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BAYREUTH/ Stadthalle: ABSCHLUSSONZERT MEISTERKURS MICHELLE BREEDT – Erfreuliche Talentproben

09.08.2015 | Konzert/Liederabende

Meisterkurs Gesang mit Michelle Breedt in der Stadthalle Bayreuth im Rahmen der Bayreuther Festspiele

ERFREULICHE TALENTPROBEN

Abschlusskonzert des Meisterkurses Gesang von Michelle Breedt im Rahmen der Bayreuther Festspiele am 8. August in der Stadthalle/BAYREUTH

Michelle Breedt, die Venus in der Bayreuther „Tannhäuser“-Inszenierung, lehrt seit 25 Jahren als Gesangspädagogin. Sie ist unter anderem Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in München. Jetzt hat sie ihre Gesangsschüler im Rahmen der Bayreuther Festspiele in sehr erfolgreicher Weise vorgestellt. Sicher ist jedenfalls, dass man noch von allen diesen jungen Sängern etwas Besonderes hören wird. Zunächst überzeugten Christoph Waltle und Jakub Pustina beim 1. Aufzug, 2. Szene aus Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“: „Mein Herr! Der Singer Meisterschlag gewinnt sich nicht an einem Tag.“ Den spezifischen diatonischen Klangcharakter dieser Oper unterstrich in feiner Weise der Pianist Jobst Schneiderat, der die Sänger in einfühlsamer Weise wie auf Händen trug. Die schwellenden Nonenakkorde für die schwärmerische Gefühlswelt wurden von beiden Sängern unterstrichen. Die kontrapunktische Gestaltungsweise Bachs schimmerte ebenfalls wundersam empor. Auch die dynamisch sich gewaltig steigernden Legato-Bögen beherrschte Christoph Waltle als intonationssicherer Tenor effektvoll. Michelle Breedt sieht Wagner nicht in erster Linie als Vorfahren von Mahler und Bruckner, sondern auch als einen Nachfahren Rossinis und Donizettis mit vielfältigen charakteristischen Mitteln. Und so lässt sie die Gesangsschüler diese Werke auch singen. Das Rossini-Crescendo darf da nicht fehlen. So hört sich der Meister stellenweise auch leichter und sphärenhafter an. Eine Entdeckung.

Großartig war ferner die Leistung der begabten Altistin Kismara Pessatti als Erda in der vierten Szene aus Richard Wagners „Rheingold“: „Weiche, Wotan, weiche!“ Das mythische Urelement brach sich hier in geheimnisvoller Weise Bahn. Kismara Pessatti gestaltete auch die „Wesendonck“-Lieder Wagners („Im Treibhaus“ und „Schmerzen“) mit nie nachlassender Emphase und klangfarbenreichen Zwischentönen, deren Intensität sich stets verstärkte. Auch die Mezza-voce-Facetten gingen so nicht unter. Als schlanker tiefer Sopran vermochte Barbara Schingnitz der Waltraute in Richard Wagners „Götterdämmerung“ (1. Aufzug, 3. Szene) bei der Passage „Höre mit Sinn, was ich dir sage!“ ein ernsthaftes Pathos zu verleihen, das die Zuhörer direkt ansprach. Die Technik leitmotivischer Verknüpfung trat hier in den Mittelpunkt. Ein weiches Timbre strahlte dabei hervor, das nie vordergründig stählerne Kraft besaß. Jakub Pustina überzeugte bei der berühmten Arie des Siegmund „Ein Schwert verhieß mir der Vater“ aus Richard Wagners „Walküre“ (1. Aufzug, 3. Szene) als strahlkräftiger Heldentenor, der die Töne aber nicht allzu sehr herauspresste, sondern auch leisere Momente des Innehaltens berücksichtigte. Die dramatische Kraft des heldischen Aufbegehrens kam hier großartig zur Wirkung. Wagners „Tristan und Isolde“ begeisterte dann mit Christoph Waltle (Seemann), Kristin Ebner (Isolde) und Barbara Schingnitz (Brangäne) aufgrund der leidenschaftlichen Auseinandersetzungen in der ersten Szene des ersten Aufzugs. Da wuchsen alle über sich selbst hinaus. Der tiefe romantische Unendlichkeitsdrang und die melancholische „Tristan“-Chromatik setzten sich durch. Wie Wagner hierbei kühn die harmonischen Gesetzlichkeiten durchbricht, machten alle Sänger zusammen mit Jobst Schneiderat am Flügel in berührender Weise deutlich. Zuletzt gefiel Kristin Ebner mit voluminösem Sopran bei Isoldes Schlussgesang „Mild und leise“ aus dem 3. Aufzug (2. Szene) von Wagners „Tristan und Isolde“. Hier ließ sie die aus den vier Halbtonschritten des Liebesmotivs erweiterte Harmonik zu einer wahren Zauberblüte anschwellen. Man merkte allen Sängerinnen und Sängern an, wie sehr Michelle Breedt als Dozentin auch auf eine kultivierte Belcanto-Schulung Wert legt. Glissando-, Sostenuto- und Passaggio-Effekte berührten das Publikum unmittelbar. Die italienische Oper ließ grüßen.

 Alexander Walther  

 

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