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BERLIN/ Neuköllner Oper: DER TEUFEL IM LIFT – Musikdrama mit Werken von Johann Sebastian Bach, Texten von von Trüffel und den Musikern der Lautten Compagney Berlin

16.10.2023 | Oper international

 

Berlin: „Der Teufel im Lift“ – Neuköllner Oper, Pr. 14.10.2023

Musikdrama mit Werken von Johann Sebastian Bach, Texten von
von Trüffel und den Musikern der Lautten Compagney Berlin

laut
Elmar Hauser als Dr. VIce und Steffi Dietrich als Blanche (c: Thomas Koy)

Uraufführung „Der Teufel im Lift“ wirft mit neuen Texten für die Kantaten Bachs eine ganz neue Sicht auf seine Spiritualität und Religion.

Wie wir dies mit unserem heutigen Verständnis verbinden können, war das Thema des zweistündigen Bühnenstücks, zu dem John van Düffel viele Gedanken formuliert hat.  Dabei geht es nicht so sehr um die Geschichte selbst, sondern wie jeder einzelne mit dem Tod bzw. dem Sterben umgeht. Was ist die Wahrheit des Lebens? Schon Leonardo da Vinci hat den menschlichen Körper seziert, um ihn zu verstehen. Wollte Gott den Menschen so, wie er im Moment ist: mit der Sehnsucht nach ewiger Jugend, nach Unsterblichkeit, mit der Sucht nach Leben, nach Gesundheit? Ist die Religion die Weltenlösung? Das alles sind Fragen, denen fünf Menschen nachgehen, die sich in einem Hotel aufhalten. Treffpunkt ist die Lobby, die Bühnenbildner Jürgen Kirner, der ebenso für die Kostüme verantwortlich ist, mit einer Bar, einer Sitzmulde und natürlich einem Lift ausgestattet hat.

 

Hier geschehen eigenartige Dinge. Während Gehirnspezialist Prof. Sanchez (Elias Arranz mit elegantem Bariton) auschecken will, bleibt die Journalistin Raquel (Frieda Jolande Barck mit klarem wundervollem Sopran) im Fahrstuhl stecken, die alternde „Lichtseherin“ Blanche (Steffi Dietrich mit klangvollem Alt) flirtet mit dem Portier (Christian Pohlers mit wohltuend timbrierten Tenor),  der wiederum die Gäste mit Drinks, aber auch mit Drogen und anderen Suchtmitteln versorgt. Plötzlich öffnet sich die Fahrstuhltür. Ein Toter fällt heraus und – ich zitiere:

„es beginnt ein erratisches Spiel, in dem Blanche und Raquel in Zukunft und Vergangenheit blicken und Prof. Sanchez seine Forschung vorstellt, die das Leben verändern soll. Schließlich bringt das Wirken des Unbekannten alle an persönliche Grenzen, an denen die großen Fragen nach Sinn, Glauben, Tod, Vergänglich- und Vergeblichkeit lauern – gespiegelt, umspielt und kommentiert durch…..tiefe Spiritualität der Musik von Johann Sebastian Bach.“

 

Ist der Tote der Teufel, der unsere Ängste schürt, unsere Zweifel nährt, uns einen Spiegel vorhält und uns vor Augen führt, dass jeder Mensch zwei Seelen hat, eine gute und eine schwarze?  Großartig Elmar Hauser, der als Dr. Vice (oder Luzifer) nicht nur in seiner Darstellung, sondern auch mit einer fehlerlosen, sehr schönen Countertenorstimme große Wirkung hinterlässt.

 

Begleitet werden die surrealen Szenen mit der Frage nach dem Sinn des Lebens durch beeindruckende Videobilder von Martin Mallon, die unter die Haut gehen. Schlussbild dieses musikalischen Bühnenstücks zeigt „den Engel oder den Teufel“, der dem Publikum eine Kusshand zuwirft, als ob er ihm zu verstehen geben will: ohne mich geht nichts, ich werde immer präsent sein!!

 

Es erfordert viel Einfühlungsvermögen und Können, solch ein düsteres Stück zu inszenieren. Ansgar Weigner hat mit seinem Regieteam großartige Arbeit geleistet. Er weiß, wie er kritische und wichtige Szenen in den Focus setzen muss. Dabei kommt ihm zugute, dass er Musik studiert hat, selber Orgel spielt und damit beide Seiten, musikalische und darstellerische, in Einklang bringen kann. Die Idee, die Theatergäste auch zum Mitsingen des einen oder anderen Chorals zu bewegen, schließt nicht nur das Eintauchen in die menschliche Thematik, sondern auch in die hochsensible Musik des Komponisten ein, dessen Kantaten, Motetten, Choräle den Abend füllen und eine neue Sichtweise im Umgang mit Bach ermöglichen. Das aus 12 Musikern bestehende Orchester der Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner hat diese Herausforderung phänomenal gemeistert.

 

Es war keine leichte Kost, die es da zu verdauen gab, aber die Botschaft wurde verstanden, was frenetischer Beifall für alle Beteiligten bestätigte.                                   Inge Lore Tautz                                                                                                                                                                                                                              

 

 

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