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BERLIN: Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko mit Gustav Mahlers 8. Symphonie am 16. und 17. 01.2026

18.01.2026 | Konzert/Liederabende

Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko mit Gustav Mahlers 8. Symphonie am 16. und 17. 01.2026

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Foto: Monika Rittershaus

Gustav Mahlers 8.Symphonie ist nach seiner eigenen Einschätzung das Beste und Größte, was er komponiert hatte, und auch das Publikum war später sofort begeistert. Das riesige Werk wird auch Sinfonie der Tausend genannt und mitunter sogar mit dem gewaltigen, 4.478 m hohen Matterhorn verglichen. Bei dessen Erstbesteigung 1865 fanden jedoch 3 von 7 Männern den Tod.

Einen anderen persönlichen Schock erlebte jedoch Gustav Mahler. Die Vollendung seiner 7. Symphonie hatte ihm in Wien viel Kraft gekostet und auch Ärger verursacht. Also fuhr er ohne seine junge Frau Alma zur Erholung an den Wörthersee. Andererseits hatte sich die schöne Alma inzwischen mit dem jungen Architekten Walter Gropius liiert.

Gustav Mahler warf sich angeblich schluchzend auf den Boden, doch der kenntnisreiche Sigmund Freud beruhigte ihn, und Gustav Mahler machte sich sogleich an die Arbeit. Mit der 8. Symphonie, wollte er seine geliebte Alma wiedergewinnen.

Mahler hatte für sie ein schönes Appartement in einem feinen Hotel gemietet und alle Zimmer mit Rosen geschmückt“, so schrieb es Alma in ihr Tagebuch. Er überhäufte sie auch mit Liebesbriefen, und darüber war Alma  sehr gerührt.

Endlich schenkte ihr der 19 Jahre ältere Ehemann wieder Aufmerksamkeit, aber nun fast schon zu viel. Denn sie schrieb: „Gustav ist wie ein krankes herrliches Kind. Diese abgöttische Liebe, die er mir jetzt zollt, ist kaum mehr normal zu nennen“.

Doch immerhin entsprang diesem Hin und Her die gewaltige Symphonie Nr.8 in Es-Dur, und die widmete er seiner Alma, die übrigens seinetwegen das eigene Komponieren aufgegeben hatte. Und wie verrückt probte er bald tagtäglich für die Uraufführung dieses Werkes in München. Nach der dortigen Premiere am 12. September 1910 war das Publikum total begeistert. Das hatte Mahler so noch nie erlebt.

Genau genommen hatte er zwei Stücke geschaffen und griff zunächst in die Vergangenheit. „Symphonie heißt bei mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen“, betonte Mahler. Bescheiden war er also nicht. Seine 8. Symphonie beginnt noch heute mit dem Pfingsthymnus „Veni creator spiritus“, also mit der Anrufung des Heiligen Geistes, übrigens ein Werk, das Hrabanus Maurus zugeschrieben wird.-

„Denken Sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen.“ War das Phantasie oder gar Hochmut?

Für seinen 2. Teil übernahm Mahler den Schluss von Goethes Faust II mit der Aussage: „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan“, und per saldo ging Mahlers Klangfülle tatsächlich über alles bisher Dagewesene hinaus.

Bei den Berliner Philharmonikern wurde dieses Werk erstmals am 17. Mai 2012 aufgeführt und zuletzt im September 2011 unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Jetzt, am 16. und 17. Januar war nun Kirill Petrenko an der Reihe, und er dirigierte Mahlers 8. ohne Pause.

Allerdings waren andere jetzt in Berlin bei Mahlers 8. noch etwa schneller, nämlich die Komische Oper mit einer ebenfalls riesigen Besetzung Ende September 2025 im Hangar 4 in Tempelhof, dort „Sinfonie der Tausend“ genannt. Auch dahin stürmte das Publikum, vermutlich ein anderes, und auch dort gab es heftigen Applaus.

Nun also zurück zu Kirill Petrenko und den Berliner Philharmonikern, von denen wohl alle Künstlerinnen und Künstler auf ihren Instrumenten sind. Die Akustik in diesem Saal ist auch nicht zu überbieten und Petrenkos Umgang mit dieser Musikmasse schon gar nicht. Zur Tat schritten der Rundfunkchor Berlin, der Bachchor Salzburg und die Knaben des Staats- und Domchors Berlin.

Ganz vorne, neben Kirill Petrenko standen die Sängerinnen und Sänger, und auch die waren erneut erste Wahl. Welche Rollen sie ausfüllten, war auch im Programmheft zu lesen. Hier die Liste:

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Jasmin Delfs, Foto: Monika Rittershaus

Jacquelyn Wagner Sopran (Magna peccatrix), Golda Schultz Sopran (Una poenitentium), Jasmin Delfs Sopran (Mater gloriosa), die später hoch im Saal wunderbar sang. Beth Taylor Alt (Mulier Samaritana) war mir schon in der neuen Bach h-Moll-Messe sehr positiv aufgefallen, und Fleur Barron Mezzosopran agierte als Maria Aegyptiaca.

Die drei Herren waren ebenfalls bestens ausgewählt. Benjamin Bruns (Doctor Marianus), der als Tenor hoch hinauf musste, sang sehr angenehm. Eine echte Überraschung war jedoch Gihoon Kim Bariton (Pater ecstaticus), und auch Le Bu (Pater profundus) gefiel mit seinem Bass.

Alle und Alles hielt jedoch Petrenko aufmerksam in seinen Händen und Ohren. Von zart bis zu Anschwellen ging alles in Ordnung. Dass dieses auch anstrengend war, konnte man Petrenko zuletzt ansehen, aber auch, dass er glücklich war. Stehender Applaus war der verdiente Lohn.

Ursula Wiegand

 

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