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BECKS LETZTER SOMMER

22.07.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Becks letzter Sommer~1

Ab 24. Juli 2015 in den österreichischen Kinos
BECKS LETZTER SOMMER
Deutschland  /  2015 
Drehbuch und Regie: Frieder Wittich
Mit: Christian Ulmen, Friederike Becht, Nahuel Pérez Biscayart, Eugene Soel Boateng u.a.

Es passiert einfach. Die Jahre vergehen unmerklich, die einstigen Ambitionen verkrümeln sich und sind nicht mehr gesehen, und schon ist man – geistig  und körperlich ein paar Kilo zu schwer – in der endlosen Resignation der mittleren Jahre. So wie Robert Beck, der einst Pop-Musiker sein wollte und nun in voller Lustlosigkeit in der Schule Musikunterricht erteilt.

Aber das Motiv des miesen Lehrers, das schon in manchem Film als Lustspielantrieb diente, steht hier nicht im Mittelpunkt. Sondern die Frage, wie man sich selbst wieder motiviert, wenn man sich eigentlich längst aufgegeben hat. Für einen, der in der Seele immer ein Vollblutmusiker war und bleibt, kann das nur durch ein Talent geschehen – ein Schüler, Rauli Kantas  aus Litauen (eine schlechtweg wunderbare Leistung von Nahuel Pérez Biscayart), dessen er sich annimmt, für dessen Stimme und eigentümlichen Vortrag er Songs schreibt, dem er plötzlich die Karriere verschaffen möchte, die er selbst nicht geschafft hat…

Der Film schlägt dann einen Haken, als er sich plötzlich zum Roadmovie (mit ein paar schlimmen und ein paar komischen Ereignissen) wandelt – Charlie Aguobe (Eugene Soel Boateng voll schrägem Charme), Becks schwarzhäutiger Freund, Drogenhändler, selbst schon als Drogenkonsument fast am Ende, verlangt von Beck, ihn nach Istanbul zu seiner sterbenden Mutter zu bringen. Rauli kommt auch mit, überwindet Liebeskummer und lernt ein Stück sexuelle Realität kennen. Charlie geht seinem – letztlich friedlichen – Ende entgegen.

Und Beck? Der muss feststellen, dass die Musikfirma zwar seinen Schützling will, aber keinesfalls ihn. Und muss lernen, dass der Junge aus Litauen, mit ganzer Familie da, einer von jenen die es so schwer haben, in der neuen Welt wirklich Boden unter den Füßen zu finden, nicht zu ihm stehen kann, auch wenn er alles andere als ein unanständiger Kerl ist. Er weiß, was er Beck verdankt – aber Anstand und Loyalität kann er sich nicht leisten. Er muss dorthin, wo das größte Geld für ihn ist…

Der Film, den Frieder Wittich geschrieben und inszeniert hat, erzählt eine Geschichte nach den Regeln der Dramaturgie vielleicht etwas zu glatt und vorhersehbar. Aber er kann vor allem auf seinen Hauptdarsteller bauen – Christian Ulmen, der heuer 40 wird (ja, es ist 13 Jahre her, als er als „Herr Lehmann“ entzückte), hat Speck angesetzt und viel von seiner einst unwiderstehlichen Jungenhaftigkeit abgelegt: Er ist Beck, wie er leibt und lebt.

Nur dass das Kino für seinesgleichen dann immer ein Happyend hat – Freundin Lara (Friederike Becht, bezaubernd in ihrer selbstverständlichen Selbständigkeit) will nach Rom und das kann er nicht verstehen? Na, dann muss er ihr halt nachfahren, bei ihr bleiben… und darf dann auf einmal sogar in einer kleinen Bar musizieren. Alles happy. Wir sind ja im Kino.

Aber vielleicht liefert der Film, in dem es viel Musik gibt, ein paar versumperten Vierziger und Spätvierzigern den Anstoß, über eine verfahrene Lebenssituation wenigsten zu reflektieren…

Renate Wagner

 

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