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BERLIN/ Komische Oper im Schiller-Theater: „PFERD FRISST HUT“, ein neuer Reißer (2. Aufführung)

10.02.2025 | Oper international

Berlin/ Komische Oper im Schiller Theater : „PFERD FRISST HUT“, ein neuer Reißer, 2. Aufführung am 09.02.2025  

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Copyright: Jan Windszus

Zwei Herberts sind hier erstmalig gemeinsam tätig: Herbert Grönemeyer sorgt für selbst komponierte Musik und gute Chansons, Herbert Fritsch für Inszenierung, Bühnenbild, Choreografie und bekanntermaßen für Tempo und skurrile Einfälle.

Daraus ist eine rasante Musikalische Komödie entstanden nach Eugène Labiches „Ein Florentinerhut“ in einer Bearbeitung von Sabrina Zwach. Schon im November 2023 erzielte die Uraufführung im Theater Basel Staunen und Gelächter. Bei einer Koproduktion ist nun Berlin an der Reihe.

Die hiesigen Vorstellungen schließen zufällig auch Deutschlands bevorstehende Bundestagswahlen mit ein und kommen so gesehen gerade recht. Anstelle von giftigen Vorwürfen und unhaltbaren Versprechen der zukünftigen Kanzler ist im Schiller Theater nun Lachen angesagt, und auf der Bühne werden Küsse en masse verteilt.

Ob aber die Frauen im Saal auch so abgeschmatzt werden wollen? Vermutlich nicht. Und selbst der Bräutigam, der äußerst flinke und gelenkige Fadinard (der Schauspieler Christopher Nell)  ist von den heftigen Küssen eines alten Herren (Kaspar Simonischek) kurz vor der Hochzeit mit seiner schönen Hélène (Paulina Plucinski) gar nicht begeistert.

Allerdings hat das Stück 174 Jahre auf dem Buckel und wurde dann 1936 vom damals erst 22jährigen Regisseur Orson Welles am Broadway kess auf „Horse Eats Hat“ umbenannt. Das war sicherlich der Strohhut von Madame Beauperthuis, der wohl bei ihrem Rendezvous mit dem stattlichen Polizisten Tavernier (Florian Anderer) verloren gegangen ist. Doch ohne den darf sie nicht zu ihrem eifersüchtigen Gatten zurückkehren.

Zwar sind Fadinards Hochzeitsgäste schon angekommen, doch er, der Pferdebesitzer, hetzt dennoch durch Paris, um einen Ersatzhut zu kaufen, hat aber keinen Erfolg.

Fadinards Bemühungen machen schließlich sogar seine schöne Braut Hélène, die ihr blondes Haar frei flattern lässt, eifersüchtig. Fast kommt es sogar zum Duell zwischen dem gehörnten Gatten und dem Polizisten Tavernier.

In wildem Hin und Her wechseln die Szenen, durch bunte Klapptüren eilen zumeist die Herren. „Tempo, Tempo, das ist der Berliner Rhythmus“, wurde schon früher gesungen. Absurde Szenen und Wortkaskaden lassen kichern, vor allem die in der Badewanne mit Christopher Nell und Matthias Buss.

Farbschöne Kleider hat Geraldine Arnold entworfen. Sogar die Schirme sind bunt und lassen den Winter vergessen. Die Tänzerinnen und Tänzer sind wie gewohnt ebenso von der Partie wie der Chor Vocalconsort Berlin.

Unter der musikalischen Leitung von Dirk Kaftan spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin so großartig wie immer, auch die Chöre unter Jean-Christophe Charron sind eine Freude für Augen und Ohren. Zuletzt füllen alle singend und tanzend die breite Bühne und erhalten den verdienten Applaus.

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Copyright: Jan Windszus

Ursula Wiegand

Weitere Vorstellungen am 12., 13. und 15. Februar sowie am 15. und 19. Mai. Letzte Vorstellung in dieser Spielzeit am 24. Mai 2025.

 

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