ZU BAYREUTH: KRITIKEN-WIRRWAR – wem soll ich glauben?
Liebe Online-Merker!
na mir natürlich! 🙂 Also:
RHEINGOLD: insgesamt grottenschlecht. Dirigat durchweg spannungslos, sehr heller Orchesterklang, die Sängerriege durchwachsen, auf der positiven Seite jedenfalls Wotan (souverän), Freia (sehr schöne Stimme) und Erda (satt), bei Loge alles im Hals, bei Fasolt alles in der Nase, Fafner ohne Höhe, Froh ohne Stimme, Mime und Donner eher unauffällig, Fricka furchtbar (schrill), Alberich in der Höhe ziemlich flach und insgesamt zu hell, Rheintöchter etwas unkoordiniert mit einem Schmiss im Finale.
WALKÜRE: Siegmund schön, allerdings ungewohnterweise drei Kiekser in der Höhe (dafür heute einen sehr guten Tannhäuser), Sieglinde mit einem Ziegenvibrato sondergleichen (detto heute als Elisabeth), Hunding wie immer ausgezeichnet, Brünnhilde hat sich von einer Hochdramatischen zu einer Hochlyrischen gewandelt, an den leiseren Stellen durchaus berührend, insgesamt aber zuwenig Volumen, Wotan sehr gut (2. Aufzug) bis Weltklasse (3. Aufzug), ausgezeichnete Technik, grosse Stimme, extrem emotionale Interpretation: es gab Tränen zum Feuerzauber, Fricka leicht verbessert (also nur noch schlecht, sorry, aber das ist die Wahrheit), von acht Walküren drei sehr schön, die anderen kaum anzuhören (sorry, ist aber auch die Wahrheit), Dirigat diesmal besser, immer noch sehr heller Klang, ohne spezielle Highlights.
Über die Inszenierung sei der Mantel des Schweigens gebreitet – im Gegensatz zum Parsifal inspiriert sie mich bislang zu keinem einzigen weiteren Satz.
Auch noch TANNHÄUSER von heute abend gefällig?
Vogt (Tannhäuser) sehr gut, ein bisschen dünnbrüstig in der Tiefe (no na), aber glänzende Höhe und überhaupt keine konditionellen Probleme, sehr überzeugende Romerzählung, auch „Erbarme dich“ souverän. Eiche (Wolfram) wunderbar, grossartiger Abendstern, aber auch im Sängerwettstreit klar der beste. Groissböck (Landgraf) mit starkem Beginn, später leichte Probleme in Tiefe und Höhe, insgesamt solide. Teige (Elisabeth) mit demselben Vibrato wie tags zuvor, wird wohl nicht lange gut gehen. Die Minnesänger mit Aufs und Abs, überzeugend vor allem Sigurdarson (Biterolf). Venus (Gubanova) in Ordnung, und ein wunderbarer junger Hirte (Grüter), das wäre eine Elisabeth gewesen! Dirigat recht gut, lässt es durchaus hin und wieder krachen, allerdings an ein paar Stellen seltsame Ritardandi, die nicht wirklich Sinn machen. Orchester ausgezeichnet, vor allem die Holzbläser im ersten Drittel des 3. Aufzugs, Chor wie immer grossartig (auch wenn er im ersten Aufzug sehr zurückgenommen wurde).
Die Inszenierung (erstes Mal gesehen) ist so lustig wie in den Vorjahren schon von Kundigeren als mir beschrieben, mit leichten Adaptionen (Oskar mit einem Schild „Brille gesucht“ als Anspielung auf den Parsifal:großer Lacherfolg, ebenso wie die pilgernden Festspielgäste im ersten Aufzug vor der Kulisse des Festspielhauses). Insgesamt ein sehr guter Abend.
Noch Fragen? 😉
Univ.Prof. Dr. Peter Reichl

