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BERLIN/ Komische Oper: DIE ZIRKUSPRINZESSIN. Konzertante Premiere

21.12.2015 | Operette/Musical

Berlin/ Komische Oper: „DIE ZIRKUSPRINZESSIN“ von Emmerich Kálmán, konzertante Premiere, 20.12.2015

Désirée Nick (Zirkusdirektorin), Alexandra Reinprecht (Fürstin Fedora), Zoltán Nyári (Mister X) copyright Iko Freese I drama-berlin.de
Désirée Nick (Zirkusdirektorin), Alexandra Reinprecht (Fürstin Fedora), Zoltán Nyári (Mister X) copyright Iko Freese I drama-berlin.de 

Alle Jahre wieder gibt’s in der Komischen Oper Berlin als Weihnachtsbescherung eine konzertante Operette, diesmal die „Zirkusprinzessin“. Das ist erneut eine gelungene, durchaus niveauvolle Unterhaltung und gestattet gerade in diesem Jahr ein kurzes Abschalten vom Problem Flüchtlingskrise, die Berlin seit Monaten beherrscht.

Wieder lässt Intendant Barrie Kosky Emmerich Kálmán musikalisch zu Wort kommen, mit Schmalz und Schmackes, so wie sich das gehört. Beim österreichisch-ungarischen Dirigenten Stefan Soltesz ist Kálmáns Melodienreigen in besten Händen, und wenn’s holterdiepolter zur Sache geht, hüpft der Maestro, als wäre er zwanzig, auf dem Podium, um dem Orchester des Hauses und dem Chor, einstudiert von David Cavelius, noch eine weitere Drehung der Stimmungsschraube zu entlocken.

Sie alle sind auf der Bühne und galoppieren klanglich mitunter so heftig, als ritten sie ebenfalls die blonde Stute, auf der der Zirkusartist Mister X jeden Abend Geige spielend und einen Dreifachsalto drehend durch eine imaginäre Manege reitet.

Die Sängerinnen und Sänger, sämtlich gestandene Kräfte, können sich dennoch gegen solche Aufschwünge behaupten und bringen Herz, Schmerz und Happy End überzeugend vors Publikum. Vermutlich etwas ironischer im Vergleich zu 1926, als diese Operette mit dem Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald – ein Antistück gegen die damaligen Neuerer – ihren Siegeszeug um die Welt antrat.

Die Sängerinnen in Abendroben, die Herren im Gesellschaftsanzug und Mister X in einer Art Künstler-Outfit (Kostüme: Katrin Kath) – so stehen, gehen und tanzen sie am Bühnenrand. Mit leuchtendem Sopran und Spielfreude singt Alexandra Reinprecht (von der Wiener Staatsoper) als Fürstin Fedora Palinska ihre Nummern. Nein, den durchaus feschen Prinz Sergius Wladimir (Ivan Turšić) will die jung Verwitwete keineswegs heiraten.

Doch der rächt sich und stellt ihr den gefeierten Artisten Mr. X vom Zirkus Stanislawski als angeblichen Prinzen Korossow vor. Der himmelt sie ohne ihr Wissen schon lange an („Zwei Märchenaugen, wie die Sterne so schön“), und sie verliebt sich sofort in diesen attraktiven Mann, hier den ungarischen Tenor Zoltán Nyári mit seinem gewissen Wildwest-Charme. Dass ihm sein Onkel bei Fedora zuvorgekommen ist, ihn als Nebenbuhler enterbt und verjagt hat, kann Fedora nicht wissen. Der rachsüchtige Prinz weiß es auch nicht.

Eine, die Diseuse Désirée Nick als Zirkuschefin, erklärt dem Publikum diese Geheimnisse, mal auf, „Weanerisch“, mal auf Deutsch mit ungarischem Akzent und mit Berliner Schnoddrigkeit. „Der hat schon den Löffel abgegeben,“ sagt sie, den Ex-Gatten der Fürstin meinend.

Auf ihren langen schlanken Beinen stolziert und tanzt die Schöne – Manege frei! – über die Bühne. Eine schicke Frau mit jahrzehntelanger Theater- und Chanson-Erfahrung, in der zweiten Lebenshälfte, wie sie selbst von sich sagt, was ihr jedoch keineswegs anzumerken ist. Jeder Griff zum Hütchen, jeder Hüftschwung sitzt. Sie steckt mit Witz und Bühnenpräsenz alle in die Tasche, hat stets den passenden Spruch auf den Lippen, manchen auch aus dem Steggreif. Und dann noch die Arie der Königin der Nacht mit absichtlich falschen Spitzentönen. Zum Wiehern komisch.

Peter Renz (Toni Schlumberger), Julia Giebel (Miss Mabel Gibson)  copyright Iko Freese I drama-berlin.de
Peter Renz (Toni Schlumberger), Julia Giebel (Miss Mabel Gibson) copyright Iko Freese I drama-berlin.de

Das Buffo-Paar geben zwei gestandene Kräfte der Komischen Oper: Peter Renz als Toni Schlumberger und Julia Giebel als Miss Mabel Gibson. Renz, der Ballettfan, umschwärmt „die kleinen Mädchen im Trikot“. Im Wechsel trällern beide: „Wenn du mich sitzen lässt, geh’ ich nach Budapest,“ trällern beide, als es in ihrer jungen Ehe heftig knirscht. 

Klar, dass zuletzt aller Kummer verfliegt, als sich die wahre Identität des Zirkusartisten als verarmter Adliger herausstellt. Die Fürstin, zunächst als Zirkusprinzessin blamiert und heftig weinend, kriegt nun doch einen gesellschaftlich kompatiblen Ehemann.

Ursula Wiegand

Noch einmal am 30.12.

Auch wird die von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnete Aufführung am 31.Dezember ab 20:03 in der Sendung „Konzert“ ausgestrahlt.

 

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