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BERLIN/ Philharmonie: DAS PARADIES UND DIE PERI – Oratorium von Robert Schumann. Staatskapelle Berlin, Marc Minkowski

23.02.2022 | Konzert/Liederabende

Berlin/ Philharmonie mit der Staatskapelle und Dirigent Marc Minkowski, 21.02.2022

marc minkowski, foto georges gobet
Marc Minkowski. Foto: Georges Gobet

Soviel reiner Wohlklang wie beim Abbonnement-Konzert IV der Staatskapelle Berlin strömt nicht ständig durch die Philharmonie. Zu verdanken ist das Robert Schumann und seinem dreiteiligen Oratorium „Das Paradies und die Peri“ op. 50, für Soli, Chor und Orchester.

Das am 4. Dezember 1843 in Leipzig uraufgeführte Werk, das Schumann selbst dirigierte, fand sogleich große Zustimmung und diese bald auch an anderen Häusern im In – und Ausland, sogar in New York und Kapstadt. Es wurde eines von Schumanns Erfolgskompositionen, verschwand aber irgendwann aus den Sälen. War soviel pure Romantik, die durchaus wegweisend war, dennoch unmodern geworden?

Nun aber zieht dieses fast unbekannte Oratorium, musiziert von der Staatskapelle Berlin und großartig gesungen vom riesigen Staatsopernchor alle in seinen Bann. Es scheint auch ein friedlich schönes Bollwerk gegen viel Gefährliches zu sein, was sich draußen vor den Türen und weit über Berlin hinaus zusammenbraut. Die Philharmonie wird so knappe zwei Stunden lang ein Ort zum Entspannen und Genießen.

Anstelle von Simon Rattle, der sich einer kleinen Operation unterziehen musste, dirigiert Marc Minkowski, der in aller Welt nicht nur als Barock- und Romantik-Spezialist gefragt ist. Mit wiegendem Körper und exakter Zeichengebung bringt er dieses Werk zum erneuten Erblühen.

Großartige Solistinnen und Solisten helfen ihm und posthum auch Robert Schumann dabei. So die beiden Sopranistinnen Lucy Crowe und Anna Prohaska, der Tenor Andrew Staples und der Bass Florian Boesch. Doch wie es derzeit öfter geschieht, gab es zwei, die eingesprungen sind: Ema Nikolovska, Mezzo, und der junge Tenor Magnus Dietrich. Wer es nicht aus einem dem Programmheft beigelegten Zettel wusste, hat sicherlich nichts Nachteiliges bemerkt und auch nicht bemerken können.

Ohnehin hatten wohl viele gar kein Programm gekauft und genossen das Gebotene unbelastet in vollen Zügen. Warum auch nicht? Der exotische Rahmen, der die damaligen Musikfans begeisterte, fällt nun sowieso weniger ins Gewicht. Stark spürbar ist dieses Kolorit kaum, obwohl die drei Teile zuerst in Indien, dann in Ägypten und schließlich im Nahen Osten angesiedelt sind.
Die Peri, die Hauptperson und eine Figur aus der altpersischen Mythologie, wird bestens und sehr engagiert von Lucy Crowe gesungen. Sie steht vorne an der Rampe und neben ihr Andrew Staples, der mit seinem warmen Tenor zumeist als Erzähler fungiert.

Alle anderen stehen als Quartett etwas im Hintergrund und verkörpern die auftretenden Figuren dieser Geschichte. In der geht es darum, dass die Peri, quasi ein aus dem Paradies vertriebener Engel, wieder in dieses zurückkehren möchte, zu diesem Zweck jedoch „des Himmels liebste Gabe“ darbieten muss. Doch welche ist das?
Zweimal scheitert sie, selbst als sie das Blut eines jungen Freiheitskämpfers darbietet, markig gesungen von Magnus Dietrich. Auch die Todesseufzer eines Mädchens, das sich absichtlich bei dem Geliebten von der Pest hat anstecken lassen, genügen nicht. Erst als die Peri die Tränen eines Sünders bringt, der ehrlich seine Taten bereut (überzeugend Florian Boesch), zeigen die himmlischen Wächter am Paradiestor Milde.
M

itgewirkt am Geschehen hat auch mehrfach ein Engel, eindrucksvoll gesungen von Ema Nikolovska. Strahlend erklingt im Laufe des Geschehens und vor allem zum Schluss der Sopran von Anna Prohaska, die auf diese Weise ihrer Rolle als Jungfrau gerecht wird.

Selbstverständlich begleiten der Chor und die Instrumentalisten mit ihrem Können das ganze Geschehen und helfen klangvoll, dass dieses Oratorium unter der Leitung von Marc Minkowski in ein glanzvolles Ende mündet. Sofort braust der Jubel auf, auch sind viele Bravi zu vernehmen.
Offenbar hat diese gemeinsam geglückte Darbietung Schumanns Oratorium trotz dieser sonderbaren Story wieder „salonfähig“ gemacht. Mehr davon wünschen sich vermutlich nicht Wenige. Ursula Wiegand

 

 

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