BERLIN/ Philharmonie: Das BAROCK-WOCHENENDE endete bewundernswert mit „Il pomo d’oro“ am 30.11.2025

Großartig begann das diesjährige Barock-Wochenende mit William Christie und den „Les Arts Florissants“, und noch bewundernswerter endete es mit „Il pomo d’oro“, den goldenen Äpfeln, unter der Leitung von Maxim Emelyanychev am Cembalo.
Der, geboren in Nischni Nowgorod, zeigte sich als ein eher stürmischer, jedoch liebenswerter und bescheidener Typ. Schon in seiner Jugend galt er als Wunderknabe und dirigierte bereits mit 12 Jahren russische Orchester.
Im Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium erhielt er weiteren Schliff, spielte auch viele Jahre am Cembalo unter der Leitung von Teodor Currentzis und übernahm dann die Leitung des italienischen Barockensembles „Il pomo d’oro“.
„Hauptsache Musik! Das Wichtigste ist, zu lieben, was man tut, und sich voll und ganz darauf einzulassen“, ist Maxims Motto, und offensichtlich arbeiten die 19 Mitwirkenden auf die gleiche Weise.
2019 übernahm er außerdem das „Scottish Chamber Orchestra“ und ist auch ein gern gesehener Gast bei Internationalen Sinfonieorchestern und in bedeutenden Operhäusern. 2022 gab er bei den Berliner Philharmonikern sein Debüt, und die Preise für seine Einspielungen häufen sich.
Nun hat er mit Charme und Schwung am 30.11. im Kammermusiksaal sein enormes Können gezeigt, jedoch ohne jedes Gehabe. Oft steht er spielend am Cembalo, die Finger finden allein die Tasten. Freundlich und mit ständig wippenden Körper leitet er seine Crew. Ähnliche Körperschwingungen zeigen vor allem die Ersten Violinen und besonders die staunenswerte Zefira Valova (die Konzertmeisterin).
Geboten wurde Alte Musik, und alle sieben Werke trugen die Bezeichnung Concerto grosso, mal in Moll, mal in Dur. In die Länge zogen sie sich aber nicht. Der Erfindungs- und Klangreichtum dieser damaligen Meister lässt dennoch staunen.
Den Anfang im Programm machte der noch heute auf Grund seines Weihnachtskonzertes bekannte Komponist Arcangelo Corelli (1653-1713). Der im selben Jahr geborene Georg Muffat (1653-1704), eigentlich auch ein Pionier, ist heute ein fast Unbekannter, obwohl er ein Concerto grosso in D-Dur mit 7 Sätzen schuf. Nach ihm setzte Charles Avison (1709-1770) auf d-Moll.
Nach einer kleinen Pause war „natürlich“ Georg Friedrich Händel (1685-1759) mit F-Dur an der Reihe, im Programm gefolgt von Alessandro Scarlatti (1660-1725), der f-Moll für sein erstes Concerto grosso bevorzugte.
Pietro Antonio Locatelli (1695-1764) wagte sich dann an Es-Dur. Der damals hoch geschätzte Giuseppe Sammartini (1695-1750, der im gleichen Jahr wie Johann Sebastian Bach starb), wählte jedoch A-Dur für sein Concerto grosso op.2 Nr. 1.
Sie alle, auch die heutzutage weniger bekannten Meister, wurden nun ins Gedächtnis der aufmerksam Hörenden wie goldene Äpfel hineingepflanzt. Auffallend war an diesem Abend auch die große Zahl junger Frauen und Männer, die dieses Konzert besonders feierten. Richtig so und bitte mehr von dieser schönen Alten Musik!
Ursula Wiegand

