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BERLIN/ Philharmonie: „MIDNIGHT SUN“ mit Baltic Sea Philharmonic,

22.06.2023 | Konzert/Liederabende

Berlin/ Philharmonie:MIDNIGHT SUN“ mit Baltic Sea Philharmonic, 21.06.2023

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Konzert Kristjan Järvi in der Philharmonie, Foto Peter Adamik  Baltic Sea Music Education Foundation e. V, 2023-06-21 Berlin Philharmonie Concert.htm

Es ist der längste Tag des Jahres, heiß ist es, noch spätabends zeigt das Thermometer an die 30 Grad. Dennoch oder gerade deshalb wird in Berlin vielerorts Musik gemacht, gerne draußen, aber auch in den Discos. Als größte, sehr gut besuchte und sicherlich klimatisch angenehmste Disco erweist sich an diesem Abend die Berliner Philharmonie.

Hier machte am 21. Juni auf der Tour 2023 die Baltic Sea Philharmonic, gegründet 2008 durch das Usedomer Musikfestival, mit einem knapp zweistündigen Programm Station. Eine Art Klassik-Mixtur unter der Leitung des wohl besten DJ’s in diesem Fach- Kristjan Järvi – wird geboten. Nicht eine halbe Minute steht er still, ständig ist der nun 50Jährige hüpfend unterwegs.

Er hat offensichtlich auch alles im Kopf, das lässt sich an der Zeichengebung erkennen. Und bei den Instrumentalisten ist es genau so. Sie spielen seit Jahren alles auswendig, ein tolles Training für eine vielleicht mal andere musikalische Karriere. Dass sie alle Spaß haben, ist deutlich zu merken, und auch das wechselnde Licht, dass die Bühne mal in blaues, rotes oder grünes Licht hüllt, scheint die Musizierenden nicht zu stören, und Järvi, öfter mit einer Art Tamburin den Takt schlagend, schon gar nicht.

Was wird eigentlich gespielt? Da das Publikum wegen der Bühnenbeleuchtung weitgehend im Dunkeln sitzt, lässt sich das Programmheft während des Konzertes kaum lesen. Macht nichts. Die Reihenfolge ist eh nicht fix. Außerdem ist der Inhalt fast immer ein Crossover, wie solche Versuche, Werke von bekannten Komponisten mehr oder weniger verfremdet weiter zu nutzen, vornehm genannt wird.

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Konzert Kristjan Järvi in der Philharmonie, Foto Peter Adamik  Baltic Sea Music Education Foundation e. V, 2023-06-21 Berlin Philharmonie Concert.htm

Bei Järvi ist das, abgesehen von einer kleinen Pause zur Vorstellung der Künstlerinnen und Künstler, ohnehin ein ständig fließender, manchmal auch einlullender Strom. Nachsinnen ist also unnötig, werden doch von den großen Könnern wie bei Jean Sibelius’ 2. Sinfonie oder Igor Strawinskys Feuervogel eh nur Auszüge geboten, die ins Schema passen.

Kristjan Järvi selbst hatte wohl 1972 eine Ader fürs Komponieren. Siehe seine „Ascendig Swans“, allerdings basierend auf Sibelius’ Lobgesang. Auch sein „Runic Prayer Remix“ und seine „Midnight Sun“ stammen von 1972. Arvo Pärts religiöses „Da pacem Domine“ von 1935 bleibt offenbar unangetastet. Diesmal ist erstmals die Dudelsackspielerin Mari Meentalo mit dabei.

Erstmals haben auch Künstler aus Litauen, Polen und Estland eigene Kompositionen beigesteuert, außerdem wird ein bisschen getanzt und gesungen.

Vermutlich war es jedoch der von der Harfinistin Liis Jürgens komponierte, rhythmische „Traum von Tabu-Tabu“ („The Dream of Tabu-Tabu“) , der schließlich das Publikum munter gemacht und (weitgehend) von den Sitzen gerissen hat. Viele haben die einfache Melodie mitgesungen und sind munter auf der Stelle gehüpft. Zumindest die meisten der jungen Leute, die an diesem Abend deutlich in der Überzahl waren.

Nur mit der „Midnight Sun“ klappt es in Berlin nicht. Um Mitternacht scheint hier halt keine Sonne. Und auch nicht rund um Hamburgs Elbphilharmonie oder beim Kissinger Sommer, wo Järvi mit seinen Musikanten/innen heute  und morgen auftritt. Wer solches erleben will, muss in den hohen Norden reisen und den Polarkreis überqueren.  

Ursula Wiegand

 

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