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BERCHING/ Gluck-Festspiele: IL PARNASO CONFUSO von Chr. W. Gluck

30.07.2016 | Oper

Interessante Rarität bei den Gluck-Opern-Festspielen: „Il parnaso confuso“ von Christoph Willibald Gluck (Premiere: 29. 7. 2016)

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Die Freilichtbühne Berching bot ein reizvolles Ambiente für die Opernvorstellung

Mit einem reichhaltigen Programm warteten die 6. Internationalen Gluck-Opern-Festspiele auf, die in 15 Tagen (16. – 30. Juli 2016) sechs Opern ( darunter zwei Werke von Zeitgenossen Glucks), vier Konzerte und zwei Tanz-Gastspiele auf 12 Bühnen in neun Städten der Region Franken / Nordbayern boten. Darunter auf der Freilichtbühne Berching die Opernrarität „Il parnaso confuso“ von Christoph Willibald Gluck, deren Uraufführung am 24. Jänner 1765 zur Hochzeit des österreichischen Thronfolgers Joseph mit Maria Josepha von Bayern als Azione teatrale im Schloss Schönbrunn in Wien stattfand, wobei die Schwestern Josephs alle Gesangspartien übernahmen.

Die 1100 Jahre alte Kleinstadt Berching – sie nennt sich Gluck-Stadt, wurde doch der Komponist Christoph Willibald Gluck, der 1787 in Wien verstarb, 1714 in Erasbach in der Gemeinde Berching geboren – war zum zweiten Mal Schauplatz der Internationalen Gluck-Opern-Festspiele, wobei die Freilichtbühne im Hans-Kuffer-Park ein sehenswertes Ambiente für die Aufführung bot.

In Glucks Oper Il Parnaso confuso, deren Libretto Pietro Metastasio verfasste, werden die drei Musen Melpomene, Euterpe und Erato von Apollo gedrängt, für die bevorstehende Heirat Josephs mit dem „hellsten Stern von Bayern“ ein künstlerisches Programm zu gestalten.  Da die Zeit hiefür sehr knapp ist, geraten die Musen in Streit, welche Form am besten wäre, ehe sie schließlich mit Apollo nach einem gemeinsamen Schlussquartett abreisen, um das glückliche Paar zu feiern.  

Die Aufführung auf der Freilichtbühne in Berching war eine Produktion der Pocket Opera Company, die 1974 in Nürnberg von Beat Wyrsch und David Seaman gegründet wurde und sich rasch durch ihre frechen Bearbeitungen und Ausgrabungen als Operntruppe einen Namen machte. Im Jahr 2003 übernahm der Dirigent Franz Killer die musikalische und 2007 auch die künstlerische Leitung der Truppe.

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Dieses Foto schmückt das Programmheft der Opernproduktion der Pocket Opera Company

 Unter der Regie von Beat Wyrsch wurde Glucks Oper Il Parnaso confuso mit einer Rahmenhandlung versehen, die nicht alle Besucher der Premieren-Aufführung als „Bereicherung“ empfanden.  So fügte man musikalische „Zitate“ aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen und Orpheus in der Unterwelt sowie aus Strawinskys Ragtime und auch aus Glucks Alceste ein. Zudem wurden Texte aus drei Werken des Dichters Herbert Achternbusch eingebaut. Andererseits gelang es dem Regie-Team (Ausstattung: Evelyn Straulino, Maske: Sieglinde Feck, Dramaturgie: Florian Reichert), das Publikum mit spektakulären Einfällen zu begeistern: Thalia schwebte auf einem Seil über den Bach auf der Bühne, der Prinz ritt auf einem Gaul zwischen den Zuschauerreihen zum Bach und warf Melpomene einen Blumenstrauß zu, nach der Pause kam er auf einem Boot zu den Klängen der Barcarole zur Bühne und am Schluss fuhr noch eine Hochzeitskutsche mit dem Brautpaar vorbei. Im Grunde wurde es durch die Bearbeitung von Franz Killer ein neues Stück.

Positiv ist zu vermerken, dass man das der Oper zugeordnete Ballett Le triumphe de l’Amour (Musik von Florian Leopold Gassmann), in dem bei der Uraufführung der 8jährige Erzherzog Maximilian, der 11jährige Erzherzog Ferdinand und die 9jährige Erzherzogin Maria Antonia, die spätere Marie Antoinette, als Tänzer mitwirkten, wie Nachforschungen von Gerhard und Renate Croll ergaben, im Stück erstmals seit der Uraufführung wieder auf die Bühne brachte. Die Aufführung in Berching wurde dem Gedenken an die im letzten Jahr verstorbene Renate Croll gewidmet.

Sehr stark waren die Leistungen des Sängerensembles. In der Hosenrolle des Apollo konnte die junge deutsche Sopranistin Anna Bürk sowohl stimmlich wie darstellerisch beeindrucken. Ihr ebenbürtig war die Sopranistin Gertrud Demmler-Schwab als Melpomene. Sie begeisterte das Publikum auch durch ihre enorme Spielfreude, mit der sie den Prinzen umgarnte und für sich gewann.  Die beiden anderen Musen wurden von der koreanischen Sopranistin Heejoo Kwon (Euterpe) und von der österreichischen Mezzosopranistin Lea Müller (Erato) dargestellt, die beide auch mit tänzerischer Begabung aufwarteten.

 Die Rolle der Thalia wurde von der Schauspielerin Marion Niederländer engagiert gespielt, den Prinzen gab der am Wiener Max-Reinhardt-Seminar zum Schauspieler und Sänger ausgebildete Klaus Meile, der nicht nur hoch zu Ross eine gute Figur machte. Mit angenehmer Stimme deklamierte er seine Texte auch sehr wortdeutlich.    

Die jungen Mädchen der Ballettschule Berching wirbelten unter der Leitung von Julia Koderer und Katharina Schmidt anfangs wie aufgescheuchte Hühner über die Bühne, zeigten aber in den Ballettszenen ihre tänzerische Begabung.

Das zehnköpfige Orchester mit Schwergewicht auf Saxophon wurde von Franz Killer vom  Cembalo aus geleitet. Dass Glucks Musik mit modernen Instrumenten anders klingt, war zu erwarten, dennoch sorgte das kleine Orchester mit Offenbachs Klängen für Elan und Schwung und animierte dadurch viele Zuschauer bei der Tanzeinlage am Schluss zu rhythmischem Applaus.  

Lang anhaltender Beifall des Premierenpublikums, das zum Teil von weither angereist kam, für alle Mitwirkenden und für das Regie-Team.

Udo Pacolt

 

 

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