Die Deutsche Oper Berlin überrascht mit „VIOLANTA“ von Korngold am 25.01.2026

Copyright: Marcus Lieberenz
Mal bei Erich Wolfgang Korngold (1897-1057) zu stöbern, lohnt sich, auch wenn es nur der Einakter eines 18jährigen ist, der sich mit „VIOLANTA“ sozusagen auf den Weg machte. Die Uraufführung war am 28. März 1916 am Hoftheater München. Das Libretto lieferte Hans Müller-Einigen.
Es ist auch das letzte Werk, das nun Sir Donald Runnicles nach 17 Jahren an der Deutschen Oper – nun zusammen mit David Hermann (Inszenierung) – auf den Weg gebracht hat, allerdings eines von auffälliger Kürze für einen Dirigenten, der sich zuvor eher den üppigen Werken von Richard Wagner widmete. Aber mal durchatmen tut ja auch gut.
Damit der Abend nicht zu kurz wird, wurde noch ein Prolog vorangestellt, zuerst ein Lauten-Stück von John Dowland (1563-1626), genannt „A fancy“. Weithin zu hören war es wohl nicht. Danach folgte Alban Berg (1885-1935) mit dem Präludium aus „Drei Orchesterstücke“ opus 6, also Motive aus der Wiener Moderne.
Für Bühne plus Video sorgte Jo Schramm, für die Kostüme Sybille Wallum und den Chor Jeremy Bines.
Das Orchester und der Chor der Deutschen Oper Berlin sowie Tänzerinnen und Tänzer des Hauses erledigten ebenfalls ihren Job, letztere mit spitzen bunten Hüten, wurde doch „Violanta“ auch in den Karneval zu Venedig platziert.
Jedenfalls hat man mit VIOLANTA eine weitere Rarität an der Deutschen Oper Berlin gefeiert. Die Titelpartie gestaltet die US-amerikanische Sopranistin Laura Wilde. Ihr zur Seite steht als Gatte der isländische Bariton Ólafur Sigurdarson. Später taucht noch der lettische Tenor Mihails Culpajevs auf, zwei Herren mit kraftvoller Kehle.
Doch denken wir zunächst auch zurück z.B. an Korngolds Erfolg an der Deutschen Oper mit „DAS WUNDER DER HELIANE“ oder noch mehr an „DIE TOTE STADT“.
Nun hat man hier „VIOLANTA“ aus der Versenkung geholt. Viel Schmelz und Klangfarben sind da schon drin. In der Mitte steht also Violanta, die wohl zwischen Langeweile, Mordgedanken und Liebessucht hin- und her pendelt.
Ihr deutlich älterer Gatte ist SimoneTrovai, Hauptmann der Republik Venedig, mit kräftigen Bariton, also Ólafur Sigurdarson. Doch in der Ferne gibt es noch einen anderen Mann namens Alfonso, Sohn des Königs von Neapel (Mihails Culpajevs), und der hat Violantas Schwester, eine junge Nonne, auf dem Gewissen. Die hat er verführt, und sie hat sich danach das Leben genommen.
Deswegen hasst ihn Violanta und fordert ihren Mann auf, den Alfonso, wenn er in die Nähe kommt, zu töten, was er ihr auch verspricht. Doch Violantas Leben wendet sich plötzlich in eine andere Richtung.
Denn nun verliebt sich Violanta in den Quasi-Mörder ihrer Schwester. In dem Namen dieses Sängers – Mihails Culpajevs – mit seinem kräftigen Tenor – versteckt sich übrigens das lateinische „mea Culpa“, meine Schuld. Hat das jemand bei der Besetzung dieser Rolle bemerkt?
Möchte sich also Alfonso jetzt für sein Vergehen an Violantas Schwester selbst das Leben nehmen? Oder will Violanta ihn nun umbringen? Andererseits ist Violanta diesem schlanken Mann sofort verfallen. Mit ihm zusammen, so scheint es, will sie nun sterben und sich damit entschuldigen, dass sie plötzlich den Mörder ihrer Schwester liebt? Fragen über Fragen.
Jedenfalls wird jetzt die Stimme von Laura Wilde deutlich runder und ausdrucksstärker. Brust an Brust tanzen die Toten im Jenseits, singt sie begeistert und das nicht nur einmal.
Wahrscheinlich hofft sie auch, ihr bisheriges, vermutlich langweiliges Leben hinter sich lassen zu können. Vielleicht geht Laura Wilde bei den folgenden Aufführungen mehr aus sich heraus. Nach der Premiere spendete das erstaunte Publikum jedenfalls kräftigen Applaus. Ursula Wiegand

