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BERLIN / Pierre Boulez Saal, EMMANUEL PAHUD, JEAN-GUIHEN QUEYRAS & ERIC LE SAGE, Klaviertrios von Haydn, Schumann, Hosokawa, von Weber und Martinů

28.01.2018 | Konzert/Liederabende

BERLIN / Pierre Boulez Saal, EMMANUEL PAHUD, JEAN-GUIHEN QUEYRAS & ERIC LE SAGE, Klaviertrios von Haydn, Schumann, Hosokawa, von Weber und Martinů 28.1.2018

 

Wenn neben dir der „Die Welt“ Kritikerpapst Manuel Brug Platz nimmt, weißt du zumindest aller Wahrscheinlichkeit nach, für diesen Tag die richtige Wahl getroffen zu haben. Im Falle des Dreigespanns Emmanuel Pahud, seit seinem 22. Lebensjahr und der Ägide Claudio Abbados Soloflötist der Berliner Philharmoniker sowie seinen französischen Landsmännern Eric Le Sage am Steinway und Jean-Guihen Queyras am Cello kann aber auch so nicht viel schiefgehen. Und schon gar nicht, wenn diese eingespielte Trias  so ein lust- und sehnsuchtsvoll Menü servieren, das Donau und Rhein wohl eher zum Paten hat als den Klang der Lethe, den der japanische Komponist Toshio Hosokawa in seinem kurzen Stück im Auftrag der drei Protagonisten 2017im Sinne hatte. Da brummt und summt es voller boshafter und bissiger Insekten, die ganz erzürnt scheinen, dass wer vom Wasser der Lethe trinkte, alle Erinnerungen des früheren Lebens gelöscht hat. Das Vergessen des Kummers und der Missetaten wäre ja nicht schlecht, aber vorzeitig aufs Leben verzichten – wie dies Alphonse de Lamartine im Gedicht Le Vallon vorschlägt – will der geneigte Hörer ja denn doch nicht.

 

Muss er auch nicht, denn das Konzert beginnt ganz genüsslich mit dem Trio in G-Dur für Flöte, Violoncello und Klavier von Joseph Haydn. Eric Le Sage gibt den haubengekrönten Vorkoch, ganz vortrefflich steht dem pannonisch verspielten Trio ein Spritzer französischen Parfüms. Da mischen wohl alle drei Champagner in den burgenländischen Wein, so flott, leichtfüssig und charmant geht diese Musik auf wie ein Orangensoufflée in der Provence. Handfester und verträumter finden wir da schon die Fantasiestücke für Violine (Flöte), Violoncello und Klavier Op. 88 von Robert Schumann. Eine diesmal dominante Flöte zwitschert wie eine Nachtigall um das Spiel des Cellos. Im zweiten Satz – Humoreske – schwatzen und albern Flöte und Cello mit dem Klavier, dass es eine rechte Freud‘ ist. 

 

Nach der Pause erfreuen wir und an den beiden Höhepunkte des kurzweiligen Konzertnachmittags, dem Trio in G-Moll für Klavier, Flöte und Violoncello Op, 63 von Carl Maria von Weber und dem überaus quirlig sonnigen Trio für Flöte, Violoncello und Klavier von Bohuslav Martinů. Steht bei Weber der große opernhafte Ton, eine Art Freischütz-Potpourri für drei Spaßgesellen im Mittelpunkt (was die Wirbelwind-Tempomaschine in Scherzo angeht, stand wohl Rossini Pate), so entführt uns das gut gelaunte Martinů Trio auf den Broadway. Wir dürfen einen hüpfend tänzerischen Spaziergang in Manhatten unternehmen und uns final wettlaufend ins treibende Getümmel stürzen.

 

Bleibt noch zu erwähnen, dass Pahud und Queyras ihre Noten gegen ein Ipad getauscht haben und mit Fussklick „umblättern“. Nach der Pause wechseln sie die Aufstellung, um auch der anderen Seite das optische Vergnügen des musikantischen Aufspielens nicht zu versagen. Final Jubel für alle im ausverkauften Haus.

 

Dr. Ingobert Waltenberger