Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BERLIN/ Philharmonie: KONZERT IVAN ILIC mit Uraufführung des Zweiten Klavierkonzerts von Anton Reicha (1770-1836)

27.07.2023 | Konzert/Liederabende

BERLIN/ Philharmonie: KONZERT IVAN ILIC mit Uraufführung des Zweiten Klavierkonzerts von Anton Reicha (1770-1836)

ilic1
Ivan Ilić visiting Kawai’s European headquarters near Düsseldorf.  Copyright: Florent Larronde

Nach diesem eindrucksvollen, inspirierenden Konzert im Mai 2023 in der Berliner Philharmonie mit dem amerikanischen Pianisten Ivan Ilić mit serbischen Wurzeln, er interpretierte die Uraufführung des Zweiten Klavierkonzertes des böhmischen Komponisten Anton Reicha, befielen mich viele Erinnerungen. Vielleicht kennen Sie das?
Es gibt Ereignisse, die uns unweigerlich in vergangene, prägende von Musik durchströmte, von Poesie durchflutete Erinnerungen zurückschleudern. So erging es mir an jenem Mai-Nachmittag in der vollbesetzten Berlin Philharmonie. Ein neuer Flügel Typus, der Shigeru-Kawai-Flügel, Ilics bevorzugter Flügel, der für sein künstlerisches Schaffen zum treuen Begleiter wurde, erklang. Ein Kammermusikinstrument, der eine volle, samtene Tiefe, in der Mittellage profunde Bilanz aufweist und in den Höhen nie schrill wirkt. Es ist als höre man silbrige Glöckchen, wenn Ilic die wunderbaren virtuos angehauchten Tönchen dem „Shigeru“ entlockt.

ilic2
Ivan Ilić . Copyrright: Florent Larronde

Das tritt besonders an die Gymnopédien von Satie erinnernde Zugabe, der „Étude dans le genre fugué, opus 97 N°1“ aus Anton Reichas gleichnamigem Zyklus zutage. Das Ohr vernimmt hier bereits „Zukunftsmusik“: Klänge und Wendungen, die wie ein bekannter Ruf aus einer vergangenen und keineswegs vergessenen Epoche, den musikalischen Aufbruch hin zu Neuem symbolisierte. Jenes Paris, in welchem Anton Reicha Anfang des 19. Jahrhunderts wirkte und in welchem seine Kompositionsschüler am Konservatorium Liszt, Berlioz, Gounod oder Franck ihren Lehrmeister als Theoretiker hochverehrten, schimmert durch die Klangwelt hindurch, die Ilic bot. Seine beharrliche Liebe zum Werk Reichas inspirierte den Pianisten so, dass er dessen 250. Geburtstag des in Prag geborenen Komponisten 2020 zum Anlass nahm, sich noch tiefer, intensiver in den Klangkosmos der Stücke für Klavier solo zu begeben.

Umschlossen im Konzert in Berlin wurde das dreisätzige Reicha Klavierkonzert in Es-Dur, das in Berlin als Originalfassung seine Uraufführung erlebte von Antonin Dvoraks Ouvertüre „Die Mittagshexe“ und der fesselnden Neunte Sinfonie „Aus der neuen Welt“ von Anton Dvorak. Immerhin lautete das Motto der Konzertes „Alte und Neue Welt“.

Hansjörg Schellenberger ehemaliger Solooboist der Berliner Philharmoniker, ein gefragter Dirigent hatte die Leitung der Berliner Symphonikern inne. Als Kenner der Bläser-Kammermusik von Anton Reicha,-Schellenberger war 1983 Gründungsmitglied vom weltbekannten Bläserquintett-Ensemble Wien-Berlin- lotete er mit genauer, Frage-Antwort Dynamik zwischen Solist und den Einzelstimmen im Orchester, die spielerisch, burschikosen und virtuosen Parts aus. Ilic zauberte mit farbintensiver und klanglich gepflegter Anschlagskultur die musikalisch vielseitigen Soli. Ein vorzügliches Zusammenspiel, das Ilic mit melodisch feinsinniger Gestaltung der arpeggierten Akkorden und einem warmen Resonanz erzeugendem Klang zum Fest für Anton Reichas Klavierwelt werden ließ.
Eine Überfülle an Ideen, Haydn’scher Übermut, mozärtliche Eleganz und Rossini Verspieltheit sind in diesem künstlerisch aufschlussreichen Edelstein unter den Uraufführungen, die zurück in die Vergangenheit weisen, vereint. Ivan Ilic‘ Kunst ist es, das neue Modell Shigeru-Kawai-Flügel als großartigen Konzertflügel zu adeln.

Um den Komponisten Reicha näher kennenzulernen, sein Werk, Wirken und seine Zeit, die mich seit jeher interessieren und begleiten, lud ich den Reicha-Interpreten und Connaisseur zum kurzen Gespräch, welches ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Auch Ilic lebt in Frankreich, wie Reicha und konnte in zahlreichen Bibliotheken seine Handschrift und Kompositionen studieren.
Eine Serie mit CDs in der Ivan Ilic das Klavierwerk von Reicha eingespielt hat, erregte in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit.

Ein Interview ist für August vorgesehen

Barbara Röder

 

Diese Seite drucken