Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

BAYREUTH/ Festspiele: PARSIFAL III

13.08.2023 | Oper international

Bayreuther Festspiele: PARSIFAL III, 12.8.2023

pard
Schluss-Szene. Foto: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Mit Spannung wurde die Neuinszenierung von Parsifal erwartet,diesmal auch  mit QR- Brille in der Inszenierung von Jay Scheib, das Dirigat hatte Pablo Heras-Casado inne,der sich gut in den Dienst der reich bebilderten bunten Inszenierung stellte. 

Aus dem verdeckten Graben erschallen die großen Themen wie Der Glaube, Die (Nächsten)liebe und Das Mitleid in angemessenen Tönen und Farben und H.-Casado kann das Orchester bereits in der Anfangsphase zum Blühen und Schwelgen animieren. Bei der beherrschenden Gurnemanz Erzählung hält er es aber zurück.Umso mehr kommt es bei der Zwischenmusik zur Gralsburg zum Zug, wo es auch sehr rhythmisch akzentuiert agiert. Bei Titurel und Amfortas dann wieder zurückhaltende aber lauernde Untermalung. Im 2. Akt wird die Musik noch bewegter und flüssiger, kann auch einen mächtigen Sog entwickeln. Im Schlussakt bis auf den abermaligen Schmerzensausbruch Amfortas‘ erst alles sehr ruhig und biegsam gediegen, eine gut dosierte Hinsteuerung zu Naturschilderung und Karfreitagszauber, und zum Ende der schöne sinnlich beruhigte Ausklang in die neue Grals-Aera mit Parsifal und Kundry. Das alles wird vom Festspielorchester mit Verve gespielt und  erreicht teils einen hochintensiven Mischlang. Damit kann auch der Einstand von Heras-Casado als Erfolg gewertet werden.

Aber auch die Inszenierung von J.Scheib lässt sich gut an. In einer Bühnensenke ist Gurnemanz mit den Seinen zugange und erzählt die Geschichte des Grals. Er ist wie die anderen Gralsritter in einen vorne schließbaren gelben Rock gewandet.der die Ritterschaft hervorhebt.Die Knappen haben fellartige gemusterte Roecke umgebunden. Kundry erscheint in einem hellgrauen langen Ensemble drapiert und mit schwarzweiß gefärbten Haaren (Kost.: Meentje Nielsen). Ein eckiger Turm und ein runder Zackenkranz,der zur Gralsenthuellung hell erleuchtet nach oben gezogen wird, markieren die Bühne von Mimi Lien. Im 2.Akt ist sie mit Klingsors Schloss ausgefüllt. Zuerst sind die klobigen grün-grauen Innenwände zu sehen und rechts ein Ausschnitt,wo der Zauberer in rotem Outfit Kundry auf Parsifal ansetzt. Die Blumenmädchen alle sehr sinnlich z.T. in roten weiten Hosenanzüge,hautfarbenen Oberteilen. Auch Parsifal bekommt ein solches rotes übergezogen. Die Verführung durch die sehr elegante Kundry funktioniert bis zum ‚Mutterkuss‘. Die  Szene ist mit riesigen bunten exotischen Früchten drapiert und implodiert dann, wenn Parsifal Klingsor den Speer entwinden kann.

Die Reprise beim Gral wird durch das Bühnenbild mit einem  verschrottendem Marderpanzer belebt. In der Mulde ist jetzt ein grüner See ersichtlich. Kundry jetzt in einem vorne knöpfbaren Rock und schwarzweissem T-Shirt, Parsifal in rotem Kapuzenanzug, die Gralsritter in militärischem Tarnkleidern. Amfortas mit weissem Hemdkleid, in das die Wunde blutet wie zu Beginn. Parsifal wirft den wie ein schwarzes Schiffchen gestalteten Gral beiseite und setzt sich mit dem Speer als neuen Gralskönig ein, Kundry stirbt nicht.

Der Gralsritterchor kann sich angemessen klanggewaltig steigern. Ein schönes voluminöses Solo aus der Höhe singt Marie Henriette Reinhold. Klingsors Zaubermädchen lassen Homogenität vermissen, und einige Stimmen fallen etwas heraus. Gute Knappen geben dagegen Betsy Horne,Margaret Plummer,Jorge Rodriguez-Norton und Garrie Davislim. Der neue Klingsor Jordan Shanaham macht seine Sache gut, kann Kundry mit angesagtem Bariton erstmal im Zaum halten. Den Titurel gibt Tobias Kehrer erst ganz kantig fast spitzig aus dem Off. Ein gewohnt zuverlässiger,locker und zugleich profunde singender Gurnemanz ist Georg Zeppenfeld. Derek Welton ist vom Klingsor zum Amfortas aufgestiegen und macht seine Sache mit gediegenem Bariton gut. 

Andreas Schager kann mit seiner Stimmpotenz auch als Parsifal berühren und genügt hier höchsten Ansprüchen. Auch szenisch ist er ansprechend eingesetzt.

Elina Garanca gibt eine wunderbare Kundry mit ihrem natürlich fliessenden klangschönen Mezzosopran. Es erscheint ja auch für die Verführung angemessen, dass sie stimmlich und äußerlich nicht aufgedonnert wirkt, sondern Parsifal liebevoll einlullen kann.

 

Friedeon Rosen 

 

Diese Seite drucken