Schauspiel-Fähigkeiten behütet jedenfalls seine Wunderkammer und damit auch für das heftig applaudierende Publikum.

Ursula Wiegand

 

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