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„Beethoven Unknown“ Solo Piano Works. Neue CD mit Matthias Kirschnereit und unbekannten Beethoven-Werken bei Berlin Classics erschienen

23.03.2020 | cd

„Beethoven Unknown“ Solo Piano Works

Viele unbekannte Raritäten

Neue CD mit Matthias Kirschnereit und unbekannten Beethoven-Werken bei Berlin Classics erschienen/

Bildergebnis für matthias kirschnereit beethoven solo piano works

Dieses Album gibt einen Überblick über alle wichtigen Formen von Beethovens Klaviermusik wie Sonaten, Variationen oder Tänzen, als auch einen Querschnitt durch die kompositorische Entwicklung des Meisters. Angefangen von den musikalischen Anfängen wie dem Rondo in C-Dur WoO 48, welches er im Alter von gerade einmal 12 oder 13 Jahren geschrieben hat, bis hin zu den letzten musikalischen Aphorismen wie dem Klavierstück in g-Moll WoO 61a aus dem Jahre 1825. Es ist ein Notat von gerade einmal 13 Takten, welches die tiefe Trauer über den Verlust seines Gehörs beklagt. Dieses Nachempfinden von Emotionen sieht Matthias Kirschnereit als eine der spannendsten Aufgaben eines Interpreten an. Emotionale Hintergründe werden bei dieser Aufnahme auch beim Präludium in f-Moll präzis erforscht. Das Werk erscheint ihm laut eigenen Worten wie ein intensives Zwiegespräch zwischen Beethoven und Johann Sebastian Bach „bei Kerzenschein voller Schmerz, Einsamkeit und Melancholie“, so Kirschnereit. Es geht dem versierten Pianisten Matthias Kirschnereit darum, Werke von Beethoven (die vielfach nicht im allgemeinen Fokus stehen) in neuem Glanze erscheinen zu lassen. Darunter seien auch Stücke, die nicht unbedingt zum Ziel hätten, die Welt zu verändern, ergänzt er. Dazu gehören neben der Polonaise in C-Dur op. 89 auf jeden Fall das Allegretto in c-Moll WoO 53, die Ländlerischen Tänze in D-Dur WoO 11, die Sonate in f-Moll WoO 47 oder die 6 durchaus reizvollen Ecossaisen in Es-Dur WoO 83. Das Exzentrische und Exaltierte der Kunst Beethovens tritt hier nicht so sehr hervor. Vielmehr triumphiert bei dieser konzentrierten Wiedergabe das Verhaltene und Hintergründige. Gegen Ende hin setzen sich die mystischen und metaphysischen Assoziationen konsequent durch. Ausschweifende Modulationen und dynamische Kontraste werden dabei eher angedeutet, kommen aber nicht zu kurz. Bei den 6 Variationen in F-Dur op. 34 kommt der Ausdruckscharakter besonders eindringlich zu Gehör. Das Adagio in F-Dur leuchtet hell auf – und auch der lyrische D-Dur-Satz als erste Variation mit seiner reich figurierten Melodie hinterlässt einen starken Eindruck, dessen Intensität nicht nachlässt. Als akustischer Höhepunkt erweist sich dabei der markant interpretierte Trauermarsch in c-Moll, dessen Akzente präzis verdeutlicht werden. Sphärenhaft lichtet sich die Stimmung dann nach C-Dur auf. Matthias Kirschnereit präsentiert dieses Werk als abwechslungsreiches Spiel der Phantasie. Seltsam schwerelos wirkt auch die gelungene Wiedergabe des Walzers in Es-Dur WoO 84, wo Kirschnereit die thematischen Zusammenhänge sensibel hervorhebt. Leidenschaftlich-expressive und spielerisch-heitere Passagen halten sich die Waage. Beim Andante in C-Dur treten auch kapriziös-galante Momente in fast geheimnisvoller Weise hervor. Der künstlerische Willensakt erweist sich allerdings auch hier als zielstrebig und zwingend logisch. Matthias Kirschnereit verdeutlicht insbesondere die thematischen Energien aufgrund eines spannungsvollen Spiels. Und das Draufgängerische der Bagatelle in c-Moll WoO 52 sticht grell hervor. Kirschnereit verdeutlicht bei dieser Einspielung Beethovens Ringen um die besondere Form der Komposition – ganz im Gegensatz zu Mozarts geradezu unendlicher Leichtigkeit. Er erweist sich auch hier als „Poet am Klavier“.      

Alexander Walther

 

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