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BERLIN/ Philharmonie: SILVESTERKONZERT 2025 (Petrenko; Bernheim)

01.01.2026 | Konzert/Liederabende

Berliner Silvesterkonzert 2025

mit Petrenko und Bernheim (31.12.2025)

 

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Benjamin Bernheim. Foto: Monika Rittershaus

Während die Wiener Philharmoniker das neue Jahr mit ihrem berühmten Neujahrskonzert eröffnen, schließen die Berliner das alte Jahr hingegen mit einem Silvesterkonzert ab. Geleitet wurde letztes natürlich wieder von Chefdirigent Kirill Petrenko. Geboten wurde unter dem Motto „Liebesschmerz trifft Überschwang“ ein abwechslungsreiches Programm welches von französischer Musik dominiert wurde, aber auch mit exotischen Rhythmen aufgewartet hat. Und da Benjamin Bernheim derzeit das heißeste Ticket unter den jungen Startenören ist, präsentierte das Silvesterkonzert den französischen Superstar passenderweise gleich noch als Draufgabe dazu.

Bleiben wir gleich bei den Gesangsdarbietungen des Ausnahmetenors. Nach der Eröffnung des Programms mit Tschaikowskys Polonaise aus Eugen Onegin glänzte Bernheim mit der großen Arie des Lenski aus dem zweiten Akt derselben Oper und bestach bei Kuda, kuda …  mit lyrischer Detailzeichnung und fesselnder Intensität. Ein Hochgenuss.

Bei seinen nächsten Auftritten kam er dann schon bei seinen französischen Paraderollen an. Und da macht ihm sowieso keiner was vor. So vernahm man das emotionale Beben in der Stimme des verliebten Romeo bei Ah! Lève toi, soleil aus Gounods Romeo et Juliette, und Werthers Pourquoi me réveiller strotzte nur so vor leidenschaftlicher Vehemenz – ein absoluter Höhepunkt des Abends. Es folgte dann noch ein betörend und absolut stilsicher vorgetragenes La fleur que tu m’avais jetée – auch bekannt als Blumenarie – aus Carmen. Im Finale gab der Franzose dann noch eine unerwartete Premiere, als er als Zugabe erstmalig die Sternenarie aus Tosca vortrug. Dass er Puccini kann, weiß man längst durch seinen ausgezeichneten Bohème-Rodolfo. Der aus Paris stammende Tenor wusste bei E lucevan le stelle gekonnt zwischen zarten Stimmfarben und dramatischen Ausbrüchen – bei denen die Stimme auch schon eine gewisse Portion Metall erklingen lässt – zu wechseln. Wie schön es ist, die Sternenarie mal mit mehr Differenzierung und nicht nur veristisch gebrüllt zu hören. Ein Cavaradossi-Versprechen für die Zukunft. Der Jubel nach dieser Arie bestätigt es. Aber bitte geben wir ihm die Zeit noch weiter zu reifen …

Das Arienprogramm des Abends war wunderbar in den orchestralen Teil eingebunden. So erklangen passend zu den dargebotenen Arien auch das von den Berliner Philharmonikern traumhaft musizierte Vorspiel zu Werther, das bei Petrenko wahrlich in den besten Händen lag, und natürlich die Ouvertüre zu Carmen. Nur bei Romeo und Julia wechselte man von Gounod zu Tschaikowsky und spielte dessen berühmte Fantasie-Ouvertüre, die das längste Stück des Abends und den wohl orchestralen Höhepunkt des Abends darstellte. Petrenko, der in seiner kurzen Ansprache zum Schluss den Zuhörern vor allem Gesundheit und Frieden wünschte, erwies sich bei Massenet als feinfühliger, bei Tschaikowsky als dramatisch zupackender Mann am Pult, während er im Finale mit Chabriers Rhapsodie Espana und mit Gershwins Kubanischer Ouvertüre ein beachtliches Händchen für südamerikanische Rhythmen beweisen konnte.

Ein qualitativ hochwertiges Silvesterkonzert, welches wahrlich viel Freude bereitete. Das Publikum zeigte sich begeistert und spendete Bernheim, Petrenko und den Berliner Philharmonikern Standing Ovations.

 

Lukas Link

 

 

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