Die Schönheit des Singens Teil 2
Konzerthaus Berlin/ Konzert „Glanz und Gloria – Festliche englische Krönungsmusik“
Für weitere hochkarätige Gesangserlebnisse sorgte am 25. Oktober der international geschätzte RIAS Kammerchor Berlin mit seinem temperamentvollen Dirigenten Justin Doyle. Kenntnisreich unterstützt wurden die fabelhaft Singenden auch von der Akademie für Alte Musik Berlin.

Rias Kammerchor Berlin. Foto: Lukas Laier
10 Sopranistinnen, 8 Altistinnen, 8 Tenöre und 8 Bässe widmeten sich der Barockmusik, und die ist ohnehin ein Markenzeichen des RIAS Kammerchors. Sie zu singen und zu spielen machte den Darbietenden spürbar ebensoviel Freude wie den Zuhörenden im fast ausverkauften großen Saal. Eine jung gebliebene Musik wurde geboten.
Einer war an diesem Abend jedoch der Größte: Georg Friedrich Händel (1685-1759). Mit seiner „Occasional oratorio: Ouvertüre Orlando“, eine Verteidigung Englands gegen Schottland, begann das Konzert.
Händels Vorgänger waren ebenfalls versierte Komponisten, sind aber in Deutschland – mit Ausnahme von Henry Purcell, dem „Orpheus Britannicus“- weniger bekannt. Sie wurden an diesem Abend ebenfalls gewürdigt. Das „O clap your hands“ für Chor a cappella von Orlando Gibbons (1583-1625) wirkte sofort aufmunternd.
Vielleicht hat es der extrem begabte und unglaublich fleißige Henry Purcell (1659-1695) noch gekannt, der in nur 36 Lebensjahren eine unglaublich Fülle von Werken komponierte und als „Orpheus Britannicus“ bezeichnet wurde. „I was glad“, heißt schlicht seine Vertonung vom Psalm 122.
Zum Zuge kamen auch John Blow (1649-1708) mit seiner Chaconne in G und schließlich William Croft, der ausgehend vom Psalm 84 ein größeres Werk mit Gesang und Kapelle schuf.
Beim Blick auf die Lebensdaten dieser Komponisten wird klar, dass bei diesem Konzert mit Gespür und Cleverness eine aufwärts führende Treppe hin zu Händel gebaut wurde. Croft war nur wenige Jahre älter als der 1685 in Halle geborene Händel.
„The Lord is a sun and a shield“, lautet der Titel des von Croft vertonten Psalms 84, der das Gottvertrauen des Komponisten widerspiegelt. Dafür war aber mehr Power nötig. Also wechselten vorab einige Sänger auf die linke Podiumsseite und stellten sich hinter den Sängerinnen auf.
Mit Verve wurde jetzt gesungen und gespielt, denn William Croft war ein damals sehr geschätzter Komponist, der 1715 auch die Krönungsmusik für George I schuf. Georg Friedrich Händel tat später Gleiches für dessen Sohn George II und das mit einem grandiosen Musikfest voller Glanz und Gloria.
George II hatte vier Anthems, kirchenmusikalische Hymnen, bei Händel bestellt, überließ ihm jedoch die Inhalte. Uraufgeführt wurden sie dann beim Krönungsgottesdienst am 11. Oktober 1727 und anschließend weiter genutzt. Bei der bevorstehenden Krönung vom König Charles III werden sie erneut zu hören sein. In Berlin war das schon im 2. Teil des Konzerts der Fall.
Von diesen vier Stücken war und ist „Zadok the Priest“, das aufs Alte Testament Bezug nimmt, der Favorit. Kein Wunder, wenn darin „God save the King“ zum Mittelpunkt wird. Auch die kürzlich verstorbene Königin Elizabeth II hat es zu ihrer Krönung gehört. In Berlin füllt es nun energetisch den Saal.
Die beiden folgenden Anthems wünschen dem König eine starke Hand, gut für Gerechtigkeit, gut für Gnade. Auch soll er sich über die goldene Krone freuen, die ihm Gottes Hand aufs Haupt gesetzt hat. Texte, die uns schon lange fremd geworden sind. Immerhin endet das letzte Anthem mit einer Forderung: Der König und die Königin sollten ihr Land pflegen wie ein Vater und eine Mutter.
Wie dem auch sei – Händels Musik, so schön gesungen und gespielt, macht alles wett.
Der eigentliche Höhepunkt des Konzerts war für mich ohnehin das „Laudate pueri dominum“ gleich nach der Pause. Ein intensives Gotteslob, das Händels ganze Kompositionskunst zeigt. Eine Gast-Sopranistin, Aoife Miskelly, stimmte in diesen Jubelgesang mit ein. Zuletzt bejubelten dann alle die wunderbare Musik und diejenigen, die diesen Ausnahme-Abend mit viel Können und Engagement gestaltet hatten.
Ursula Wiegand

