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BAYREUTH/ Festspiele: TRISTAN UND ISOLDE

21.08.2019 | Oper


Georg Zeppenfeld, Petra Lang und Christa Mayer. Foto: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Bayreuth: Tristan & Isolde  20.8.2019

In ihrem letzten Jahr ist die Inszenierung Katharina Wagners für Tristan & Isolde angekommen. An einigen Stellen hat sie noch Verbesserungen, Verklarungen vorgenommen. Aber sie wird wohl nicht in die Annalen  großer Interpretationen  dieser Wagner-Oper mit musikalischem Ausnahmecharakter eingehen. Am verrätseltsten wirkt vielleicht noch der erste Akt mit den querständigen z.T ins nichts führenden Treppenabsätzen und Geschossen, ein Labyrinth der Liebe und Seelen, aber modern designet von Frank Philipp Schlößmann und Matthias Lippert, in dem sich die Darsteller in Aufzügen bewegen, immer die richtigen Treppen finden, nie abstürzen. Vielleicht hätte man sie als Einheitsbühne für die gesamte Oper, wie heute so oft in modernen Regien, belassen sollen. Denn was dann kommt hat wesentlich weniger Qualität. Im 2.Akt ein hoher Raum, in dem Tristan & Isolde eingekerkert sind, und der von oben auf einer umschließenden Brüstung von Wärtern eingesehen werden kann. Die Fahrradständer-artigen Stahlgebilde, an denen sich das Paar im Verlauf auch abarbeitet, könnten später der Bayreuther Region als Fahrradständer weiter dienen. Im 3.Akt gibt es dann im Grunde gar kein Bühnenbild mehr.

Im 1.Akt kam es Katharina W. also darauf an, wieder neue Wege für das Personal in dem Labyrinth zu finden. Jedenfalls sind die Personen jetzt deutlicher erkennbar, und die musikalische Wiedergabe unter Christian Thielemann erscheint auch strukturierter. Man kennt sich besser aus, was im oberen bzw. unterem Teil der hypertrophen Anlage passiert, bis das Paar, das vorher auch den Hochzeitsschleier Isoldes in kleine Fahnen zerrissen hat, den lange in Händen gehaltenen Liebestrank in kleinem  Döschen endlich gemeinsam auf den Boden schütten.

Auch im 2.Akt rollt das Orchester in unendlich scheinenden Wellen an und trägt die Gesänge zuerst wieder mit Isolde und Brangäne. Letztere leitet mit ihren  Wachtgesängen auch das Orchester in ruhigere Fahrwässer. Da hat Thielemann wie im ersten Akt schon das richtige Gespür, die Wogen in die richtige Bahnen zu lenken. Nach den Reflexionen des Vergangenen verlassen Isolde und Tristan ihr Zelt links und schreiten gemeinsam mittig in den Hintergrund und singen da ihren ihr ‚Sink hernieder‘ nach hinten, was laut Thielemann der Verschmelzung der Stimmen und der Orchesterbegleitung optimal entgegenkommt. Dabei werden die Beiden am hinteren Bühnenrand gespiegelt, aber sehr verkleinert und in bläuliches Licht getaucht. Über die diametral andere Interpretation K.Wagners des Dramas als der ihres Urgroßvaters ist eigentlich schon alles gesagt; die gelb eingekleidete Hofgesellschaft Markes spielt dem Paar übel mit, Melot stößt Tristan ein Messer in den Rücken. Und Isolde läßt sich auch am Ende des 3.Aktes fast ohne Widerstand von Marke wegführen. Wo bleibt denn da das Magische am Liebestod? Er verflüchtigt sich vollständig.

Der Junge Seemann Tansel Akzeybek verbleibt in seinem a capella Gesang für mich wieder völlig indiskutabel. Es soll ja kein zartes Huldigungsliedchen für Isolde sein, sondern ein ätzender ironischer Spottgesang auf die ‚gefangene‘ Prinzessin. Raimnd Nolte gibt wieder einen adäquaten, im Gesang etwas blassen Melot. Neu ist in der Produktion Greer Grimsley, und macht mit ausdrucksvoll pointiertem baritonalem Gesang seine Sache eigentlich gut, nur hat er obwohl eher jugendlich manchmal einen Hang zu extensivem Vibrato. Christa Mayer schlägt sich wieder toll als Brangäne, wirkt jetzt im grünen Kostüm mindestens ebenso dramatisch wie Petra Lang/Isolde.  Dabei hat sie aber ein „geraderes“ Timbre, es fehlen ihr manchmal die farbigeren Stimmvalleurs. Georg Zeppenfeld, hier mit seinem 2.König nach Lohengrin, gestaltet den Marke wunderbar aus, kommt auch an die tiefengeschärfte Zeichnung illustrer Vorgänger wie Matti Salminen heran. Besonders in den auch im Orchester brodelnden Stellen seines Monologs dreht er mächtig auf. Als Steurmann ergänzt Kay Stiefermann.

Stefan Vinke teilt sich dies Jahr den Tristan mit Stephen Gould. Wie schon bei seinen Siegfrieden vor 2 Jahren singt er in der Mittellage als Ausdrucksmittel manchmal leicht bellend. Es gelingen ihm im Verlauf bis 2.Akt schöne Legatobögen, und er kann die wohl vier Monologe im dritten besonders stark gestalten und ausformen. Sein dunkel grundiertes Timbre verleiht auch der Höhe ansprechendes und sehr konsistentes Flair. Seine Isolde Petra Lang besitzt einen wie soghaften auch tieftimbrierten Sopran, der ihrem Gesang öfter fast magische verzückte Anklänge verleihen. Öfters erscheint ihre Höhe aber nur suboptimal gefestigt. Im 1.Akt ist sie aber sicher stimmstärker, auch textverständlicher geworden. Man ist auf ihre Walküren-Brünnhilde nächstes Jahr gespannt.                                               

Friedeon Rosén

 

 

 

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