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BERLIN/ Philharmonie: Die Philharmonie mit Jordi Savall und der Karajan-Akademie

12.01.2026 | Konzert/Liederabende

Die Philharmonie mit Jordi Savall und der Karajan-Akademie am 11.01.2026

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Jordi Savall. Foto: Herve Pouyfourcat

Das Jahr 2026 fängt für die Liebhaber der Alten Musik großartig an. Erneut ist Jordi Savall in der Philharmonie zugegen, diesmal im Kammermusiksaal, und der ist trotz Kälte und Schnee mit jungen und älteren Zuhörern sehr gut gefüllt.

Jordi Savall (84 Jahre) wird mitunter als „Legende der Alten Musik“ gelobt, doch das hat er gar nicht nötig. Er selbst, ein Katalane, ist es, der jahrelang aus eigenem Antrieb und mit großem Eifer Jahrhunderte alte Kompositionen in vielen Ländern entdeckt, bearbeitet und so den Musikschatz wieder bereichert hat. Also werfen sich nun die jungen Damen und Herren der Karajan-Akademie mit Eifer und Freude in diese spezielle Aufgabe.

Was aber tut die Karajan-Akademie? Sie bietet talentierten jungen Musikerinnen und Musikern die Chance, mit einem Stipendium bei den Berliner Philharmonikern ihre Fähigkeiten zu perfektionieren. Neben Einzelunterricht bei Dozentinnen und Dozenten aus den Reihen des Orchesters sammeln die Mitglieder der Akademie wertvolle Erfahrungen in Proben und Konzerten mit den Berliner Philharmonikern und bedeutenden Dirigentinnen und Dirigenten.

Gegründet im Jahr 1972 auf Initiative des Dirigenten Herbert von Karajans, ist die Akademie außerdem unverzichtbar, um den musikalischen Nachwuchs der Berliner Philharmoniker zu sichern. Aber auch in berühmten Orchestern in aller Welt sind ehemalige Mitglieder der Karajan-Akademie anzutreffen, ist zu lesen.

An diesem Abend in Berlin verzeichnet das Programmheft 43 Mitwirkende aus zahlreichen Ländern, die nun ihr Können gerne zeigen. Die 13 Geigen sind in der Mehrzahl, und die Bögen fliegen oft förmlich empor.

Die beiden zarten Konzertmeisterinnen erstaunen besonders. Mit kräftigen Bogenstrichen und ohne Ermüdung führen diese jungen Frauen das gut zweistündige Konzert an. Jeder Satz hat sein eigenes Tempo und seine besondere Klangfarbe, doch kein Ton geht daneben. Sie alle müssen wohl früh mit dem Geigenspielen begonnen haben.

Bei den weiteren Instrumentalisten wird es wohl ähnlich geschehen sein, auch sie sind sehr zu loben. Voller Aufmerksamkeit haben sie ihre Bratschen, Celli, Kontrabässe, diverse Flöten, Oboen, Fagotte, Hörner und Trompeten bedient, oder mal auch kräftig auf die Pauke gehauen.

Das Konzert beginnt mit Jean-Baptiste Lully (1632-1687) und seiner  „Alceste ou le triomphe d’Alcide“, zusammengestellt von Jordi Savall als Orchestersuite. Hier zeigt sich noch der Barock-Einfluss, der vom Kampfgetöse bis zu graziösen Tänzen reichte.

Bekannter ist Georg Philipp Telemann (1681-1767), der noch heutzutage jedes Jahr gefeiert wird. Der wollte, sei hinzugefügt, Johann Sebastian Bach, der ihn besuchte, als seinen Nachfolger einsetzen, wenn der seine Tochter heiraten würde. Das aber verneinte Bach. Jedenfalls ist diese Ouvertürensuite C-Dur , auch Wassermusik Hamburger Ebb und Flut’ genannt, ein teils stürmisches Stück mit 10 unterschiedlichen Sätzen. Magdeburger Telemann-Festtage 13.–22. März 2026

Nach der Pause ist dann Georg Friedrich Händel (1685-1759) mit seiner Feuerwerksmusik an der Reihe und wird zum Höhepunkt. Dazu mussten auch einige der jungen Damen und Herren ihre Plätze wechseln. Dieses Stück mit seinen fünf Sätzen bietet Prachtentfaltung plus Eleganz und wird schließlich vom Publikum am meisten bejubelt. Doch noch mehr gefeiert werden Jordi Savall und die fabelhaften Instrumentalisten.

Jordi zerpflückt nun den Blumenstrauß, der ihm überreicht wurde, und verteilt sogleich die Rosen an die Damen. Eine Zugabe, bei der das Publikum zusammen mit Jordi Savall mehrfach in der Hände klatscht, wird ebenfalls fällig. Der Saal tobt, und das hatten Jordi Savall sowie die jungen Damen und Herren der Karajan-Akademie auch voll verdient.  

Ursula Wiegand

 

 

 

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