Berlin/Philharmonie mit Jordi Savall am 6.12.2025

Jordi Savall. Foto: Herve Pouyfourcat
Jordi Savall überraschte in diesem Herbst in doppelter Hinsicht. Bereits beim Barock-Wochenende trat er am 29.11.2025 um 22 Uhr zusammen mit seinem langjährigen Originalklang-Ensemble Hespèrion XXI mit „Der Garten der Hesperiden“ auf, er selbst als Leiter mit einer Diskant Viola da Gamba.
Hauptsächlich waren Tänze von etwa 1480 bis1760 zu hören. Die meisten trugen jedoch die Bezeichnung Anonym, hatte doch Jordi Savall, wie es bei ihm üblich ist, das Musikmaterial in verschiedenen Ländern aufgestöbert und teils auch zurechtgemacht.
So etwas ist schon lange sein Steckenpferd, und wenn es nötig ist, wird auch gerne improvisiert. Denn für Jordi Savall ist „Musik die erste Sprache des Menschen und die einzige Sprache, mit der wir uns direkt in Verbindung setzen können mit anderen Menschen und Kulturen.“ (Hoffen wir also, dass der Musikunterricht erhalten bleibt.(U.W.)
Doch einige Tage später steht Jordi Savall drei Tage hintereinander auf dem Podium im großen Saal der Philharmonie. Für ihn, den 84jährigen Katalanen, ist das jedoch ein Debüt und eigentlich ein viel zu später Ritterschlag.
Am 6. Dezember, dem letzten der drei Tage, bin auch ich dort. Der Saal ist bestens gefüllt, und mit Schwung dirigiert Jordi Savall die Berliner Philharmoniker, so als hätte er das schon jahrelang getan. Offenbar sind sie ebenfalls mit ihm –einem Magnet für die Berliner Musikfreunde – schnell warm geworden.
So wie er werfen sich die Instrumentalisten unter der intensiven Führung des 1. Konzertmeisters Daishin Kashimoto ins vermutlich kaum bekannte Programm im ersten Teil des Abends. Zu hören ist zunächst eine achtteilige Suite von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), die Jordi Savall aus einer Pastorale zusammengestellt hat. Dauer 25 Minuten.
In gleicher Kürze, aber viel radikaler, kommt danach Christoph Willibald Gluck (1714-1784) mit „Don Juan“ zu Wort. Das Allegretto beherrscht die meisten der 15 Teile, und der letzte trägt die Bezeichnung Furie. Das sagt schon alles.
Schon bei der Uraufführung war das Gesamtwerk ein voller Erfolg, hatte doch Gluck in den 1760er Jahren eine Opernreform gestartet und Dramen entwickelt, in denen die Musik triumphierte. Auch Jordi Savall und die Philharmoniker werfen sich nun dementsprechend ins Zeug.
Nach der Pause wird’s aber mit Mozart (1756-1791) und der Symphonie Nr. 41, „Jupiter“ genannt, eher klassisch, doch Jordi Savall dirigiert, als wäre er auch in der Klassik schon lange zu Hause. Der Name „Jupiter“- Symphonie, stammt übrigens nicht von Mozart selbst.
Außerdem ist im Programmbuch zu lesen, dass der sachkundige Baron van Swieten Mozart mit den Werken von Bach und Händel bekannt machte und so dessen Kompositionsstil beeinflusste. Eines der berühmtesten Beispiele dafür sei das Finale der „Jupiter“-Symphonie.
Juri Savall wird das wissen, hat aber den Mozart-Enthusiasten oder vielleicht auch sich selbst mit seinem perfekten „Jupiter“-Dirigat gerne einen Gefallen getan. Allerdings gab es noch eine brausende Zugabe, die war offensichtlich eingeplant und die stammte erneut von Christoph Willibald Gluck und dessen „Don Juan“.
Kräftiger Beifall und „standing ovations“ waren schließlich der verdiente Dank an Jordi Savall und die Berliner Philharmoniker.
Ursula Wiegand

