Bayreuther Festspiele: Siegfried II. 8.8.2023

Der Waldvogel (Alexandra Steiner) und Siegfried (Andreas Schager). Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspele
Im Siegfried wird zwar besonders die Qualität der szenischen Bilder und Räume eingehalten, ja zu einer gewissen Souveränität geführt, aber die Kinder- und neuen Personengruppen, die schon vorher zu Verwirrung geführt haben, sind zumTeil wieder stark verändert worden, was dieses Regiekonzept von Valentin Schwarz weiter verkompliziert. Musikalisch kann das hohe Niveau durchaus gehalten werden. Ein Plus ist, dass Pietari Inkinen ein gutes Gespür für schnelle und langsam zu nehmende Passagen hat, so dass auch bei längeren Erzählungen nie Langeweile aufkommt. Auch ein ansprechender Mischklang der Stimmen wird erreicht, und der musikalische Ausgleich zwischen Bühnen- und Orchestergraben kann auch bei so durchschlagenden Stimmen wie die von Andreas Schager oder Tomasz Konieczny immer gut in der Waage gehalten werden.
Mimes Höhle ähnelt in der Konstruktion sehr der Behausung Hundings in der Walküre. Mit Puppen und Zaubertheater will er dem Ziehkind eine schöne Kindheit angedeihen lassen, was aber misslingt. Der Wanderer erscheint zur Wette mit zwei Adjutanten, die das Haus kontrollieren. Das zerschlagene Schwert ist hier Mimes Gehhilfe, die sich als zweiteilige Stichwaffe entpuppt. So braucht Siegfried auch nicht zu schmieden, es manifestieren sich dabei aber Gewaltphantasien des Regisseurs, wenn der Waelsungenspross, dem Alkohol zugeneigt, sein Kinderspielzeug zerschlägt, Mimes Kopf in den Toaster steckt und danach in der Spüle kurz Water-boardet. Das Schmieden wird dabei im Orchester erledigt.
Auch im 2.Akt ist das Grundschema mit hinzugefügten Personen beibehalten. Der eine Pfleger des kranken Fafner im Pflegebett soll der junge Hagen sein. Alberich kommt, inzwischen mit Glatze und Vollbart, und wird von Wotans Adjutanten abgetastet und gefilzt. Er will sich seinen Jungen nach Fafners bevorstehendem Tod wieder zurücknehmen, was misslingt. Eine 2. Pfegerin ist die Waldvogelfrau. Fafner, der sich von ihr nicht pflegen lassen will, rappelt sich auf die Beine, geht ein paar Schritte mit dem Rollator, fällt dann aber und stirbt, ohne daß sich jemand der Anwesenden um ihn kümmert.Der Goldjunge/Pfleger/Hagen schließt sich aber nun Siegfried an. Das Waldvogel- Maedchen im hübschen violettblauem Kleid, das mit Siegfried ein wenig warm geworden war, verbleibt jetzt beim toten Fafner. Also kein gemeinsames Weglaufen der drei. Siegfried hatte davor Mime auf dem Sofa, wo die Viererbande vergnüglich gepichelt hatte, mit der Gehhilfewaffe erschlagen, und der junge Hagen dabei noch mit einem Kissen nachgeholfen.
In dem Kellergeschoss von Walhall findet der Wanderer zuerst fast totes Wesen. Es ist aber nicht eine der Nornen , wie man denken könnte, sondern „ein von Erda gerettetes Ersatzkind“ (V.Schwarz). Nach dem für Wotan misslungenen Disput mit seiner früheren Geliebten legt sich der Wanderer in das hier deponierte Krankenbett neben anderen ausgedienten Ikonen. Nun aber bei der Ankunft von Siegfried und Hagen ein munter inszeniertes Trio, das sich in den Wegen und Umlaeufen diese Terrains ergeht, bis zur Zerschlagung des Wotan- Speers. Wanderer versucht Siegfried ein Kettchen umzulegen, das dieser später Bruennhilde um den Hals schlingt. Sie erscheint, in lange Gewänder gehüllt bei bandagiertem Kopf auf der linken Depotseite des Soutterains. Grane begleitet sie als Mensch wie ein alter Verehrer im Abstand von 5 Metern. Hagen verschwindet, als Siegfried Bruennhilde von ihrer Vermummung befreit. Im Wachzustand nimmt sie dann verschiedene Wege in Angriff, um sich ihrer Göttlichkeit zu entaeussern hin zur liebenden menschlichen Frau.
Siegfried macht ihr seine Liebe klar und sie sind kurz einander zugewandt, gehen dann aber getrennt von der Bühne ab. Die Musik kann das auf ihre Weise exorbitant erlebbar machen und das Orchester spielt die „Erweckung“ sowie die Liebesmusik (‚Leuchtende Liebe, lachender Tod‘) auf höchstem Niveau.
Zu den Saengern und Sängerinnen , die ident denen des Vorjakres sind, gemann ich keine neuen Erkenntnisse. Ich verweise daher auf meine Einzelkritik bei der 2.Premierenrunde im vergangenen Jahr in diesem Medium.
Friedeon Rosén

