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BAYREUTH/ Festspiele: LOHENGRIN

Vorstellung vom 10.8.2018

12.08.2018 | Oper


 Oben: Georg Zeppenfeld. Unten: Waltraud Meier, Piotr Beczala, Anja Harteros. Copyright: Enrico Nawrath/Bayreuther Feststpiele

Bayreuther Festspiele:  Lohengrin  10.8.2018

Beim neuen Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen in der Inszenierung von Yuval Sharon, Neo Rauch & Rosa Loy (Bühne und Kostüm) wird versucht, zwei Zeitebenen in Kongruenz zu bringen. Einmal ein Zeitalter der Elektrifizierung im 19. Jahrhundert mit wilden,  an Caspar David Friedrichs orientierten Naturgemälden von Neo Rauch, und zum anderen im Kostümbild ein Renaissancezeitalter mit großen Spitzkrägen, Halskrausen und Perücken in der spanisch-holländischen Tradition. Das gelingt weitgehend durch die im 2. und 3.Akt sehr choreographische und inspirierte Regie, die aber auch die Protagonisten in spannende sinnfällige Positionen von vorne in die Bühnentiefe hinein führt.

Große Atmosphäre schafft auch die jeweilige Farbgebung, so sind die ersten beiden Akte vielfach in ganz luzides Blau getaucht, während im 3. Akt das Brautbett-Gemach ein leuchtendes Orange dominiert. Im eher statisch gestellten 1.Akt wird im Bühnenbild schon ansatzweise elektrische (Grals)energie verlegt, wenn Elsa an einen Generator angeschlossen wird. Der 2. Akt beginnt in dieser märchenhaften Naturlandschaft, in der die Personen zu schweben scheinen und plötzlich weggezoomt sind. Elsa singt ihr Nachtlied in einem in die Landschaft gepflanzten Turm, wobei nur ihr Kopf im Fenster erscheint, überlagert von Gletschern. Der Kampf Lohengrin gegen Telramund erinnert an chinesische Schwertkämfer in der Luft und hat somit auch etwas Märchenhaftes. Das in etwa an ein Luxusgefängnis für Elsa  gemahnende Gebäude mutiert im 2.Akt zum bereits legendären Umspannwerk, und auch Telramund fällt dieser hier erzeugten ‚magischen‘ Energie später zum Opfer. Zum Ende erscheint Ortrud furienhaft, bevor s i e diesmal das Feueropfer abzugeben hat. Als Gottfried kommt ein grüner Mann herein, der sich zu Elsa gesellt, was hier aber wenig ernsthaft wirkt.

Unter der Leitung von Christian Thielemann kommt eine sehr festlich feierliche Aufführung zustande. Unter seinen Händen erklingt das Gralsgeheimnis pianissimo und ganz dezidiert in den Streichern. Jede Phrase erscheint bei ihm vormeditiert. Bei manchen reflektierenden Chören inc. Ensemble, z.B. beim ‚Geheimnischor‘, der ja im plötzlichen „Freeze“ beim Innehalten der Handlung, wünscht man sich auch einen stockenderen musikalischen Verlauf, hier geht Thilemann meines Erachtens nach zu schnell darüber hinweg. Sonst aber ist alles sehr gut gespielt, höchstes Streicherfiligran, blendende ‚Königstrompeten‘ im Graben und auf der Bühne, in den Begleitungen von Brautbettszene und Gralserzählung subtile Holzbläseruntermalung und von Thieleman exakt austarierte Begleitungen. Geradezu schmissig grausam und übertölpelnd der Ortrud-Schluß, nur noch vom Gottfried-Epilog abgemildert. Die Männerchöre im 2.Akt kommen, so intrikat sie sind, sehr locker-flockig herüber.


Tomasz Konieczny. Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Die Chöre sind sonst besonders bei den vielgestaltigen Einwürfen im „Königinnenstreit“ klangstark und präzis. Den Heerrufer gibt Egils Silins auftrumpfend und ‚mit Schmackes‘. König Heinrich ist Georg Zeppenfeld und legt sich mit großer Verve in die Partie, prononciert einen edlen Baß. Tomasz Konieczny singt im Bayreuth- Debut Telramund, und macht das mit seinem bekannten Alberich-Timbre mit ganz eigener, leicht fieser Note. Manchmal kommt er wie stimmlich greinend daher, eine markante Ausgestaltung.

Den Lohengrin übernahm bekanntlich Piotr Beczala mit einem in der Höhe öfter ganz süffigen Klang. Selten hat man eine solche ganz aus dem ppp aufgebaute Gralserzählung erlebt, bei dem er sein Timbre außergewöhnlich duftig einsetzt. Wenn Waltraud Meier ihre Ortrud zu singen beginnt, fühlt man sich 25 Jahre im Festspielhaus zurückversetzt. Auf dieser Bühne klingt ihr soft-cremiger dabei nicht unvoluminöser Mezzosopran immer noch einzigartig, und sie bekommt zu Recht mindestens soviel Beifall wie die andern ProtagonistInnen. Ein großer „Wurf“ ist auch Anja Harteros /Elsa, wobei ihre Stimme insgesamt etwas zu schwer für die Rolle erscheint. was sich auch manchmal im suboptimalen Registerausgleich zeigt. Aber sie wirkt sehr ausdrucksvoll auch im Kontrast zu Waltraud Meier, die mehr auf Linie zu phrasieren scheint. Dagegen ist ihr Spiel eher mädchenhaft wirkend, trotz Grauperücke bei immerglutvollem und passionalem Gesang.                                                    

Friedeon Rosén

 

 

 

 

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