Berlin: Jordi Savall bittet mit Mozart in der Philharmonie am 16 März 2026 um den Frieden.

Jordi Savall. Foto: Peter Adamik
Der Große Saal in der Philharmonie ist voll gefüllt, doch bevor Jordi Savall zu dirigieren beginnt, wendet er sich zum Pubikum mit dem Wunsch, dass dieses Mozart-Konzert zum Frieden beitragen solle.
Kurzer Beifall folgt, doch schon dreht sich Jordi um und bringt zunächst Mozarts Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 mit den drei Sätzen Allegro, Adagio und Rondo: Allegro zu Gehör.
Es ist eines der letzten Stücke, die der schon dem Tode nahe Wolfgang Amadeus Mozert komponierte, aber nicht mehr fertig machen konnte. Zu vernehmen ist hier nun die historische Fassung für Bassettklarinette von dem Italiener Francesco Stendolini, und dieser Künstler hat auch den Part mit Wohlklang und schönen Schattierungen 30 Minuten lang dargeboten. Insgesamt eine angenehm variierende Mischung, die aber auch Kraft braucht, jedoch von „Le Concert des Nations“ sicher begleitet wurde und vom Publikum zurecht viel Beifall erhielt.
Der Höhepunkt nach der Pause war jedoch Mozarts Requiem in d-Moll KV 626. Das ist weltweit bekannt und begleitet Gottesdienste und Begräbnisse, besonders in katholichen Kirchen, und vor allem in Österreich.
Acht Teile hat es vom Introitus bis zum Lux aeterna sowie von der Angst bis zur Erwartung von Frieden im Himmelsreich. Eine großartige Mischung, die noch in der Sterbestunde alles hören ließ, was Mozart an Phantasie und Können besaß.
Schuf er seine eigene Todesmesse noch vor dem Tod seines Vaters, der ihn schon als Kind fast überall vorzeigte und vorspielen ließ?
Der Vater war streng und tadelte oft den Sohn, der anders komponierte als er. Vom Kaiserhof in die Armut, so ging in etwa sein Weg, und Geld fehlte selbst auf der Höhe seines Schaffens. Zuletzt sagte er dem Vater, wie glücklich ihn der nahe Tod mache.
Doch ist dieses Requiem wirklich 100prozentig sein eigenes Werk und sozusagen seine eigene Totenmesse? Nein. Das hatte Franz Graf von Walsegg aus Niederösterreich bei Mozart für 50 Dukaten bestellt. Er wollte es aber als das seine ausgeben, um seine verstorbene Frau zu ehren, wie uns das Programmheft wissen läßt. 50 Dukaten, eine hohe Summe, sollte Mozart dafür erhalten, die Hälfte bekam er sofort, und das half seiner Familie sehr.
Doch die einzelnen Teile dieses Requiems waren noch Fragmente. Also wandte sich seine Frau Constanze an Mozarts Freunde, und die müssen dessen Schaffen sehr gut gekannt haben. Wer also hat die beiden Fugen gegen Ende des Requiems eingefügt, oder stammten die doch noch Mozart selbst? Denn er verwendete auch gerne mal, was Bach und Händel geschaffen hatten.
Jedenfalls vervollständigten nach seinem Tod Joseph Leopold Edler von Eybler und Franz Xaver Süßmayr Mozarts Fragmente. Auf diese Weise erhielt Frau Constanze noch die 2. Hälfte des versprochenen Honorars, und das brauchte die Familie sehr.
Doch wer weiß jetzt das alles, was früher zumeitlich verheimlicht wurde? Die Trauergäste haben sich vermutlich nur bei Mozart, den jeweiligen Chören und den Kirchen mit teils recht erheblichen Summen bedankt.
Und was hat nun Jordi Savall getan? Originalklang ist sein Beruf, und er hat, zusammen mit der Philharmonie, nicht verschwiegen, wie dieses großartige Mozart-Requiem zustande kam. Mit seinen vielen Kenntnissen sowie mit Ernst, Aufmerksamkeit und Hingabe hat er, nun der „Nobelpreisträger der Musik“, zusammen mit Le Concert des Nations und der Capella Nacional de Catalunya, sowie den Sängerinnen und Sängern – Lina Johnson, Sopran, Eva Zaïcik, Mezzo, David Fischer, Tenor und Manuel Walser, Bass einen besonderen Abend geschaffen.
Der Beifall des Publikums wollte nicht enden, viele Menschen jubelten und erhoben sich von ihren Sitzen. Denn wir alle wollen wie Jordi Savall den Frieden.
Ursula Wiegand

