Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BERLIN/ Deutsche Oper: DER ROSENKAVALIER – ein glanzvoller Abend

18.12.2014 | Oper

Berlin/ Deutsche Oper: „DER ROSENKAVALIER“ von Richard Strauss, ein glanzvoller Abend, 17.12.14

Elīna Garanča als Oktavian, Michaela Kaune als Marschallin, Foto Bettina Stoess
Elīna Garanča (Octavian) und Michaela Kaune (Marschallin). Foto: Bettina Stoess

Musiktheater – an diesem Abend stimmt diese etwas ältliche Bezeichnung haargenau, und auch sonst stimmt alles bei dieser 73. Rosenkavalier-Aufführung an der Deutschen Oper Berlin. Es wird nicht nur hervorragend gesungen, sondern auch überzeugend gespielt, beides mal fröhlich, mal traurig oder mit überwältigender Komik.

Als Stargast für die Rolle des Octavian ist Elīna Garanča gekommen, und ihr schöner Mezzo lässt keine Wünsche offen. Mit ihrem fein geschnittenen Gesicht und der guten Figur passt sie perfekt in diese Hosenrolle. Wie im wahren Leben wirken das Tollen, Küssen und Streicheln, mit denen der „Bub“ seine Verliebtheit in die Marschallin zum Ausdruck bringt. Hinreißend komisch ist sie als Mariandl, glaubwürdig als Kämpfender für Sophie, seine neue Liebe. Auch die Gewissensbisse gegenüber der Marschallin werden deutlich. Rundherum eine großartige Leistung.

Zum Riesengaudi wird jedoch ein Einspringer: Kurt Rydl von der Wiener Staatsoper, seit 1999 bekanntlich ihr Ehrenmitglied. Als wer? Natürlich als Baron Ochs auf Lerchenau. Eine Stunde vor Beginn der Aufführung ist er eingeflogen, im 30. Jahr seines Berliner Bühnendebüts, wird uns kundgetan. Die Show, die er dann im echten Weanerisch als trinkfreudiger und geiler Begrabscher abzieht, lässt kein Auge trocken. Und wie er den Walzer singt.- Seinem kräftigen Bass ist die Blitztour nach Berlin nicht anzumerken.

Michaela Kaune, von 1997-2011 Ensemblemitglied des Hauses, singt und agiert ebenso perfekt. Ihr lyrischer Sopran kommt in den nachdenklichen und verzichtsvollen Passagen besonders anrührend zur Geltung. Eine attraktive Dame mit Superfigur, für die sich sehr wohl ein Siebzehnjähriger begeistern kann. Warum hat die Lockenköpfige nicht den Friseur davongejagt, der sie – wie sie erschreckt im Spiegel feststellt – zur alten Frau gemacht hat, möchte ich „off the records“ anmerken. Überdies wird sie noch vom Lied „Di rigori armato il seno…“, gesungen von Matthew Newlin, sichtlich genervt. Die schon vorher gehegten Ängste, sie könnte den jungen Lover verlieren, steigern sich schmerzlich, doch stets bewahrt sie ihre noble Haltung.

Elīna Garanča als der Rosenkavalier, Foto Bettina Stöss
Elīna Garanča als „Der Rosenkavalier“. Foto: Bettina Stoess

Die Rolle ihrer Konkurrentin Sophie musste ebenfalls umbesetzt werden, doch mit Eun Yee You, seit 2001 an der Oper Leipzig engagiert, wurde eine sehr gute Wahl getroffen. Angenehm blüht ihr reiner Sopran immer wieder auf. Das Erschrecken über das schlechte Benehmen ihres Zukünftigen – hier ein Ochs im Porzellanladen – die plötzliche Verliebtheit in den jungen Rosenkavalier, ihre Verzweiflung nach dem Quasi-Duell und den angekündigten Rauswurf aus dem Elternhaus – all’ dieses glaubt ihr das Publikum sofort. Das glückliche Duett der beiden „Spür nur dich, spür nur dich allein“, trifft mitten ins Herz.

Die Rolle ihres adelssüchtigen Vaters Faninal ist mit Markus Brück, dem flexiblen Bariton des Hauses, ebenfalls bestens besetzt. Wie viel Spaß sie ihm macht, ist ihm anzumerken und anzuhören. Einer, der genau in dieses hochwertige Team passt.

Auch die wichtigsten „Nebenrollen“ werden gut gesungen und dargestellt: Jungfer Marianne Leitmetzerin: Fionnuala McCarthy, Valzacchi: Burkhard Ulrich, Annina: Dana Beth Miller, Polizeikommissar: Tobias Kehrer, der Haushofmeister der Marschallin: der unverwüstliche Peter Maus, der Haushofmeister bei Faninal: Jörg Schörner, ein Notar: Stephen Bronk, ein Wirt: Paul Kaufmann, ein Hausknecht: Thomas Lehmann, die Modistin: Alexandra Hutton, der Tierhändler mit zwei echten Hündchen an der Leine: Clemens Bieber.

Immer noch passend und gar nicht altmodisch wirkt diese Götz-Friedrich-Inszenierung von 1993. Außerdem singen und spielen alle mit offensichtlichem Vergnügen auf der opulent gestalteten, mitunter turbulenten Bühne und in den schönen Kostümen von Gottfried Pilz und Isabel Ines Glathar.

GMD Donald Runnicles dirigiert das Orchester der Deutschen Oper Berlin mit festem Zugriff, lässt aber auch die zarten Passagen angenehm erklingen. Die Chöre und der Kinderchor des Hauses, einstudiert von Thomas Richter bzw. Christian Lindhorst, tragen das Ihre zum Gelingen bei. Per saldo ein Musik- und Gesangsfest vom Feinsten, mit Jubel und vielen Bravi quittiert.

Nächste und letzte Aufführung am 20. Dezember.

Ursula Wiegand

 

 

Diese Seite drucken