Berlin, Philharmonie/ mit dem Barock-Wochenende vom 28.-30. 11. 2025

Die Freude ist groß, denn nach zweijähriger Pause gibt es wieder ein reichhaltiges Barock-Wochenende im Kammermusiksaal der Philharmonie.
Den Anfang machte diesmal William Christie mit seinen Les Arts Florissants, und besser konnte das diesjährige Barock-Fest nicht beginnen. Die Berliner und ihre Gäste ahnten jedoch, welch eine wunderbare Musik zu erwarten war.
Denn der recht große Kammermusiksaal war ausverkauft und schon bei den ersten Takten kam spürbar ein Glücksgefühl auf, das hoffentlich alle Ärgernisse und Enttäuschungen des normalen Lebens vergessen ließ.
Das schaffte jedenfalls der nun 80jährige William Christie am Cembalo, der seine Crew, Les Arts Florissants, 1979 gründet hatte. Sein Erfolgsgeheimnis sei „Keine Routine“, so sagt er, und genau so führte er uns durch die wunderbare Musik von Georg Friedrich Händel (1685-1759). Was zu hören war, beinhaltete neben den Triosonaten auch eine Kantate, die der 23jährige Händel einst in Rom ersonnen hat,
Keine große Gruppe trat hier auf, doch alle spielten und sangen so vollkommen, dass vermutlich das Publikum bei solchen Klängen alsbald glücklich wurde. Alle schienen diese „Alte Musik“ sehr konzentriert zu hören, war doch das Gebotene der reinste Zauber.
Jedenfalls waren Händels Triosonaten und seine Kantate mit Christie am Cembalo der perfekte Start für dieses Barock-Wochenende. Christie, der Ex-Amerikaner, der 1971 nach Paris wechselte, saß gelassen am Cembalo, vermutlich wie in seiner neuen Heimat Frankreich. Dort „stemmt“ er noch mit den Seinen in jeder Saison rd.100 Konzerte und Opernaufführungen, ist im Programmbuch zu lesen, das außerdem die Texte aller Werke des Barock-Wochenendes auch in Deutsch bietet.
Jetzt in Berlin glänzten bei Christie auch die Sopranistin Ana Vieira Leite und zwar in einer Hosenrolle. Sie spielte und sang den armen Schäfer Aminta, der sich in die schöne Nymphe Phillis – hier Shakèd Bar (Mezzo) – eine blonde Frau im feinen Kleid – total verliebt hatte.
Beide Frauen jagten schließlich hin und her, sogar durch die Saaltüren. Dennoch blieb ihr Gesang, teils wie vom Sex getrieben, klar und keine verlor die Puste. Nach der anfänglichen Ablehnung des Hirten wurde die Nymphe doch noch von Liebesglut erfüllt, und beide wollten sich, so sangen sie, immer lieben und treu bleiben.
Die „Les Arts Florissants“ ließen sich jedoch von diesem teils brisanten Getue nicht ablenken und überzeugten mit dem Wohlklang ihrer Instrumente. Es waren Emmanuel Resche-Casera, Solovioline, Tami Troman, Violine, Jasper Snow, Viola, Felix Knecht, Cello und Hugo Abraham, Kontrabass.
Das Publikum und die Autorin waren zu Recht begeistert, spendete heftigen Applaus und „standing ovations“. Besser konnte das Barock-Wochenende 2025 nicht beginnen.
Doch es ging und geht weiter mit dem bekannten Countertenor und Leiter Philippe Jaroussky, selbstverständlich mit Jordi Savall sowie mit jüngeren Ensembles wie La Fonte Musica, Kontrovers! und schließlich mit IL pomo d`oro am 30.11. unter der Leitung von Maxim Emelyanychev. Mal hören und sehen wie der goldene Apfel schmeckt.
Ursula Wiegand

